Samstag, 1. August 2026

Die Unruhe des Menschen

Der Mensch wird mit einem Verstand geboren, der es ihm ermöglicht, tief in die Geheimnisse von Wissenschaft und Philosophie einzudringen. Je tiefer wir aber in die Geheimnisse der Schöpfung eindringen, desto stärker wird unsere innere Unruhe. Wir ahnen ein Potenzial in uns, das wir noch nicht voll leben, weil wir es nicht begreifen können. Diese Unruhe entspringt nicht allein dem Denken, sondern der Spannung zwischen dem, was der Mensch mit seinem Verstand erfassen kann, und dem, was sich seiner begrifflichen Kontrolle entzieht.

Natur und Schöpfung kennen diese Unruhe nicht. Sie ruhen in ihrer Existenz und erscheinen darin vollkommen. Ihnen fehlt der Unruhestifter, der menschliche Verstand. Sie nehmen ihr Dasein so an, wie es ist: Ein Baum und ein Tier fragen nicht, woher sie kommen und wohin sie gehen. Sie leben jenes Potenzial, das ihnen bereits in ihrem Ursprung mitgegeben wurde.

Der Mensch glaubt, es sei der Verstand, dessen Potenzial er ausschöpfen müsse, um sein Leben zu erfüllen. Die einen verbringen ihr Leben im Streben nach Mehr; die anderen versuchen, die Grenzen ihres Verstandes auszuloten, und es ergreift sie ein Zittern, wenn sie diese Grenzen nicht überschreiten können. In ihm lebt ein Träumen, ein Wünschen, eine Fantasie dessen, was alles geschehen könnte und doch nie geschieht. So verbringt er sein Leben, ohne seine eigentlichen Potenziale zu erkennen. Er taumelt durch das Leben, schenkt den falschen Versprechungen seines Verstandes Glauben und bleibt unruhig, weil er ahnt, dass ihm etwas Wesentliches entgeht.

Der Verstand begreift nicht, dass dem Menschen noch eine weitere Eigenschaft mitgegeben wurde: der Schöpfergeist, das Leben, die wesentlichste Gabe der Schöpfung an den Menschen. Diese Gabe richtet sich nicht nach außen auf die Welt, sondern nach innen auf die Seele. So wie die Welt mit all ihren Erscheinungen dem Gesetz der Evolution folgt, so ist auch der Mensch diesem Gesetz unterworfen: Er soll die Evolution seiner Seele entfalten und sich seiner selbst bewusst werden. Der Weg des Menschen führt daher nach innen, nicht nach außen.

Der Weg nach außen hat zur Entwurzelung des Menschen geführt; er hat den Boden unter den Füßen verloren. Bei seiner Geburt befindet er sich noch ganz in der Einheit mit dem Schöpfergeist. Doch der Verstand und die Welt führen ihn fort von seinem eigentlichen Sein. So breiten sich Verlorenheit und Verlassenheit in ihm aus, und er findet nicht in jene Einheit zurück, aus der er kam. Sein Verstand ist ein schlechter Berater, wenn er in ihm einen Helfer sucht; denn der Verstand kann ihm nicht den Weg zu seinem eigentlichen Ursprung weisen.

Ein Teil der Menschheit begreift jedoch, dass der Weg nicht nur nach außen, sondern auch nach innen führen muss, wenn wir unserem Schicksal gerecht werden wollen. Es ist der Weg der Meditation, der Kontemplation und des Gebets: der Weg der Rückbesinnung auf unser eigentliches Sein, auf den göttlichen Geist in uns, unseren inneren Wegweiser durch das Leben. Alle Unruhe und alles falsche Wünschen fallen von uns ab, wenn wir uns unseres Selbst bewusst werden. Dann sehen wir nicht mehr nur die Wolken am Himmel, sondern den Himmel hinter den Wolken.