Sonntag, 16. August 2026

Archaische Rituale

Pride-Paraden erinnern an archaische Rituale des Gruppentanzes. Die Menschen tätowieren sich wieder wie in Frühkulturen auf fast allen Kontinenten. Sie tanzen verzückt zu einem gleichbleibenden Rhythmus, Stunde um Stunde. Fast eine Million Menschen kommen zusammen, um freiwillig an dem Ereignis teilzunehmen. Das Ereignis scheint ihnen Kraft und Lebensfreude zu geben. In Brasilien finden ähnliche Umzüge zum Karneval statt; tagelang ziehen die Gruppen tanzend durch die Stadt, zu den Rhythmen der Trommeln. Die Ursprünge liegen dort im afrikanischen Erbe, das mit den Sklaven nach Brasilien kam. Selbst die Kirchen konnten sich diesen Umzügen nach Ende der Fastenzeit nicht widersetzen, obwohl die Lebenslust der Menschen ihren Vorstellungen nicht ensprachen.

Der Rhythmus der Trommeln entspricht unserem Herzschlag. Wir synchronisieren uns mit dem Beat; verzückt tanzt die Jugend auf den Festivals im gleichen Takt und befindet sich wie ihre Urahnen in einem gemeinsamen Rausch. Der gleiche Rausch scheint bei politischen Massenveranstaltungen zu herrschen, in Bierzelten und Stadien. Es scheint ein klanglicher Gesamtkörper zu entstehen, dem sich niemand entziehen kann. Wir Kriegskinder denken an die Nazizeit, als die Menschenmenge in ein jubelndes Ja ausbrach, als sie nach dem totalen Krieg gefragt wurde. Es scheint nicht nur im positiven Sinne einen Massenrausch zu geben, sondern auch im negativen Sinne, wie beim Rattenfänger von Hameln, dem die Kinder blind ins Verderben folgten, oder wie beim Wunsch der Menschen nach dem totalen Krieg, der zu ihrer eigenen Vernichtung führte.

Wahrscheinlich ist es der Pulsschlag des Lebens, den wir in uns spüren und den wir auf diesen Massenveranstaltungen suchen. Wir fühlen uns dem Leben näher, wenn wir die gleiche Energie in uns verspüren wie Hunderte anderer Menschen, wenn sich dieses gemeinsame Gefühl zu einer gewaltigen Gesamtenergie verbindet und uns alle erfasst. Unser Verstand sagt uns zwar, es handele sich um einen Wahn, weil er dieses Gefühl nicht einordnen kann. Das Leben zu fühlen, gehört nicht zu den Bereichen, die für den Verstand zugänglich sind, genauso wenig, wie der Verstand erfassen kann, was Leben ist. Aber gerade weil niemand erklären kann, was der Rausch des Lebens ist, faszinieren den Menschen Ereignisse, in denen eine Gesamtenergie entsteht, die sich dem menschlichen Denken und Wissen entzieht, die er aber deutlich in sich spürt.

Samstag, 8. August 2026

Absicht und Ergebnis

Eines der merkwürdigsten Phänomene unseres Menschseins  sind unsere guten Absichten.  Voller Begeisterung  bekommen wir unsere Kinder, tun unser Bestes, um sie zu gesunden und aufrechten Menschen zu machen, wir handeln mit den besten Absichten.  Und  dann geschieht das Unfassbare, ein  Kind  entwickelt sich zu einem Verbrecher und schadet nicht nur sich, sondern bringt Unheil über seine gesamte Umgebung. Alle unsere guten Absichten sind ins Leere gegangen, sie scheinen nicht ausreichend zu sein, um sein Schicksal zu beeinflussen.

Manchmal erinnert uns das Schicksal des Menschen  an die Wolken am Himmel.  Wir wissen nicht, ob die Wolken uns Segen und Leben bringen,  den Regen den die Welt so dringend braucht,  oder Sturm  und Vernichtung, Blitz und Hagel, der die Welt um uns untergehen lässt. Keine Wettervorhersage ist geeignet, um uns vor dem Schaden zu bewahren, wenn es den Wolken anders gefällt. So wie die Wolken nicht geeignet sind uns zu sagen, was sie uns bringen werden, so sind auch alle unsere guten Absichten wie die Wolken, wir wissen nicht, was aus ihnen wird und welches Ergebnis sie am Ende bringen.

In den alten Kulturen lag das Schicksal in den Händen  von Schicksalsgottheiten, bei den Griechen die Moiren,  bei den Germanen die Nornen, weibliche Gottheiten, weil die Entstehung von Leben  und Schicksal mit der weiblichen Seite des Menschseins verbunden wurde. Der Mensch war sich schon immer bewusst, dass sein Schicksal nicht nur in seinen Händen liegt. In den Sagen und Dichtungen wird die Macht des Schicksals geschildert, die Hybris des Menschen, der glaubt, sein eigenes Schicksal zu bestimmen und die Demut, wenn wir vor unserem eigenen Schicksal stehen, gleich was immer es uns gebracht hat.

Wenn ich mein eigenes Schicksal am Ende eines reichen und erfüllten Lebens betrachte, dann habe ich nur überlebt, weil immer eine schützende Hand über mir lag. Gegen alle Wahrscheinlichkeit habe ich Bombenangriffe und tödliche Krankheiten überlebt.    Eine Kraft, die hoher ist als all unserer menschliche Wille und Verstand war immer an meiner Seite, in mir und über mir. Meine kühnsten Absichten für mein Leben sind in Erfüllung gegangen, was hätte ich mir mehr jemals erträumen können. Ich danke meinem Schicksal, und dem Geist der mich und alles um mich belebt, für das Wunder des Lebens, das ich erfahren durfte.

Samstag, 1. August 2026

Die Unruhe des Menschen

Der Mensch wird mit einem Verstand geboren, der es ihm ermöglicht, tief in die Geheimnisse von Wissenschaft und Philosophie einzudringen. Je tiefer wir aber in die Geheimnisse der Schöpfung eindringen, desto stärker wird unsere innere Unruhe. Wir ahnen ein Potenzial in uns, das wir noch nicht voll leben, weil wir es nicht begreifen können. Diese Unruhe entspringt nicht allein dem Denken, sondern der Spannung zwischen dem, was der Mensch mit seinem Verstand erfassen kann, und dem, was sich seiner begrifflichen Kontrolle entzieht.

Natur und Schöpfung kennen diese Unruhe nicht. Sie ruhen in ihrer Existenz und erscheinen darin vollkommen. Ihnen fehlt der Unruhestifter, der menschliche Verstand. Sie nehmen ihr Dasein so an, wie es ist: Ein Baum und ein Tier fragen nicht, woher sie kommen und wohin sie gehen. Sie leben jenes Potenzial, das ihnen bereits in ihrem Ursprung mitgegeben wurde.

Der Mensch glaubt, es sei der Verstand, dessen Potenzial er ausschöpfen müsse, um sein Leben zu erfüllen. Die einen verbringen ihr Leben im Streben nach Mehr; die anderen versuchen, die Grenzen ihres Verstandes auszuloten, und es ergreift sie ein Zittern, wenn sie diese Grenzen nicht überschreiten können. In ihm lebt ein Träumen, ein Wünschen, eine Fantasie dessen, was alles geschehen könnte und doch nie geschieht. So verbringt er sein Leben, ohne seine eigentlichen Potenziale zu erkennen. Er taumelt durch das Leben, schenkt den falschen Versprechungen seines Verstandes Glauben und bleibt unruhig, weil er ahnt, dass ihm etwas Wesentliches entgeht.

Der Verstand begreift nicht, dass dem Menschen noch eine weitere Eigenschaft mitgegeben wurde: der Schöpfergeist, das Leben, die wesentlichste Gabe der Schöpfung an den Menschen. Diese Gabe richtet sich nicht nach außen auf die Welt, sondern nach innen auf die Seele. So wie die Welt mit all ihren Erscheinungen dem Gesetz der Evolution folgt, so ist auch der Mensch diesem Gesetz unterworfen: Er soll die Evolution seiner Seele entfalten und sich seiner selbst bewusst werden. Der Weg des Menschen führt daher nach innen, nicht nach außen.

Der Weg nach außen hat zur Entwurzelung des Menschen geführt; er hat den Boden unter den Füßen verloren. Bei seiner Geburt befindet er sich noch ganz in der Einheit mit dem Schöpfergeist. Doch der Verstand und die Welt führen ihn fort von seinem eigentlichen Sein. So breiten sich Verlorenheit und Verlassenheit in ihm aus, und er findet nicht in jene Einheit zurück, aus der er kam. Sein Verstand ist ein schlechter Berater, wenn er in ihm einen Helfer sucht; denn der Verstand kann ihm nicht den Weg zu seinem eigentlichen Ursprung weisen.

Ein Teil der Menschheit begreift jedoch, dass der Weg nicht nur nach außen, sondern auch nach innen führen muss, wenn wir unserem Schicksal gerecht werden wollen. Es ist der Weg der Meditation, der Kontemplation und des Gebets: der Weg der Rückbesinnung auf unser eigentliches Sein, auf den göttlichen Geist in uns, unseren inneren Wegweiser durch das Leben. Alle Unruhe und alles falsche Wünschen fallen von uns ab, wenn wir uns unseres Selbst bewusst werden. Dann sehen wir nicht mehr nur die Wolken am Himmel, sondern den Himmel hinter den Wolken.


