Der Mensch wird mit einem Verstand geboren, der es ihm
ermöglicht, tief in die Geheimnisse von Wissenschaft und Philosophie
einzudringen. Je tiefer wir aber in die Geheimnisse der Schöpfung eindringen, desto
stärker wird unsere innere Unruhe. Wir ahnen ein Potenzial in uns, das wir noch
nicht voll leben, weil wir es nicht begreifen können. Diese Unruhe entspringt
nicht allein dem Denken, sondern der Spannung zwischen dem, was der Mensch mit
seinem Verstand erfassen kann, und dem, was sich seiner begrifflichen Kontrolle
entzieht.
Natur und Schöpfung kennen diese Unruhe nicht. Sie ruhen in
ihrer Existenz und erscheinen darin vollkommen. Ihnen fehlt der Unruhestifter,
der menschliche Verstand. Sie nehmen ihr Dasein so an, wie es ist: Ein Baum und
ein Tier fragen nicht, woher sie kommen und wohin sie gehen. Sie leben jenes Potenzial,
das ihnen bereits in ihrem Ursprung mitgegeben wurde.
Der Mensch glaubt, es sei der Verstand, dessen Potenzial er
ausschöpfen müsse, um sein Leben zu erfüllen. Die einen verbringen ihr Leben im
Streben nach Mehr; die anderen versuchen, die Grenzen ihres Verstandes
auszuloten, und es ergreift sie ein Zittern, wenn sie diese Grenzen nicht
überschreiten können. In ihm lebt ein Träumen, ein Wünschen, eine Fantasie
dessen, was alles geschehen könnte und doch nie geschieht. So verbringt er sein
Leben, ohne seine eigentlichen Potenziale zu erkennen. Er taumelt durch das
Leben, schenkt den falschen Versprechungen seines Verstandes Glauben und bleibt
unruhig, weil er ahnt, dass ihm etwas Wesentliches entgeht.
Der Verstand begreift nicht, dass dem Menschen noch eine
weitere Eigenschaft mitgegeben wurde: der Schöpfergeist, das Leben, die
wesentlichste Gabe der Schöpfung an den Menschen. Diese Gabe richtet sich nicht
nach außen auf die Welt, sondern nach innen auf die Seele. So wie die Welt mit
all ihren Erscheinungen dem Gesetz der Evolution folgt, so ist auch der Mensch diesem
Gesetz unterworfen: Er soll die Evolution seiner Seele entfalten und sich
seiner selbst bewusst werden. Der Weg des Menschen führt daher nach innen,
nicht nach außen.
Der Weg nach außen hat zur Entwurzelung des Menschen geführt;
er hat den Boden unter den Füßen verloren. Bei seiner Geburt befindet er sich
noch ganz in der Einheit mit dem Schöpfergeist. Doch der Verstand und die Welt führen
ihn fort von seinem eigentlichen Sein. So breiten sich Verlorenheit und
Verlassenheit in ihm aus, und er findet nicht in jene Einheit zurück, aus der
er kam. Sein Verstand ist ein schlechter Berater, wenn er in ihm einen Helfer sucht;
denn der Verstand kann ihm nicht den Weg zu seinem eigentlichen Ursprung weisen.
Ein Teil der Menschheit begreift jedoch, dass der Weg nicht
nur nach außen, sondern auch nach innen führen muss, wenn wir unserem Schicksal
gerecht werden wollen. Es ist der Weg der Meditation, der Kontemplation und des
Gebets: der Weg der Rückbesinnung auf unser eigentliches Sein, auf den
göttlichen Geist in uns, unseren inneren Wegweiser durch das Leben. Alle Unruhe
und alles falsche Wünschen fallen von uns ab, wenn wir uns unseres Selbst
bewusst werden. Dann sehen wir nicht mehr nur die Wolken am Himmel, sondern den
Himmel hinter den Wolken.