In einem Psalm wird unser Leben mit einem Grashalm verglichen, der am Morgen grünt und am Abend bereits verdorrt ist. Es geht um die Kürze des Lebens und darum, dass keine Zeit zu verlieren ist, den richtigen Weg zu finden.
Wir haben keine Zeit, uns nur mit der Welt zu befassen, uns
mit den Teilaspekten der Welt zu vergnügen, uns mit den Medien die Zeit zu
vertreiben oder den kleinen oder grossen Erfolgen in der Welt hinterherzulaufen.
Der Tod kann uns in jedem Moment ereilen und unser Leben in der Welt beenden.
Nur zu leicht täuschen uns unsere Sinne und lassen uns den
Weg verfehlen, kostbare Zeit verschwenden und das Ziel unseres Lebens
verfehlen. Auch die vielen spirituellen Wege, die uns Religionen, heilige
Bücher und Philosophien vermitteln, teilen uns nur Teilwahrheiten mit, die uns
den richtigen Weg nicht finden lassen, uns verwirren und in die Irre führen.
Wir suchen den Weg in allen Richtungen und finden ihn nicht. Wenn wir ängstlich
den Moment unseres Lebens erwarten, in dem wir die Welt verlassen, dann nur
deshalb, weil wir den richtigen Weg nicht gefunden haben und uns immer klarer
wird, dass wir vom Weg abgekommen sind.
Es gibt nur einen richtigen Weg: den, der uns in diese Welt
gebracht hat, und den, der uns auch wieder aus dieser Welt nimmt; den Weg, der
uns nicht in die Verzweiflung führt, nicht in das Gefühl, im Leben versagt zu haben,
weil wir das echte Leben nicht gefunden haben. Es ist der Weg aus der Welt
zurück, der Weg in uns selbst, in das Leben in uns, in unseren Geist, unser
inneres Sein. Es ist der spirituelle Weg, der uns in die richtige Richtung
führt, in den Schöpfergeist, dessen Teil wir sind, der diese Welt und uns
selbst erschaffen hat, der unsterblich ist und nicht den Gesetzen der
Vergänglichkeit und des Todes unterliegt. Für diesen Weg gibt es kein Morgen
und keinen Abend, keine Jugend und kein Alter. Es ist der Weg in die Ewigkeit,
ein Weg ohne Anfang und ohne Ende.
Wir können ganz von dieser Welt sein, in vollem Bewusstsein
von Morgen und Abend, wenn uns klar ist, dass unser menschlicher Verstand uns
nur Illusionen verschafft, dass etwas viel Grösseres in uns ist und wir Teil
eines Schöpfungsprozesses sind, der nicht mit unserer Geburt beginnt und am
Abend unserer Tage endet. Es ist der Weg nach innen, in unsere Seele, in
unseren Geist, der uns zum Teil der Schöpfung macht: unvergänglich, ewig, nicht
den Gesetzen von Tod und Vergänglichkeit unterworfen. Wir sind es selbst, die
diese Welt erschaffen, diesen Körper bewohnen und nur dem Wandel, nicht aber der
Vergänglichkeit unterworfen sind. Wir sondern uns vom Schöpfergeist ab,
erschaffen unsere Welt und überlassen sie künftigen Generationen in ewigem
Kommen und Gehen. Nur derjenige glaubt am Ende seiner Tage, ein verdorrter
Grashalm zu sein, der den Weg zu sich selbst nicht gefunden hat.