Sonntag, 26. Juli 2026

Das Leben leben

Wenn das Leben in Statistiken dargestellt wird, begegnen wir Linien, Kurven und grafischen Diagrammen, die mit der Geburt beginnen und mit dem Tod enden. Doch wo gibt es in der Natur oder im Menschen schon gerade Linien? Auch geometrische Körper, die sich berechnen lassen, eignen sich nur begrenzt, um die Natur darzustellen. Alles in ihr ist einzigartig und lässt sich mit menschlicher Technik kaum systematisieren. Das Leben entzieht sich dem rein menschlichen Denken; auch künstliche Intelligenz wird daran nichts ändern.

Die Mehrheit der Menschheit glaubt, das Leben beginne mit unserer Geburt und ende mit unserem Tod. Nur eine kurze Zeit stehe uns für unser Leben zur Verfügung. So streben Menschen in die Welt hinaus, gründen Familien, erringen Ämter und Würden, schmücken sich mit materiellem Erfolg und finden sich am Ende ihres Lebens damit ab, dass alles, was sie je erreicht haben, von ihnen abfällt und ihnen nichts davon verbleibt.

Die Weisen aber wissen, dass Leben mehr ist als Geburt und Tod, mehr als alle Güter dieser Welt, und dass Zeit für das Leben keine entscheidende Bedeutung hat. Leben bewegt sich in Dimensionen, die nur erahnt werden können. Es war schon da, vor der Entstehung der Welt und des Menschen, und es wird noch da sein, wenn es die menschliche Existenz nicht mehr gibt. Das gilt für die ganze Natur, nicht nur für den Menschen. Alles existiert, weil es Leben gibt, weil es sich in einem ewigen Kreislauf erneuert und keinen endgültigen Tod kennt. Nichts ist und bleibt so, wie es dem menschlichen Auge sichtbar erscheint; alles entwickelt sich fort, verändert seine Strukturen und verwandelt sich. Selbst Planeten werden geboren und sterben, kehren in ihren ursprünglichen Zustand zurück und werden neu geboren.

Die ganze Natur ist sich dieses ewigen Werdens und Vergehens nicht bewusst. Nur dem Menschen ist die Fähigkeit gegeben, das Leben zu ahnen. Leben ist ewige Wandlung: Es lässt nichts unverändert, sondern befindet sich in einem fortwährenden Schöpfungsprozess. Der Mensch nennt diese Kraft das Leben, die Totalität, die Gesamtheit, die Gottheit. Wer sich dieser Kraft bewusst wird, ändert sein Leben. Er beginnt, das Leben in allem zu sehen, es auch in sich zu spüren und sich als Teil der Schöpfungskraft zu fühlen. Wenn der Mensch erwacht, begegnet ihm das Leben nicht nur in der Schöpfung, die ihn umgibt, sondern auch in ihm selbst.

Der sich bewusst werdende Mensch weiss das Geschenk des Verstandes durchaus zu schätzen. Er begreift aber, dass sein Sein nicht vom Verstand bestimmt wird. Er begreift auch, dass er seinen Verstand zum Schweigen bringen muss, wenn er sich seinem eigentlichen Leben nähern will. So lehren uns fast alle Religionen und Weisheitslehren die Meditation. Es ist die Stille in uns, die uns das Leben bewusst werden lässt; es ist das Pochen unseres Herzens, das uns das Leben in unserem Körper fühlen lässt; es ist das Rauschen des Windes in den Bäumen und die Schönheit der Blumen in unserem Garten, die uns den Schöpfergeist fühlen lassen. Wohin unser Blick auch führt, begegnen wir dem Leben. Eine gewaltige Kraft offenbart sich in der Stille als Leben: als Stille in uns und als Stille um uns. Überall ist die Kraft des Lebens und des Göttlichen zu spüren.

Geburt und Tod sind nur kurze Episoden in unserem Leben. Alles, was wir tun oder lassen, wird klein vor den Kräften des Lebens. Wenn wir unser Leben wirklich leben wollen, müssen wir uns ganz dem Leben hingeben, das sich in uns offenbart. Wir müssen den Kräften unserer Natur lauschen, unsere Bestimmung erahnen, mit unserem Schöpfungsgeist in Harmonie leben und das vollbringen, wofür wir bestimmt sind. Wir ahnen die Anwesenheit des Schöpfergeistes in uns und versuchen, jeder auf seine Weise, in der kurzen Lebenszeit, die uns gegeben ist, das zu vollbringen, wofür uns unser Schicksal gesandt hat.


Sonntag, 19. Juli 2026

Der Weg zurück

Wenn wir die Welt betreten, richtet sich unser Blick zunächst nach aussen. Wir staunen über ihre Schönheit und Vollkommenheit und werden ganz Teil dessen, was uns begegnet. In den ersten Jahren bildet sich unser Verstand; wir übernehmen, was uns Kultur, Eltern, Schulen und Universitäten vermitteln. Später beginnen wir, unsere eigene Welt zu errichten: ein Haus, eine Familie, einen eigenen Traum von Welt, so wie auch andere Menschen in ihren je eigenen Traumwelten leben.

Erst später beginnen wir zu ahnen, dass auch die Welt, die uns so selbstverständlich erscheint, vergänglich ist. Manchmal braucht es einen Blick auf frühere Kulturen, um die eigene Gegenwart als etwas Vorübergehendes zu erkennen.

In meiner Jugend interessierte ich mich für Kunstgeschichte. Ich reiste nach Griechenland und Italien, bestaunte die Überreste grosser Kulturen und die technischen Meisterleistungen vergangener Zeiten. Alles war inzwischen zerfallen, und doch hatten auch die Menschen jener Epochen wohl an die Dauer ihrer Welt geglaubt. Damals traten die ersten Zweifel in mein Leben: Ist die Welt, die wir erschaffen, wirklich von Bestand? Sind nicht selbst die kühnsten Bauwerke, wie ihre Errichter, schon im Moment ihres Entstehens dem Verfall bestimmt? Von da an begann ich, die Welt mit anderen Augen zu sehen.

Es dauert seine Zeit, bis wir in der Welt angekommen sind. Ebenso dauert es, bis wir erkennen, dass nicht die Welt und nicht die anderen Menschen allein unseren Weg bestimmen. Wir selbst sind berufen, unsere Welt zu bauen, so wie es alle Menschen vor uns getan haben. So entstehen unzählige Welten, von den kleinsten bis zu den grössten. Nicht nur der Mensch lebt in seiner eigenen Welt; auch Tiere und Pflanzen haben ihre Welten. Keine dieser Welten ist für die Ewigkeit bestimmt. Sie bestehen, solange ihre Schöpfer leben, und sie vergehen, wie ihre Schöpfer vergehen. Selbst ein Bettler auf den Plätzen der Städte lebt in seiner Welt, und auch seine Welt endet, wenn er diese Welt verlässt.

Die Welt, die wir für uns erschaffen, ist eine Welt der Illusion. Mit Begeisterung bauen wir unser Haus, unsere Familie und unsere Ordnung der Dinge, und jene, die nach uns kommen, folgen wiederum ihrem eigenen Bild von Welt. Seit jeher versucht der Mensch, diese Welten besser zu verstehen. Ganze Wissenschaften sind daraus entstanden, ohne dass es der Menschheit gelungen wäre, die Schöpfung auch nur in Ansätzen zu erfassen oder den Schöpfergeist wirklich zu begreifen.

Die Aborigines sprechen von Traumpfaden, wenn sie vom menschlichen Leben sprechen. Darin liegt eine tiefe Weisheit. Gleicht nicht auch unsere jeweilige Welt eher einem Traum oder einer Illusion? Wir glauben, in einer realen Welt zu leben; doch es ist die Welt, die uns unser Verstand erzählt. Es ist die Welt, in der Häuser gebaut werden und Menschen ihrem Beruf nachgehen. Wem ist schon bewusst, dass wir in jedem Moment eine veränderte Welt vor Augen haben, dass alles im Fluss ist und nichts bleibt, wie es ist? Heraklit hat davon gesprochen, dass wir niemals zweimal in denselben Fluss steigen: Der Fluss hat sich schon fortbewegt, ist ein anderer geworden, so wie auch das Leben sich unaufhörlich bewegt und verwandelt.

Das Ende unseres Weges ist auch das Ende unserer Illusionen. Alle Vorstellungen, die wir uns von der Welt, von unserem Selbst, von unserem Namen, unserem Rang und unserer Bedeutung gemacht haben, fallen von uns ab. Nackt und bloss, so wie wir die Welt betreten haben, verlassen wir sie wieder. Alles, was wir geschaffen haben, löst sich von uns, wird vielleicht noch eine kurze Zeit von unseren Nachkommen verwaltet, und bald kündet nur noch unser Name auf einem Grabstein von unserer Existenz.

