Samstag, 25. April 2026

Die Einzigartigkeit des Lebens

Wir befinden uns im Informationszeitalter. Täglich werden wir mit hunderten von Informationen überschüttet, zuhause, am Arbeitsplatz, digital und durch Medien. Unsere Fähigkeiten, durch Intuition unser Leben zu fühlen, uns unserer Einzigartigkeit bewusst zu sein, gehen dabei immer mehr verloren.

Selbst Ärzte, die sich mit dem Leben beschäftigen,  lernen nur noch sich auf ihre  Zahlen zu verlassen und übersehen leicht, was früher ein Hausarzt, vielleicht intuitiv verstehen konnte, wie Krankheiten durch falsche Lebensweise, durch Familienkrisen und seelische Probleme entstehen. Für alles gibt es heute Spezialisten, aber wer weiss schon, welchen Spezialisten er wirklich braucht? Und welcher Spezialist versteht noch, was das Leben ist, das er behandelt?

Intuition ist ein Lebensinstinkt, den wir gerade in dieser  Zeit noch viel nötiger brauchen als früher. Wir können uns weder auf die Datenflut verlassen, die täglich auf uns niedergeht, auch nicht hoffen, dass uns die künstliche Intelligenz den Weg weist.  Wir müssen wie früher lernen, die Zeichen, die uns unsere Umgebung und unserer Körper senden, wieder richtig zu deuten. Wir sind mit einem  natürlichen Instinkt ausgestattet, der uns ein gesundes und erfülltes Leben ermöglicht.

Die Information und Datenflut sollten nur ein Hilfsmittel bleiben, um ein erfolgreiches Leben zu führen. Das gilt für alle Lebensbereiche, für die zwischenmenschlichen Beziehungen, unsere Gesundheit, unser geistiges Leben. Die Natur hat uns mit allem ausgestattet, was für ein gesundes, langes Leben erforderlich ist. Wir selbst tragen die Verantwortung, wenn wir durch falsche Lebensweise, durch  Drogen, Alkohol, Rauchen und falsches Essen krank werden, wenn wir uns durch Medien, Massenwahn, und falsche Unterhaltung verblöden lassen und mit Alzheimer enden.   

Wenn wir ein bewusstes Leben führen, verantwortlich uns selbst und unseren Mitmenschen gegenüber, belohnt uns das Leben. Wir werden zu bewussten Menschen. Wir erkennen, dass alles Leben einzigartig ist, kein Leben identisch mit dem Leben eines anderen Wesens ist. Das gilt für alles Leben, ob Mensch, Tier oder Pflanze. Alles ist einzigartig und lässt sich nicht in   Schablonen  der Information pressen. Wenn wir uns unserer Einzigartigkeit  bewusst sind,  lassen wir uns nicht mehr in Zahlen  und Statistiken erfassen, vermeiden die Massenevents, die Medien und Unterhaltungsindustrie und gehen unseren eigenen einzigartigen Weg. Wir erleben dann das Leben wieder in seiner natürlichen Umgebung, im Wechsel der Jahreszeiten, im Rauschen des Windes, in der Schönheit der Pflanzen. Und wenn unsere Lebensenergie zur Neige geht  und sich dem Tod zuwendet, dann belohnt uns das Leben mit einem bewussten Sterben, das auch einzigartig ist, genau wie unser Leben.

Sonntag, 19. April 2026

Wissen und Erkenntnis

Im Moment unserer Geburt liegen neun Monate hinter uns, in denen wir uns vom  Einzeller zu einem  Menschen entwickelt haben. Aus der Dunkelheit werden wir in das Licht geboren, in die vollkommene Unwissenheit. Die Sprache entwickelt sich sich schon im Mutterleib, die Muttersprache.   Unser zukünftiges Wissen beruht auf dieser Sprache. Über Elternhaus, Schulen und Lesen häufen wir das Wissen an, das wir für unser Leben benötigen, jeder nach seinen Befähigungen und Notwendigkeiten.  Je mehr Wissen wir erlangen, desto mehr bewusst wird uns, wie wenig wir wissen.

Es ist mit dem Wissen wie mit Geld und Gütern, die wir im Leben   vielleicht erlangen. Beides wird uns nur geliehen und verschwindet  mit unserem Tod. Im Grunde bleibt der wissende Mensch ein armer Mensch, denn er verliert sein Wissen  am Ende seines Weges. Es geht ihm wie den Reichen, die scheinbar im Wohlstand leben und alles verlieren, wenn sie die Welt verlassen. Sie können ihren Kindern nichts wirklich Wertvolles hinterlassen, denn Wissen ist nicht vererbbar.

