Seit Jahrtausenden beschäftigt sich die Menschheit mit dem Tod.
Wissenschaft, Philosophie und Religionen suchen auf unterschiedliche Weise nach
Antworten. Dennoch bleibt die Frage, was der Tod für uns bedeutet, offen. Die
Angst vor ihm ist auch eine Angst vor dem Ungewissen: Was bleibt von uns, wenn
unser Körper stirbt?
Vielleicht kommen wir dem Geheimnis des Todes näher, wenn
wir unseren Blick zunächst auf das Leben richten. In meiner Vorstellung ist das Leben nicht bloss das
Gegenteil des Todes. Es geht dem einzelnen Menschen voraus und nimmt in ihm
Gestalt an. Wir können uns den Körper als einen Ausdruck dieses Lebens
vorstellen: Jede Zelle ist Teil eines Zusammenspiels, das wir nicht bewusst
steuern können. Für dieses Zusammenspiel verwende ich den Begriff
«Körperintelligenz». Er bezeichnet keine eigene denkende Instanz, sondern das
Wirken des Lebendigen in uns. Unser Verstand kann dieses Wirken betrachten,
doch er kann es nicht hervorbringen. Der Gedanke liegt nah, dass wir das Leben nicht
besitzen, sondern dass wir Teil des Lebens sind, das Leben der wichtigste Bestandteil
unserer menschlichen Existenz ist.
Wenn wir annehmen, dass
das Leben seinen Ursprung in einem ewigen Schöpfergeist hat, dann verbindet
sich in uns das Unvergängliche mit dem Vergänglichen. Beides ist Teil von uns. Der
Körper wächst, altert und vergeht; die Seele aber ist keinem Alterungsprozess
unterworfen, sie ist jung und herrlich ,
wie am ersten Tag unseres Lebens. Das vertraute Gefühl, innerlich noch immer
derselbe Mensch zu sein, verlässt uns auch im Alter nicht. Wir wissen, dass
unser Körper im Lauf unseres Lebens, mehrfach den gesamten Zellkörper
ausgetauscht hat, weil der Zelltod uns körperlich mehrfach sterben liess. Wir sind aber immer der gleiche Mensch
geblieben. Es sind nicht die Zellen und nicht der Verstand, die dies bewirkt haben, es ist
unsere Seele, unser treuer Begleiter, der uns zum Leben erweckt hat, uns ein
Leben lang begleitet und noch da ist, wenn die letzte Körperzelle stirbt.
Wenn die Seele als Teil des
Schöpfergeist der Ursprung allen Lebens ist und selbst nicht vergeht, dann ist der Tod mehr als ein Ende unserer menschlichen
Existenz. Der unsterbliche Teil von uns kehrt zurück an seinen Ursprung, von
dem er nie getrennt war. Doch der Blick
auf den Tod verändert sich: Neben die Angst vor dem Verlust der Welt tritt das
Vertrauen, dass wir in unserer Seele geborgen sind, und der Tod nur eine Heimkehr ist,
in ein Leben, das nicht erst mit uns begonnen hat und nicht mit uns endet.