So wie der Fluss sich am Ende seines Weges in das Meer ergiesst, in der Gesamtheit der Wasser aufgeht, so mündet  auch unser Leben am Ende unseres Weges in der Ewigkeit allen Lebens. So wie die Tropfen zu Wasser werden, in das Meer fliessen und dort wieder zu Wolken und Regen werden, in einem ewigen Kreislauf, so strebt auch das menschliche Leben wieder dem Schöpfergeist entgegen, seiner  eigentlichen Heimat. Alles ist ohne Anfang und ohne Ende; wir sind Schöpfer und Erschaffenes, Teil eines Schöpfungsprozesses, den unser Verstand nicht erfassen kann, einer Evolution von Leben, das sich in unserer Existenz offenbart. In tiefer Ehrfurcht sehen wir uns als Teil der Gesamtheit, wenn wir dorthin zurückkehren, woher wir gekommen sind.


Samstag, 11. Juli 2026

Das Absolute und der Mensch

In fast allen Schriftreligionen besteht das Verbot, sich ein Bildnis oder Gleichnis Gottes zu machen. Dieses Verbot gilt für alle menschlichen Ausdrucksformen des Göttlichen: für Worte, Bilder und Skulpturen. Nicht einmal das Wort Gott sollte es geben.

Wir müssen uns fragen, ob solche Verbote sinnvoll sind. So wie Kinder fast jedes Gebot übertreten, das ihnen Eltern erteilen, so hat die Menschheit zu allen Zeiten alle Verbote übertreten und ihre Gottheiten erschaffen und ihnen Namen gegeben. Ganze Religionen mit ihren Geboten und Verboten sind entstanden, und die Welt ist voll von Bildnissen des Göttlichen. Selbst Mütter und Söhne eines Gottes hat die menschliche Vorstellungskraft geschaffen, und wenn Gebete und Bitten an Gott gerichtet werden, dann oft an seine Vertreter, seinen Sohn oder die göttliche Mutter. Selbst Kriege wurden von Menschen für ihren Gott geführt und Menschen getötet, die ihren Gott mit einem anderen Namen nannten.

Vielleicht sind die Menschen weiser als alle ihre Religionen. Vielleicht weiss der Mensch intuitiv, dass die Ganzheit, das Absolute, das Leben, in allem ist: in der ganzen Schöpfung, in der Natur in all ihren Erscheinungsformen, im gesamten Kosmos, vor allem auch in uns selbst. Wohin wir unseren Blick auch wenden, nach aussen oder nach innen, wir begegnen dem Göttlichen. Wir begegnen dem Göttlichen in uns Menschen, in der Natur, in den Bergen und Wäldern, im Meer, selbst in der Rose in unserem Garten, deren Duft uns verzaubert. Selbst das Böse ist göttlicher Natur; es ist die dunkle Seite des Lichts, es strebt dem Licht entgegen und verwandelt sich wieder in Licht. Wo immer wir die göttliche Schaffenskraft sehen wollen, da werden wir sie finden.

Wir suchen nach dem Göttlichen, obwohl wir Teil des Göttlichen sind. Wir suchen etwas, was wir sind. Wir wären nicht, wenn nicht das Leben in uns wäre, als Teil der Ganzheit, als Teil der Gottheit, die in allem ist. Das Leben äussert sich in der gesamten Schöpfung; nichts, das vom Leben berührt wird, geht je verloren. Es braucht nicht gesucht zu werden, weil es schon da ist. Alles, was ist, kommt aus der Ewigkeit in die Endlichkeit und strebt wieder der Ewigkeit entgegen. Wenn der Mensch das Göttliche verehren will, dann sollte er bei sich selbst beginnen, denn dort findet er es am ehesten, weil er ein Teil der göttlichen Schöpfung ist.

Immer wieder hat die Menschheit Weise hervorgebracht, die von der absoluten Wahrheit kündeten. Ein Buddha, ein Jesus, ein Laotse wiesen, jeder auf seine Art, auf das Absolute, auf die Ganzheit in der gesamten Schöpfung hin. Jesus verlangte, dass wir den Tempel des Göttlichen in uns selbst errichten müssten, um die Ganzheit zu verehren. Wie die Kinder, noch ohne unseren Verstand, müssten wir werden, um das Himmelreich in uns zu finden. Aber wer von uns Menschen hört schon auf die Weisesten unter uns?


Freitag, 10. Juli 2026

Auf der Suche nach dem verlorenen Paradies

In der  biblischen Schöpfungsgeschichte isst der Mensch von den verbotenen Früchten und wird aus dem Paradies vertrieben.  Andere Religionen haben ähnliche mythologische Erzählungen. Es ist die Geschichte vom Erwachen des menschlichen Verstandes, das Erkennen von Gut und Böse, vom Verlust des Paradieses, in dem es kein Gut und Böse gab, das Paradies in dem der Mensch vor dem Erwachen des Verstandes lebte.

Mit dem Erwachen des Verstandes haben wir das Paradies verloren und als Ersatz die Welt erhalten. Gut und Böse sind nun unsere Begleiter. Nur die Tiere und Pflanzen sind im Paradies geblieben, für sie gibt es kein Gut und Böse. Aber in uns Menschen gibt es noch eine Erinnerung an das Paradies, eine Sehnsucht zurückzufinden in diesen Zustand der Glückseligkeit, in den Garten Eden, in dem wir nicht für unser Überleben kämpfen mussten.

Diese Sehnsucht findet in den Religionen Ausdruck, die sich die Menschheit gegeben hat. Allen Religionen liegt der gleiche Gedanke zu Grunde, den Weg zurückzufinden in den ursprünglichen paradiesischen Zustand, in das ewige Leben, in  dem es kein Gut und Böse gibt, keinen Kampf um das Überleben. Der Verstand und die Wissenschaften haben aber auch die Religionen erfasst.  Wie Staaten geben sie Gesetzesbücher und Regeln heraus. Sie beschäftigen sich mit Worten und Auslegungen, stellen wie die Philosophen Hypothesen auf  und haben ihre ursprüngliche Aufgabe in den Hintergrund treten lassen, sich um die Seele des Menschen zu kümmern, um das Göttliche, das sich in jedem Menschen offenbart.

Der menschliche Verstand hat auch den Religionen zugesetzt. Philosophie und menschliches Regelwerk durchziehen die religiösen Schriften. Es wird analysiert und in die kleinsten Details vorgedrungen. Wie in Königreichen wird regiert, prachtvolle Gewänder und Ränge zieren die Priester  und Verantwortlichen. Selbst den Beamtenstatus erhalten Geistliche, die doch allein für den Geist und die Seele zuständig sein sollten. Der Armenpriester, der so lebt, wie die Ärmsten unter uns, ist eher die Ausnahme, denn die Regel.

All diese Verirrungen des Menschlichen Verstandes können dem, was den Menschen und die ganze  Schöpfung ausmacht, nichts anhaben. Selbst alle Verirrungen sind vom Schöpfergeist durchdrungen  und Teil der Evolution der Schöpfung.  Alles befindet sich im Fluss des Lebens, jeder Moment ist anders als der vorhergehende.  Nichts stirbt, es verändert nur seine Gestalt. Aus Geist formt sich Energie, aus Energie Materie, Sterne entstehen und  werden wieder Energie, Energie wieder zu Geist. Der Mensch nur ein kleines Teilchen im Gesamten, wie ein Stern aus Geist zu Energie und Materie geworden und in den Geist zurückkehrend, seine eigentliche Heimat, in das Paradies von dem die Schriften künden.

Wir brauchen nicht als Menschen das verlorene Paradies zu suchen. Wir haben das Paradies nie verlassen. Wir sind Teil des ewigen Schöpfungsprozesses, durchdrungen vom Schöpfergeist, den wir in uns leben können, wenn wir den menschlichen Verstand zum Schweigen bringen. Wir müssen uns nur erinnern, wer wir wirklich sind.

Donnerstag, 2. Juli 2026

Wissen und Erfahren

Wir sind heute eine Wissensgesellschaft. Der menschliche Verstand hat im Laufe der Jahrtausende eine unfassbare Menge an Wissen hervorgebracht. Nur noch Teile dieses Wissens können im menschlichen Verstand gespeichert werden. Was in Jahrhunderten an Wissen erworben wurde, ist in Bibliotheken und heute in Datenzentren abgespeichert und steht auf Knopfdruck zur Verfügung. Auch dem Menschen selbst steht mit seinem Gehirn ein Denkapparat zur Verfügung, der in Schulen und Universitäten geformt wird. Mit der künstlichen Intelligenz scheint das menschliche Denken ganz neue Höhen erreicht zu haben.

Ein ganz anderer Bereich der menschlichen Existenz scheint vor lauter Denken in den Hintergrund geraten zu sein: der Bereich der persönlichen Erfahrung und Erkenntnis. Wenn wir Informationen über Liebe, menschliche Emotionen, die Seele oder Gott suchen, können wir ganze Bibliotheken und das gesamte Wissen der Welt abrufen, ohne diesen Bereichen näherzukommen, weil wir Liebe oder Gott vielleicht nicht selbst erfahren haben. Wir können alles über die Liebe wissen, aber wer nie geliebt hat, weiss nicht, was Liebe bedeutet. Religionsgelehrte und Priester haben vielleicht alles über Gott gelesen, aber Gott nie selbst erfahren. In ihren Gebeten und Ritualen glauben sie, Gott nahe zu sein, und glauben an das, was ihnen beigebracht wurde; aber die eigene Gotteserfahrung fehlt vielleicht noch. Religionen können Gott nicht ersetzen, sie sind allenfalls ein Wegweiser. Dichter und Denker haben vielleicht alles über die Liebe geschrieben, aber vielleicht die Liebe nie gespürt.  Für sie gilt die alte Weisheit: «Der Finger, der auf den Mond zeigt, ist nicht der Mond».