Es ist diese Erkenntnis, dass wir nichts wissen, die der entscheidende Schritt in unserer Entwicklung ist. Den meisten Menschen gelingt dieser Schritt nicht. Sie sind zufrieden, wenn sie einen Beruf erlernt haben, wenn sie genügend Geld verdienen und ihre Familie ernähren können. Wenn wir mit diesem Zustand zufrieden sind, unsere kostbare Lebenszeit nur mit Überleben und Zeit totschlagen verbringen, gehen wir genauso arm aus dem Leben,  wie wir es betreten haben.

Reich können wir nur durch Erkenntnis werden. Erkenntnis können wir nicht durch Arbeit erwerben, nicht durch alles Wissen dieser Welt. Erkenntnis ist ein Geschenk des Himmels. Erkenntnis ist   nicht an die Weisheit des Alters gebunden. Erkenntnis kann uns in jedem Moment des Lebens zu Teil werden,  selbst noch im Moment des Todes. Wir können Erkenntnis nicht weitergeben.  Ein Jesus, ein Buddha, ein Laotse haben versucht ihre Erkenntnis an ihre Jünger weiterzugeben, Das, was wir heute als Religionen kennen, ist der klägliche Versuch der Menschen, die nach ihnen kamen, eine Erkenntnis weiterzugeben, die ihnen selbst nicht zu Teil wurde.

Wissen können wir in Büchern niederschreiben und an unsere Nachkommen weitergeben. Erkenntnis ist ein Geschenk des Himmels. Sie  kommt zu denen, die sich dem Himmel öffnen. Wir müssen nicht in ein Kloster gehen,  nicht im Gebet um Erkenntnis bitten,  nicht den Reichtum der Welt hinter uns lassen, um Erkenntnis zu erlangen. Bei Buddha hat eine Lotusblüte genügt, bei den Jüngern von Jesus vielleicht die Bergpredigt, bei Laotse das Schweigen, um dieses grösste Geschenk des Himmels zu empfangen. Goethe hat in seinem Faust den Moment geschildert, in dem Faust  die Verlockungen der Welt hinter sich liess und dafür Erkenntnis erhielt.

Es gibt keinen Weg, den wir erlernen könnten, um zur Erkenntnis zu erlangen. Keine Bücher, die uns auf dem Weg zur  Erkenntnis weiterbringen,  keine  Religionen oder Philosophen, die uns Erkenntnis vermitteln könnten. Erkenntnis kommt zu uns, in dem Moment, in dem wir für Erkenntnis reif sind.

Vielleicht glaubt die Menschheit alles Wissen, um die Geheimnisse der Welt und des Kosmos   erlangen zu können. Der Weise aber weiss, so unendlich der Kosmos, so unendlich sind die Geheimnisse der Natur. Das Gleiche gilt für die Erkenntnis. Der Mensch ist nur ein Teil der Schöpfung, ein Teil des Ganzen. Ein Teil kann aber nie begreifen, was die Ganzheit ausmacht.

Samstag, 11. April 2026

Ein gutes Leben

Die meisten Menschen glauben, sie hätten ein gutes Leben, wenn sie eine gesunde Familie, ein schönes Haus, ein schnelles Auto, viel Geld auf dem Konto und vielleicht auch noch eine wichtige Position im Beruf haben. Nichts davon muss für ein gutes Leben schädlich sein, ist aber oft  weit davon entfernt, ein gutes Leben zu führen. Immer mehr haben zu wollen, gierig zu sein, ist vielmehr das Gegenteil von bewusst leben.

Ein gutes Leben setzt voraus, dass wir uns des Lebens in uns bewusst sind. Dass wir täglich das Leben in uns spüren, das Leben in der Natur erleben, im Sonnenaufgang, im Wind, der durch die Blätter raschelt, in den Blumen des Gartens und dem Plätschern des Baches.

Ein gutes Leben macht uns das Wunder unseres Körpers bewusst, die Millionen von Lebewesen, die mit uns in unserem Körper in Symbiose leben, die Energie, die alle Zellen erfüllt. Es erfüllt uns mit Dankbarkeit, was die Natur jedem von uns geschenkt hat, um gesund leben zu können.

Ein gutes Leben lässt uns die anderen Menschen sehen, die an unserer Seite sind, lässt uns um ihr Wohl besorgt sein, Verantwortung für sie empfinden. Es macht uns bewusst, dass es uns nur gut geht, wenn es ihnen auch gut geht. Mitgefühl mit Menschen, denen es nicht gut geht und Hilfe geben, wo uns Hilfe möglich ist, das ist Teil eines guten Lebens.