Ist es eine Gnade, Gott oder die Liebe zu erfahren, oder ist es eine Fähigkeit, die erlernt werden kann? Es ist uns   mit unserer Geburt gegeben, die Tiefe des Lebens zu erkennen, aber die Wissensgesellschaft hat uns diese Fähigkeit oft vergessen lassen. Der Glaube an die Naturwissenschaften hat unsere tieferen Fähigkeiten zur  Erkenntnis überlagert. Alles spielt sich in unserem Verstand ab. - Es ist das Herz, das unsere tiefen Wahrnehmungen empfindet. Die Liebe zum Leben, zu anderen Menschen, zur Schöpfung und zu Gott hat ihren Sitz im Herzen. Das Leben erfahren wir in unserem Herzen, das voller Erwartungen pocht, wenn wir unsere Liebsten sehen, wenn es sich mit dem Leben unserer Mitmenschen verbindet und bis zum letzten Atemzug unser treuester Begleiter bleibt. Der Mediziner misst das Leben an den Gehirnströmen, der fühlende Mensch aber empfindet das Leben in seinem Herzen. Selbst wenn das Herz aufhört zu schlagen, sind die Liebe und die Seele des Menschen noch weit über seinen Tod hinaus zu spüren.

Dienstag, 23. Juni 2026

Geburt und Tod

«Es ist eine Sache von Leben und Tod», sagen wir, wenn etwas Bedrohliches in unserem Leben geschieht. Über unser Leben machen wir uns aber weniger Gedanken; wichtiger scheint uns die Drohung des Todes zu sein, eine Gefahr, die unser Leben beenden könnte.

Unser menschlicher Verstand befasst sich kaum mit dem Leben. Es wird eher als ein zeitlicher oder historischer Vorgang verstanden und als etwas Selbstverständliches hingenommen. Umso mehr Gedanken machen wir uns zum Tod. Das ganze Wissen der Menschheit wird aufgewendet, um den uns ständig bedrohenden Tod abzuwenden oder ihn so lange wie möglich hinauszuschieben. Die moderne Wissenschaft ist sich weitgehend einig, wann der Tod eingetreten ist. Aber einen Weg, den Tod abzuwenden, haben die klügsten Köpfe noch nie gefunden.

Ein wesentlicher Irrtum besteht allein darin, Leben und Tod auf eine Stufe zu stellen. Richtiger wäre es, Geburt und Tod, Beginn und Ende, auf eine Stufe zu stellen. Bereits mit unserer Geburt tritt der Tod in unser Leben. Unsere ganze Existenz ist vom Tod begleitet: nicht nur der Tod durch Krankheit oder Unfall. Unser ganzer Körper stirbt von unserer Geburt an. Tausende von Zellen sterben täglich und werden durch neue Zellen ersetzt, aber das, was wir als unser Leben empfinden, wird vom Zelltod nicht berührt. Tod und Erneuerung sind Bestandteil unseres Lebens.

Wir müssten eher über Licht und Dunkelheit nachdenken, wenn wir unser Leben einordnen wollen. Krankheit und Tod stehen für die Dunkelheit. Wenn das Licht in die Dunkelheit eintritt, dann weicht die Dunkelheit, und das Licht ist das Einzige, was bleibt. Dunkelheit kann das Licht nicht berühren. Mit dem Leben verhält es sich wie mit dem Licht. Leben ist die Kraft, die im Mutterleib in das neu entstehende Wesen eintritt. Leben unterliegt nicht den Naturgesetzen; es ist die Schöpfungskraft, die den ganzen Kosmos bewegt. Leben kennt keinen Beginn und kein Ende, keine Geburt und keinen Tod. Nur der Mensch begreift sein Leben als zeitlich begrenzt Gedanken des Todes gibt es sonst in der Natur nicht. Kein Tier und keine Pflanze ist sich des Todes bewusst. Für alle anderen Lebewesen ist der Vorgang des Vergehens und des Neuentstehens ein natürlicher, ewiger Vorgang. Nur der Mensch glaubt an den Tod und will nicht erkennen, dass auch er den Gesetzen der Natur unterliegt, den Gesetzen des ewigen Entstehens und Vergehens.

Der Grund für diesen Irrtum sind die Grenzen des menschlichen Verstandes, der, wie der Körper, bereits mit seiner Geburt die Gedanken des Todes in sich trägt und nicht in der Lage ist, die Beschränkungen seines eigenen Denkens zu erkennen. Für den Verstand ist der Tod das Ende des Lebens. Die Religionen versuchen, dieses Problem des Menschen zu lösen. Sie versprechen dem Menschen ein Weiterleben im Paradies. Menschliche Begriffe wie der Vater im Himmel oder ein Leben im Himmel werden als Versprechen für ein Leben nach dem Tod geschaffen. In manchen Religionen wird Seelenwanderung beschrieben. Vielleicht kommt dieser Gedanke der eigentlichen Wahrheit näher. Leben ist etwas Unvergängliches; selbst wenn unsere Welt nicht mehr ist, bleibt das Leben. Könnte es da nicht auch Seelenwanderung geben?

In der Natur beobachten wir Entstehen und Vergehen, aber auch Wiederkehr. Wir wissen auch, dass sich im energetischen und stofflichen Bereich alles ändert, aber nichts verloren geht. Wie sollte das Leben, das die gesamte Schöpfung erfüllt, vom Tod bedroht sein? Wir wissen nicht, in welcher Form das uns erfüllende Leben erhalten bleibt; in unserem tiefsten Inneren besteht aber eine Gewissheit, dass unser Leben nicht mit unserem physischen Tod endet.

Samstag, 20. Juni 2026

Ideale und Egos

Kürzlich besuchten wir den alten Friedhof in Dahlem. Die Grabsteine enthielten neben den Namen der Verstorbenen auch immer deren Beruf und Titel. Merkwürdig, dass im Moment des Todes Beruf und Titel noch irgendeine Bedeutung haben sollten. Im Moment des Todes fallen doch spätestens alle Namen und Titel von uns ab, das Ego erlischt, der Tod macht uns Menschen alle gleich.

Unsere ganze Erziehung ist darauf angelegt, uns in den Wettstreit mit anderen zu begeben. Wir sollen die Besten in der Schule, im Beruf und im Sport werden. Noten, Titel und Erfolg im Leben und Beruf sind der Anreiz, um uns über andere zu erheben. So werden Egos durch falsche Erziehung gezüchtet: Wir sollen unsere Mitmenschen besiegen, hinter uns lassen, besser als die anderen sein. So entstehen ganze Generationen von kleinen und grösseren Egos, die nicht mehr miteinander, sondern gegeneinander leben.

An den Universitäten wird nicht das Universum gelehrt, nicht die Gesamtheit, nicht das Leben. Es wird die Wissenschaft gelehrt, die Zerlegung der Schöpfung in ihre kleinsten Elemente. Es wird uns erschwert, die Ganzheit in allem zu sehen, wenn wir uns mit den kleinsten Teilchen beschäftigen. Wenn wir endlich bei den Quanten und anderen Teilchen angelangt sind, haben wir die Ganzheit aus dem Auge verloren und wundern uns, dass Teilchen am anderen Ende der Welt die gleichen Reaktionen zeigen wie in unserer Forschungsstätte.

Besonders auffällig ist das Ego, wenn sich Menschen mit fremden Lorbeeren schmücken, hinter denen nicht einmal eigene Leistung steht: wenn sich Mitglieder von berühmten oder adeligen Familien als etwas Besonderes dünken oder die Fans von Fussballclubs sich mit ihren Helden identifizieren und glauben, dadurch etwas Besonderes zu sein. Statt eigener Leistung wird fremde Leistung genommen, um das eigene Ego zu stärken. Fernsehen und Medien haben dazu beigetragen, diese falschen Identitäten zu verstärken und falsche Egos zu züchten.

Die echten Ideale müssen schon in der Kindheit an uns herangetragen werden, um der Entstehung eines falschen Egos entgegenzuwirken. Wir müssen unseren Kindern ein bescheidenes, unseren Fähigkeiten entsprechendes Leben vorleben. Wir selbst müssen das Ideal für unsere Kinder sein. Unser Anspruch muss sich an uns selbst ausrichten, an unserer eigenen Begabung, an unseren eigenen Fähigkeiten. Selbstbewusst zu werden heisst, sich seiner eigenen Fähigkeiten bewusst zu sein. Diese zu entwickeln und die Talente zu nutzen, die uns mitgegeben wurden, ist der Sinn unseres Lebens. Vorbilder dürfen wir haben, um diesen nachzueifern. Selbst zu handeln und uns zu dem Menschen mit den Talenten zu entwickeln, die uns mit auf unseren Weg gegeben wurden, muss unser Lebensideal sein.

Der eine Mensch hat mehr, der andere Mensch weniger Talente von der Natur mitbekommen. Und so, wie wir geschaffen sind, bleiben wir Teil des Universums, Teil der Gesamtheit, ein jeder an seinem Platz. Da ist kein Raum für die Entstehung falscher Egos; wir nutzen die kurze Zeit unseres Lebens im in dieser Welt, um zu dem zu werden, der wir sind, schon wenn wir die Welt betreten. Und wenn wir diese Welt verlassen, dann wäre es schön, wenn wir satt von den Früchten des Lebens, den Weg freimachen, für das Leben das nach uns kommt. Namen, Titel und falsche Egos fallen von uns ab, und wir werden wieder Teil der Ganzheit, der wir immer waren.

 

 

Freitag, 12. Juni 2026

Die Geheimnisse der Seele

Würde man die Menschen nach der Existenz einer Seele fragen, so würde wohl ein grosser Teil von ihnen zustimmend antworten. Gerade darin liegt etwas Erstaunliches: Wir bejahen etwas, dessen Wesen sich unserem sicheren Wissen entzieht. Niemand vermag genau zu sagen, was die Seele ist, und doch sprechen wir von ihr, als wäre sie uns vertraut. Wir erzählen von Seelenwanderung, sehen auf kirchlichen Bildern die Seelen der Verstorbenen im Fegefeuer büssen oder als Engel im Paradies erscheinen. Seit der Mensch über sich selbst nachdenkt, begleitet ihn dieses Geheimnis: die Frage nach der Seele.

Die moderne Wissenschaft hat den Menschen bis in seine kleinsten Bestandteile zerlegt. Sie ist auf Energieteilchen gestossen, die unvergänglich scheinen und dennoch vom menschlichen Verstand beschrieben werden können. So nähert sich der Mensch den Grenzen seines Denkens und richtet zugleich den Blick ins Unendliche. Die Analyse führt ihn an die Geheimnisse der Schöpfung heran; zugleich aber zeigt sie ihm, dass nicht jedes Geheimnis durch Zerlegung entschlüsselt werden kann. Ein Sprachwissenschaftler mag ein Gedicht bis in Rhythmus, Klang und Struktur untersuchen — und doch erklärt ihm diese Analyse nicht vollständig, warum ihn ein Vers im Innersten berührt. Ein Atomphysiker mag die Materie erklären können; verliebt er sich aber, so spricht plötzlich eine andere Wirklichkeit in ihm, jenseits des reinen Verstandes. Beide erfahren, dass der Mensch die Welt nicht nur zerlegen, sondern auch wieder zusammensetzen muss. Erst in der Synthese wird aus Erkenntnis wieder Leben.

Die Religionen sind von jeher einen anderen Weg gegangen: nicht den der Zergliederung, sondern den der Zusammenschau. Sie haben menschliche Erfahrungen, Ahnungen und Hoffnungen zu Bildern verdichtet, die über das bloss Sichtbare hinausweisen. Was sie Offenbarung nennen, ist der Versuch, einen göttlichen Geist in der gesamten Schöpfung zu erkennen. Auch die alten Naturreligionen sahen den Schöpfergeist nicht ausserhalb der Welt, sondern in ihr: in Bäumen und Tieren, in Wind und Wasser, im Menschen selbst. In den Religionen dieser Erde erscheint die Seele daher nicht als isolierter Besitz des Einzelnen, sondern als Ausdruck eines umfassenderen Lebenszusammenhangs, der Mensch, Natur und Kosmos miteinander verbindet.

Am Ende scheint der Mensch immer vor einer Form des Glaubens zu stehen. Er kann an die Wissenschaft glauben, obwohl er weiss, dass ihre Wahrheiten in der Geschichte immer wieder ergänzt, korrigiert oder verworfen wurden. Er kann Philosophien und Weisheitslehren vertrauen, obwohl auch sie von neuen Deutungen abgelöst werden. Oder er kann an eine höhere, göttliche Intelligenz glauben, die allem innewohnt und in der Seele erfahrbar wird — nicht als beweisbarer Gegenstand des Verstandes, sondern als Ahnung, als innere Gewissheit, als leise Gegenwart.

Die Irrtümer des menschlichen Wissens im Lauf der Geschichte mahnen zur Vorsicht, den Verstand zum Mass aller Dinge zu erheben. So gross seine Kraft ist, so wenig vermag er alles zu umfassen, was den Menschen ausmacht. Wenn der Verstand dem Menschen gegeben ist, dann vielleicht ebenso der Glaube; und wenn der Mensch nach der Seele fragt, dann nicht nur aus Neugier, sondern weil er in sich selbst etwas spürt, das über das Berechenbare hinausweist. Glaube entspringt nicht allein dem Denken. Er kommt aus einem tieferen Bereich in uns, aus Herz und Seele. Vielleicht könnten wir gar nicht an die Seele glauben, wenn wir sie nicht auf irgendeine Weise bereits als Teil unseres eigenen Seins erfahren würden.

Sonntag, 7. Juni 2026

Lebenswelten

Wir glauben, in der Welt des Verstandes zu leben. Für die meisten Menschen zählen nur ihr Wissen und ihr Verstand, also das, was sie als Stand der Wissenschaft betrachten. Doch wie verhält es sich mit der Welt des Kindes, mit der Welt der Religionen oder mit der Welt der Emotionen? Haben wir diese Welten bereits hinter uns gelassen? Können wir uns noch in sie hineinversetzen, und haben sie für uns überhaupt noch Bedeutung?

Nach den alten Religionen wurden wir aus dem Paradies vertrieben, weil wir das Verbot gebrochen haben, vom Baum der Erkenntnis zu essen. Ist aber nicht unser ganzes Leben darauf ausgerichtet, Erkenntnis zu erlangen? Ist nicht gerade die Menschwerdung auf Neugier gegründet, auf das Brechen von Geboten – «Du sollst» – und auf das Übertreten von Verboten – «Du sollst nicht»? Gerade das, was verboten ist, muss selbst erfahren werden und gehört zur Menschwerdung dazu.

Das Christentum scheint als erste Religion die Verbote der alten Religionen aufgebrochen und die Kinder mit ihrem Drang, die Welt zu erforschen, in den Mittelpunkt gestellt zu haben. Zur Menschwerdung gehört es, vom Baum der Erkenntnis zu essen und die Gebote der Alten zu brechen. Wir müssen so offen sein wie die Kinder, um den Himmel zu berühren. Nur so erforschen wir die Welt und werden zu überlebensfähigen Wesen.

Es gibt die Welt des Verstandes. An die Stelle von Religion und Glaube ist das Wissen als neue Gottheit getreten. Wir erforschen die Welt, und der jeweilige Stand des Wissens, gleich in welchem Bereich, gilt oft als absolute Wahrheit. Die Geschichte lehrt uns jedoch, dass das Wissen von heute der Irrtum von morgen sein kann. In der Welt des Wissens können wir nur dann unbeschadet überleben, wenn uns bewusst bleibt, dass alles Wissen dieser Welt vor den Geheimnissen der Schöpfung verblasst.

Es gibt die Welt der Gesetze und Verordnungen, die das menschliche Miteinander regeln sollen. Diese Welt funktioniert mehr schlecht als recht. Es gibt wohl kaum einen Menschen, der nicht täglich mehrfach gegen ihre Gebote verstösst. Man braucht sich nur unser eigenes Verhalten beim Essen, im Verkehr oder in der Missachtung gesundheitlicher Gebote in Erinnerung zu rufen. Der Mensch scheint geradezu Freude daran zu haben, Gebote zu übertreten, selbst wenn ihm daraus Nachteile entstehen.

Selbst die Welt der Weisen und Philosophen ist keine ideale Welt. Sie bleibt eine theoretische Welt, die kaum je in die Wirklichkeit einfliesst. Sie existiert vor allem in den Köpfen der Menschen, findet aber in der Realität des Zusammenlebens nur wenig Beachtung.

Alle diese Welten können uns täglich begegnen. Sie umgeben uns, berühren unsere eigene Welt und werden damit auch Teil der Wirklichkeit, in der wir leben. Aus all diesen Welten nehmen wir jedoch nur das auf, was wir für unser eigenes Leben brauchen können. Alles andere bleibt draussen und streift unsere Lebenswelt nur am Rand. Keine dieser anderen Welten ist für sich genommen wirklich wichtig für unser Leben. Bedeutung gewinnen sie erst dadurch, dass wir sie in unser eigenes Leben aufnehmen. Es ist unsere Aufgabe, aus den vielen Welten, denen wir begegnen, unsere eigene Lebenswelt zu formen.


Sonntag, 31. Mai 2026

Grenzen der Sprache

Hinter jeder Religion verbergen sich die eigentlichen tiefen Wahrheiten. Kein Religionsbegründer hat je schriftliche Vorschriften hinterlassen, weil ewige Wahrheiten, die das Metaphysische ansprechen, kaum in Worten ausgedrückt werden können. Im Vatikan liegen tausende von Büchern, die sich mit der christlichen Religion beschäftigen.  Sie alle kann man allenfalls als philosophische Betrachtungen sehen, die menschliches Denken wiedergeben. Göttlicher Offenbarung begegnet man in ihnen nur selten. Nicht umsonst verbieten die Religionen den Namen Gottes zu missbrauchen, das Metaphysische entzieht sich unserem Wissen.