Ein gutes Leben lässt uns erkennen, dass unsere Existenz in dieser Welt nur  eine Sekunde vor der Ewigkeit währt. Vielleicht bestehen wir aus unendlich vielen Leben, die sich im Rhythmus der Zeit wiederholen, immer im Sinne der Evolution ihrer Vollendung entgegenstrebend.

Ein gutes Leben ist ein Leben in Liebe, zu uns selbst, zum  Leben, das uns umgibt, zu  den Menschen, die mit uns leben,  zu Mutter  Erde und dem Himmel, die uns umgeben. Auch Schmerz und Verlust, auch Verletzlichkeit sind Teil eines guten Lebens. Nur wer die Höhen und Tiefen erlebt, begreift den Rhythmus des Lebens.

Ein gutes Leben führt uns über die Wahrnehmung unserer Sinne hinaus, lässt uns ahnen, dass wir Teil eines für uns unvorstellbaren Grossen sind, Teil des Geistes, der alles bewirkt, was unser Leben bedeutet. Mit jedem Atemzug atmen wir das Leben ein, und im Ausatmen geben wir das Leben zurück, ein gutes Leben ist ein ewiges Nehmen und Geben, wie das  Ein- und Ausatmen.


Sonntag, 5. April 2026

Ostern und Auferstehung

Ostern ist in den christlichen Ländern einer der wichtigsten Feiertage des Jahres. Es geht um  den Sieg des Lebens über den Tod. Den Wenigsten von uns ist bewusst, dass wir unser ganzes Leben diesen Sieg über den Tod erleben.

Jeden Tag sterben in uns Millionen von Zellen und werden von neuen Zellen ersetzt. Der Tod ist ein ständiger Begleiter des Lebens. Ohne den Tod wäre uns das Leben nicht begreifbar. Das gilt nicht nur für den Menschen, sondern für die ganze Natur. Nur dem Menschen ist dieser Vorgang bewusst.

Was geschieht am Ende eines menschlichen Lebens wirklich? Das Leben in uns beendet den physischen Vorgang der Erneuerung der Zellen und gibt die gebundene Energie in uns frei. Die Energie kehrt an ihren Ursprung zurück, das übergeordnete Leben aber vereint sich wieder mit seiner Gesamtheit. Nichts geht jemals verloren. Das lehrt uns Ostern.

 Alles menschliche Wissen und Denken ist nicht in der Lage, das Wunder des Lebens zu erfassen, obwohl sich das Leben in der gesamten Schöpfung offenbart. Wir haben keinen Tod und keine Vernichtung zu befürchten. Wir geben im Tod nur die in uns gebundene Energie wieder frei, und unser Leben kehrt an seinen Ursprung  zurück.

Wir wissen nicht, ob das in allem manifestierte Leben in einer Seelenwanderung sich    wiederholt, in der Natur, in Pflanzen und Tieren, oder in menschlichen Individuen, über Generationen hin, von Leben und Tod. Diese Ungewissheit ist ein Teil unseres Lebens. - Eine Gewissheit aber können wir haben: Nichts ist endgültig  vergänglich, alles kehrt an seinen Ursprung zurück, selbst  Planeten werden geboren und sterben wieder in dunkler Materie und werden neu geboren, seit ewigen Zeiten.

Das ist  die Botschaft, die wir an Ostern erhalten. Das Leben ist unvergänglich, der ewige Wandel von Tod und Erneuerung ist das ewige Gesetz in uns. Nicht nur der Mensch, sondern die ganze Natur ist erfüllt von ewigem Leben. Und  wenn wir auf ein erfülltes Leben zurückblicken können, dann haben wir die uns geschenkten Talente genutzt, nicht nur zu unserem eigenen Wohl, sondern zum Wohl der gesamten Schöpfung

Wenn wir eigenverantwortlich unser Leben in die Hand genommen  und unsere, uns geschenkten Talente gut verwaltet haben, dann brauchen wir uns vor dem Tod nicht zu fürchten. Vielleicht können wir uns im Tod mit der Gesamtheit wieder vereinen, - vielleicht aber entschliessen wir uns zur Wiederkehr, um das Leben erneut, vielleicht besser und bewusster zu versuchen. Die Auferstehung oder Wiederkehr ist vielleicht die wichtigste Entscheidung, der  wir uns am Ende unseres  Weges durch die Welt zu stellen haben, wenn wir den Blick zurück auf unser Leben werfen. Daran erinnern wir uns Ostern, wenn der Frühling uns mit seinem Neubeginn an das Erwachen des Lebens erinnert.