Das Unaussprechliche kann nicht durch Sprache wiedergegeben werden. Dennoch ist das Göttliche in der gesamten Schöpfung enthalten, ist in Allem sichtbar, will gesehen werden. Dem Menschen ist es gegeben, das Göttliche zu erkennen, weil er selbst Teil der göttlichen Gesamtheit ist. Es ist nicht Glauben nötig, wie von den Religionen gefordert, sondern die Wahrnehmung des Schöpfergeistes, der sich in der gesamten Schöpfung offenbart, auch in uns selbst. Nur Gleiches kann Gleiches erkennen.

Immer wieder sind in der Geschichte der Menschheit die grossen Lehrer des Unaussprechlichen in die Welt getreten, die ihren Zeitgenossen die tieferen Geheimnisse des Lebens offenbart haben. Keiner von ihnen hat schriftliches Zeugnis hinterlassen, weil man nicht das niederschreiben kann, für das es keine Worte gibt. Generationen nach ihnen haben dann versucht, das in Schriftform zu verfassen, was ihnen von der Lehre überliefert wurde. Nur Teile der ursprünglichen Wahrheiten haben ihren Niederschlag in den bekannten heiligen Büchern gefunden. Die damals verkündeten Wahrheiten aber haben die Menschen so überzeugt, dass neue Religionen aus ihnen entstanden sind.

Religionen können uns nur helfen den Weg zum Göttlichen zu finden, sie sind   nur Wegweiser für den Menschen, den richtigen Weg zu finden Sie nehmen uns aber nicht den Weg ab, der zur Erkenntnis des Göttlichen führt. Dieser Weg muss von jedem Menschen eigenverantwortlich selbst gefunden werden.

Das Unaussprechliche ist auch in uns selbst enthalten, ich nenne es das Leben, das Absolute, das, was mich ausmacht. Es hat mich durch mein ganzes Leben begleitet. Es hat mich in mein Schicksal gestellt, ein Schicksal, das oft existenzbedrohend war.  Krieg, Hungerzeiten, Krankheiten, fast ein ganzes bewegtes Jahrhundert habe ich durchlebt. Nie kam mir in den Sinn, mich zu beklagen, immer habe ich das Leben so angenommen, wie es auf mich zukam. Nie hat das Leben mich enttäuscht. Das Schicksal war mir immer ein treuer Begleiter, in all den Jahren meines Lebens. Das Leben hat mir fast alles geschenkt, was ich mir je hätte träumen lassen. Und ich habe versucht mich diesen Geschenken würdig zu erweisen, sie immer als Geschenk meines höheren Seins zu sehen, nicht nur als ein Ausfluss meines eigenen Tuns.  Und immer habe ich mich als ein Teil des Lebens gefühlt, das sich auch durch mich verwirklicht hat, als Teil des ewigen Seins.

Sonntag, 24. Mai 2026

Neue Götter

Als Kinder sehen wir unsere Eltern als Götter. Sie geben uns Schutz, Liebe und Geborgenheit. Wenn wir unsere Eltern verloren haben, und niemand aus der Familie die Funktion der Eltern übernimmt, wird unser ganzes späteres Leben problematisch, denn allein auf uns gestellt, fühlen wir uns verloren, schutzlos der Welt ausgeliefert.

Spätestens in der Pubertät nabeln wir uns von unseren Eltern ab. In Schule, Kirche und Büchern kommen wir mit einer neuen Gottheit in Berührung, mit Staat, Religion und unserer Kultur. Wir erfahren, dass eine Gottheit uns und die Welt erschaffen habe. Schutz suchen wir bei fremden Dritten, auch wenn das mit vielen Unsicherheiten verbunden ist.

So geht es den Kindern in der ganzen Welt.  Wir werden in unsere Kultur hineingeboren, leben in den Sitten und Gebräuchen unserer Umwelt. Erfahren, dass nur unsere Kultur, unser Staat und unsere Religion, die einzig massgebende sei, nur unsere Gottheit die Welt erschaffen habe, und nur unsere heiligen Bücher und Gesetze heilig seien.  Nur die Wenigsten trauen sich ihre eigene Kultur in Frage zu stellen und sich aus der Sicherheit und Geborgenheit ihrer Kultur hinauszuwagen in die Welt.

Wenn wir uns hinauswagen in die Welt, verlieren wir unsere Gewissheiten. Keiner kann uns wirklich sagen, woher das Leben kommt, das wir in uns spüren, und wohin wir gehen, wenn uns das Leben verlässt. Wir fragen uns, ob unser Leben einen Sinn, eine Bedeutung und eine Bestimmung hat.  Wir fühlen uns ohne den Schutz unserer Kultur, unserer Gottheiten allein, verlassen und schutzlos.

Auch die modernen Staaten mit ihren Institutionen können uns nicht die Geborgenheit vermitteln, die uns Elternhaus und Religionen gaben. Der Versuch, die Religionen und Kulturen durch Ideologien zu ersetzen, im Sozialismus und Kommunismus abzuschaffen, führte zur Entwurzelung des Menschen, und die führerlos gewordenen Menschen schufen sich neue Götter, Massenmörder, wie Stalin, Hitler oder Mao, die Vernichter aller menschlichen Kultur.   Führerkulte führten zu neuen Gottheiten, mit schrecklichen Folgen für die Menschheit.

Keine Philosophie und keine Psychologie können dem Menschen seine Götter zurückgeben. Die Zerstörung von früheren Gewissheiten, hat keine neue Gewissheiten an ihre Stelle treten lassen. Aber noch immer steht der heutige Mensch staunend vor der Schönheit der Schöpfung, fühlt das Leben, das sich in Allem offenbart, fühlen es in sich selbst.  Es ist das gleiche Gefühl, das unsere Urahnen hatten, als sie die Geister der Natur verehrten, den Geist der Erde und des Himmels. Und wir fragen uns, ob nicht das Leben, das sich in der ganzen Schöpfung offenbart, -auch in uns selbst, die eigentliche Gottheit ist, und wir ein Teil dessen sind, das wir verehren?


Donnerstag, 14. Mai 2026

Achtsam leben

Als Grosseltern haben wir unsere Freude daran, das Leben unserer Kinder und Enkel zu beobachten. Wir erleben noch einmal unser eigenes Leben.

Unsere Enkel leben noch immer im Paradies. Sie beginnen alles, ohne es zu beenden, probieren alles, auch wenn es verboten ist, sie essen vom Baum der Erkenntnis und spätestens mit sieben Jahren werden sie aus dem Paradies der Kindheit vertrieben. Es ist die Zeit des intuitiven Lernens, des Ausprobierens, alles muss erkundet werden, erst recht wenn es verboten ist.

Dann sind da die Eltern, die über den Kindern wachen. Wie die alten Religionen erlassen sie Gesetze und Verbote,  Du darfst und Du darfst nicht. Sie sind die Gesetzeshüter. Manchmal aber   erkennen sie, wie Jesus es tat,  dass Kinder immer noch im Paradies leben und stören sie nicht, die Welt kennen zu lernen, ihr künftiges Zuhause.

Und wir die Grosseltern, sehen das ganze Treiben unserer Nachkommen mit Wohlgefallen. Helfen, wo Hilfe gebraucht wird, drängen uns nicht auf, sind da wenn es nötig ist, und überlassen unseren Nachkommen die Welt, um sie neu zu erschaffen.  Unsere Erkenntnisse  und unser Wissen über die Dinge der Welt  behalten wir für uns,  denn jede Generation muss ihre Erkenntnisse immer wieder auf das Neue sammeln.  Die dritte Phase unseres Lebens ist vielleicht die wichtigste Zeit unserer Existenz. Wir lösen uns von den Wichtigkeiten der Welt und erleben  das Leben, das immer da war, und noch immer da ist, wie am ersten Tag, aber so oft nicht von uns gesehen wurde.

Und vielleicht entdecken wir, dass wir selbst noch wie die Kinder sind, Dinge tun, die verboten sind, neugierig  noch immer die Welt erforschen,  wie in unsere Kindheit, Freude haben an den einfachen Dingen des Lebens. und überlegen, ob nicht der richtige Weg durch das Leben die Verbindung von allem ist,  die Achtsamkeit auf  jeden Moment unseres Lebens, die Erforschung der Welt wie in unseren Kindertagen, vom Baum der Erkenntnis essen, um das Leben zu begreifen, und  die Weisheit zu entdecken, die in uns und in allem Ausdruck findet, die Einheit von  Welt und Paradies.


Samstag, 9. Mai 2026

Vom Wandel der Welt

Die Welt und alle Dinge dieser Welt befinden sich im ewigen Wandel. Nichts bleibt so wie es ist. In jedem Augenblick ist alles, was ist, schon etwas anderes.

Wir können uns diesem Fluss des Lebens als Menschen nicht entgegenstellen. Wir können nicht sagen,  wir möchten ewig jung bleiben, weil das dem Fluss  des Lebens widerspricht.  Der Mensch neigt dazu, den Dingen  in seiner Vorstellung eine feste Form zu geben, das gilt für die Lebewesen, wie auch für das scheinbar leblose Gegenständliche, das ihn umgibt.  Aber das  ist nur eine Täuschung seiner Sinne. Alles befindet sich im  Wandel, es ist nur unsere Wahrnehmung, die uns täuscht.

Bei den Lebewesen sehen wir am ehesten dieses Gesetz des Wandels. Wir erleben die Jugend, die Reifung und das Alter. Das gilt aber auch für die Sterne und diese Erde. Nichts bleibt so, wie es ist. Alles wandelt sich. Unser Leben, und die gesamte Schöpfung ist in jedem Moment eine andere.

Aller Wandel vollzieht sich beim Menschen in der Polarität der Gegensätze. Nur der Mensch ist in die Polarität hineingeboren, nur für ihn gilt gut und schlecht, schön und hässlich, Krieg und Frieden. Sein ganzes Leben wird von Gegensätzen bestimmt.  Auf seinem Weg durch die Welt steht der Mensch immer wieder vor der Entscheidung, in welcher Richtung er sein Leben steuern soll. Vom sinnhaften zum sinnlosen Leben, welcher Weg ist der Richtige?

Wenn sich eine Mehrheit  der Menschheit für den scheinbar  leichtesten Weg durch das Leben entscheidet, ist nicht auch dieser Weg durch die Schöpfung vorgesehen,  auch wenn er möglicherweise in die Selbstzerstörung führt?  Sind nicht alle Möglichkeiten des Lebens Teil des Schöpferwillens, gleich ob sie dem menschlichen Verstand gut oder schlecht erscheinen?

Wir werden diese Fragen als Menschen nicht beantworten können. Gesetzbücher oder Religionsschriften versuchen nur das Miteinander des Menschen zu regeln. Die Polarität des Menschseins können sie nicht beseitigen.  Der Weise aber versucht den Mittelweg zu finden, den Weg durch die Gegensätze. Indem er sich der Gegensätze in sich und in der Welt  bewusst ist,  führt er in sich die Gegensätze der Welt wieder zurück in die Einheit.   Im Weisen lösen sich die Gegensätze auf, werden wieder eins mit der Gesamtheit, in der es keine Gegensätze gibt.   

Samstag, 2. Mai 2026

Raum und Zeit 2

Weder Philosophen noch Wissenschaftler können eine überzeugende Erklärung für Raum und Zeit liefern. Am ehesten liegt mir noch Kant, der von einer reinen Anschauung des Menschen spricht, wenn es um Raum und Zeit geht. Wenn der Mensch nicht mehr existiert, fallen Raum und Zeit fort, an ihre Stelle tritt das Nichts. Solange ich lebe, gibt es Raum und Zeit für mich, sowohl im Makrokosmos als auch in meinem eigenen Mikrokosmos. Im physikalischen Sinn bestehe ich aus Raum und Energie. Die Energie fängt den Raum für mich ein, sie bildet meinen Körper. Das, was mich mit meinem Körper verbindet, ist mein Geist, der  eine  weitere Dimension darstellt, ohne die ich nicht Raum und Zeit wahrnehmen könnte. Was aber nimmt der Geist in mir wahr, - nimmt der Geist sich selbst und meine Energie wahr oder gibt es noch weitere Dimensionen, die unsere Wahrnehmung ausmachen?

Die Wissenschaftler tun so, als ob der Raum an sich auch etwas Existentielles darstellen würde.  Existenziell, im menschlichen Sinn, kann nur das verstandesmässig Erklärbare sein. Ich kann   nicht aus einem Nichts ein Etwas machen, nur um meine Theorien zu erklären. Da liegen mir schon eher die Philosophen, die das Göttliche im Nichts sehen. Und  wenn es so wäre, wie sieht es dann mit dem Nichts in mir selbst aus, denn mir ist bewusst, dass ich im Wesentlichen aus Nichts bestehe, dass von Energie in Form gebracht  und zusammengehalten wird?  Bestehe ich dann im Wesen aus göttlichem Nichts, das  von Energie  in meine Form gebracht wird?  Wäre der ganze Makrokosmos dann nicht nach dem gleichen Prinzip geformt, aus Energie und Nichts?

Für meine Existenz kommt es nur darauf an, wie ich mich selbst sehe. Es kommt nur auf meine eigene, individuelle Betrachtungsweise an. Wenn ich mich als Festkörper in Raum und Zeit sehe, dann lebe ich in dieser Welt – und mit meinem Tod  gebe ich mich an die Welt zurück. Ich lebe dann wie die grosse Masse Mensch und interessiere mich nicht für mein eigentliches Sein.

 Sehe ich mich  aus Nichts  und aus Energie geformt, dann  werde ich wie ein Wissenschafter nach den Gesetzen fragen, die mich und die Welt formen. Die Gesetze der Energie kann ich weitgehend erforschen und verstehen. Der Raum und  das Nichts aber stellen  mich vor unlösbare Probleme. Mein mir zur Verfügung stehender Verstand reicht nicht aus, um die Kräfte zu erfassen, die aus dem Nichts ein Etwas zu machen, und die Energie in ihre Bahnen lenkt.   

Der Mensch als Philosoph stellt seine Theorien in den Raum und versucht das Unerklärbare erklärbar zu machen. Und die Religionen  geben dem Unerklärbaren einen Namen.  Über  Allem und in Allem  sehe ich mich als  denkender Mensch als Teil  von Allem, als Teil der allumfassenden Intelligenz, als Teil des ewigen Raumes, und wenn dieser Raum von göttlichem Geist erfüllt ist, als Teil dieses Geistes. Zeit lässt mich die Ewigkeit begreifen, und  Energie und Kosmos  die Gegenständlichkeit. Und ich als Mensch bin in diese Gesamtheit hineingeboren, bin Teil von ihr, und wenn ein schöpferischer Geist in Allem ist, bin ich ein Teil dieses Geistes.


Samstag, 25. April 2026

Die Einzigartigkeit des Lebens

Wir befinden uns im Informationszeitalter. Täglich werden wir mit hunderten von Informationen überschüttet, zuhause, am Arbeitsplatz, digital und durch Medien. Unsere Fähigkeiten, durch Intuition unser Leben zu fühlen, uns unserer Einzigartigkeit bewusst zu sein, gehen dabei immer mehr verloren.

Selbst Ärzte, die sich mit dem Leben beschäftigen,  lernen nur noch sich auf ihre  Zahlen zu verlassen und übersehen leicht, was früher ein Hausarzt, vielleicht intuitiv verstehen konnte, wie Krankheiten durch falsche Lebensweise, durch Familienkrisen und seelische Probleme entstehen. Für alles gibt es heute Spezialisten, aber wer weiss schon, welchen Spezialisten er wirklich braucht? Und welcher Spezialist versteht noch, was das Leben ist, das er behandelt?

Intuition ist ein Lebensinstinkt, den wir gerade in dieser  Zeit noch viel nötiger brauchen als früher. Wir können uns weder auf die Datenflut verlassen, die täglich auf uns niedergeht, auch nicht hoffen, dass uns die künstliche Intelligenz den Weg weist.  Wir müssen wie früher lernen, die Zeichen, die uns unsere Umgebung und unserer Körper senden, wieder richtig zu deuten. Wir sind mit einem  natürlichen Instinkt ausgestattet, der uns ein gesundes und erfülltes Leben ermöglicht.

Die Information und Datenflut sollten nur ein Hilfsmittel bleiben, um ein erfolgreiches Leben zu führen. Das gilt für alle Lebensbereiche, für die zwischenmenschlichen Beziehungen, unsere Gesundheit, unser geistiges Leben. Die Natur hat uns mit allem ausgestattet, was für ein gesundes, langes Leben erforderlich ist. Wir selbst tragen die Verantwortung, wenn wir durch falsche Lebensweise, durch  Drogen, Alkohol, Rauchen und falsches Essen krank werden, wenn wir uns durch Medien, Massenwahn, und falsche Unterhaltung verblöden lassen und mit Alzheimer enden.   

Wenn wir ein bewusstes Leben führen, verantwortlich uns selbst und unseren Mitmenschen gegenüber, belohnt uns das Leben. Wir werden zu bewussten Menschen. Wir erkennen, dass alles Leben einzigartig ist, kein Leben identisch mit dem Leben eines anderen Wesens ist. Das gilt für alles Leben, ob Mensch, Tier oder Pflanze. Alles ist einzigartig und lässt sich nicht in   Schablonen  der Information pressen. Wenn wir uns unserer Einzigartigkeit  bewusst sind,  lassen wir uns nicht mehr in Zahlen  und Statistiken erfassen, vermeiden die Massenevents, die Medien und Unterhaltungsindustrie und gehen unseren eigenen einzigartigen Weg. Wir erleben dann das Leben wieder in seiner natürlichen Umgebung, im Wechsel der Jahreszeiten, im Rauschen des Windes, in der Schönheit der Pflanzen. Und wenn unsere Lebensenergie zur Neige geht  und sich dem Tod zuwendet, dann belohnt uns das Leben mit einem bewussten Sterben, das auch einzigartig ist, genau wie unser Leben.

Sonntag, 19. April 2026

Wissen und Erkenntnis

Im Moment unserer Geburt liegen neun Monate hinter uns, in denen wir uns vom  Einzeller zu einem  Menschen entwickelt haben. Aus der Dunkelheit werden wir in das Licht geboren, in die vollkommene Unwissenheit. Die Sprache entwickelt sich sich schon im Mutterleib, die Muttersprache.   Unser zukünftiges Wissen beruht auf dieser Sprache. Über Elternhaus, Schulen und Lesen häufen wir das Wissen an, das wir für unser Leben benötigen, jeder nach seinen Befähigungen und Notwendigkeiten.  Je mehr Wissen wir erlangen, desto mehr bewusst wird uns, wie wenig wir wissen.

Es ist mit dem Wissen wie mit Geld und Gütern, die wir im Leben   vielleicht erlangen. Beides wird uns nur geliehen und verschwindet  mit unserem Tod. Im Grunde bleibt der wissende Mensch ein armer Mensch, denn er verliert sein Wissen  am Ende seines Weges. Es geht ihm wie den Reichen, die scheinbar im Wohlstand leben und alles verlieren, wenn sie die Welt verlassen. Sie können ihren Kindern nichts wirklich Wertvolles hinterlassen, denn Wissen ist nicht vererbbar.

Es ist diese Erkenntnis, dass wir nichts wissen, die der entscheidende Schritt in unserer Entwicklung ist. Den meisten Menschen gelingt dieser Schritt nicht. Sie sind zufrieden, wenn sie einen Beruf erlernt haben, wenn sie genügend Geld verdienen und ihre Familie ernähren können. Wenn wir mit diesem Zustand zufrieden sind, unsere kostbare Lebenszeit nur mit Überleben und Zeit totschlagen verbringen, gehen wir genauso arm aus dem Leben,  wie wir es betreten haben.

Reich können wir nur durch Erkenntnis werden. Erkenntnis können wir nicht durch Arbeit erwerben, nicht durch alles Wissen dieser Welt. Erkenntnis ist ein Geschenk des Himmels. Erkenntnis ist   nicht an die Weisheit des Alters gebunden. Erkenntnis kann uns in jedem Moment des Lebens zu Teil werden,  selbst noch im Moment des Todes. Wir können Erkenntnis nicht weitergeben.  Ein Jesus, ein Buddha, ein Laotse haben versucht ihre Erkenntnis an ihre Jünger weiterzugeben, Das, was wir heute als Religionen kennen, ist der klägliche Versuch der Menschen, die nach ihnen kamen, eine Erkenntnis weiterzugeben, die ihnen selbst nicht zu Teil wurde.

Wissen können wir in Büchern niederschreiben und an unsere Nachkommen weitergeben. Erkenntnis ist ein Geschenk des Himmels. Sie  kommt zu denen, die sich dem Himmel öffnen. Wir müssen nicht in ein Kloster gehen,  nicht im Gebet um Erkenntnis bitten,  nicht den Reichtum der Welt hinter uns lassen, um Erkenntnis zu erlangen. Bei Buddha hat eine Lotusblüte genügt, bei den Jüngern von Jesus vielleicht die Bergpredigt, bei Laotse das Schweigen, um dieses grösste Geschenk des Himmels zu empfangen. Goethe hat in seinem Faust den Moment geschildert, in dem Faust  die Verlockungen der Welt hinter sich liess und dafür Erkenntnis erhielt.

Es gibt keinen Weg, den wir erlernen könnten, um zur Erkenntnis zu erlangen. Keine Bücher, die uns auf dem Weg zur  Erkenntnis weiterbringen,  keine  Religionen oder Philosophen, die uns Erkenntnis vermitteln könnten. Erkenntnis kommt zu uns, in dem Moment, in dem wir für Erkenntnis reif sind.

Vielleicht glaubt die Menschheit alles Wissen, um die Geheimnisse der Welt und des Kosmos   erlangen zu können. Der Weise aber weiss, so unendlich der Kosmos, so unendlich sind die Geheimnisse der Natur. Das Gleiche gilt für die Erkenntnis. Der Mensch ist nur ein Teil der Schöpfung, ein Teil des Ganzen. Ein Teil kann aber nie begreifen, was die Ganzheit ausmacht.

Samstag, 11. April 2026

Ein gutes Leben

Die meisten Menschen glauben, sie hätten ein gutes Leben, wenn sie eine gesunde Familie, ein schönes Haus, ein schnelles Auto, viel Geld auf dem Konto und vielleicht auch noch eine wichtige Position im Beruf haben. Nichts davon muss für ein gutes Leben schädlich sein, ist aber oft  weit davon entfernt, ein gutes Leben zu führen. Immer mehr haben zu wollen, gierig zu sein, ist vielmehr das Gegenteil von bewusst leben.

Ein gutes Leben setzt voraus, dass wir uns des Lebens in uns bewusst sind. Dass wir täglich das Leben in uns spüren, das Leben in der Natur erleben, im Sonnenaufgang, im Wind, der durch die Blätter raschelt, in den Blumen des Gartens und dem Plätschern des Baches.

Ein gutes Leben macht uns das Wunder unseres Körpers bewusst, die Millionen von Lebewesen, die mit uns in unserem Körper in Symbiose leben, die Energie, die alle Zellen erfüllt. Es erfüllt uns mit Dankbarkeit, was die Natur jedem von uns geschenkt hat, um gesund leben zu können.

Ein gutes Leben lässt uns die anderen Menschen sehen, die an unserer Seite sind, lässt uns um ihr Wohl besorgt sein, Verantwortung für sie empfinden. Es macht uns bewusst, dass es uns nur gut geht, wenn es ihnen auch gut geht. Mitgefühl mit Menschen, denen es nicht gut geht und Hilfe geben, wo uns Hilfe möglich ist, das ist Teil eines guten Lebens.

Ein gutes Leben lässt uns erkennen, dass unsere Existenz in dieser Welt nur  eine Sekunde vor der Ewigkeit währt. Vielleicht bestehen wir aus unendlich vielen Leben, die sich im Rhythmus der Zeit wiederholen, immer im Sinne der Evolution ihrer Vollendung entgegenstrebend.

Ein gutes Leben ist ein Leben in Liebe, zu uns selbst, zum  Leben, das uns umgibt, zu  den Menschen, die mit uns leben,  zu Mutter  Erde und dem Himmel, die uns umgeben. Auch Schmerz und Verlust, auch Verletzlichkeit sind Teil eines guten Lebens. Nur wer die Höhen und Tiefen erlebt, begreift den Rhythmus des Lebens.

Ein gutes Leben führt uns über die Wahrnehmung unserer Sinne hinaus, lässt uns ahnen, dass wir Teil eines für uns unvorstellbaren Grossen sind, Teil des Geistes, der alles bewirkt, was unser Leben bedeutet. Mit jedem Atemzug atmen wir das Leben ein, und im Ausatmen geben wir das Leben zurück, ein gutes Leben ist ein ewiges Nehmen und Geben, wie das  Ein- und Ausatmen.


Sonntag, 5. April 2026

Ostern und Auferstehung

Ostern ist in den christlichen Ländern einer der wichtigsten Feiertage des Jahres. Es geht um  den Sieg des Lebens über den Tod. Den Wenigsten von uns ist bewusst, dass wir unser ganzes Leben diesen Sieg über den Tod erleben.

Jeden Tag sterben in uns Millionen von Zellen und werden von neuen Zellen ersetzt. Der Tod ist ein ständiger Begleiter des Lebens. Ohne den Tod wäre uns das Leben nicht begreifbar. Das gilt nicht nur für den Menschen, sondern für die ganze Natur. Nur dem Menschen ist dieser Vorgang bewusst.

Was geschieht am Ende eines menschlichen Lebens wirklich? Das Leben in uns beendet den physischen Vorgang der Erneuerung der Zellen und gibt die gebundene Energie in uns frei. Die Energie kehrt an ihren Ursprung zurück, das übergeordnete Leben aber vereint sich wieder mit seiner Gesamtheit. Nichts geht jemals verloren. Das lehrt uns Ostern.

 Alles menschliche Wissen und Denken ist nicht in der Lage, das Wunder des Lebens zu erfassen, obwohl sich das Leben in der gesamten Schöpfung offenbart. Wir haben keinen Tod und keine Vernichtung zu befürchten. Wir geben im Tod nur die in uns gebundene Energie wieder frei, und unser Leben kehrt an seinen Ursprung  zurück.

Wir wissen nicht, ob das in allem manifestierte Leben in einer Seelenwanderung sich    wiederholt, in der Natur, in Pflanzen und Tieren, oder in menschlichen Individuen, über Generationen hin, von Leben und Tod. Diese Ungewissheit ist ein Teil unseres Lebens. - Eine Gewissheit aber können wir haben: Nichts ist endgültig  vergänglich, alles kehrt an seinen Ursprung zurück, selbst  Planeten werden geboren und sterben wieder in dunkler Materie und werden neu geboren, seit ewigen Zeiten.

Das ist  die Botschaft, die wir an Ostern erhalten. Das Leben ist unvergänglich, der ewige Wandel von Tod und Erneuerung ist das ewige Gesetz in uns. Nicht nur der Mensch, sondern die ganze Natur ist erfüllt von ewigem Leben. Und  wenn wir auf ein erfülltes Leben zurückblicken können, dann haben wir die uns geschenkten Talente genutzt, nicht nur zu unserem eigenen Wohl, sondern zum Wohl der gesamten Schöpfung

Wenn wir eigenverantwortlich unser Leben in die Hand genommen  und unsere, uns geschenkten Talente gut verwaltet haben, dann brauchen wir uns vor dem Tod nicht zu fürchten. Vielleicht können wir uns im Tod mit der Gesamtheit wieder vereinen, - vielleicht aber entschliessen wir uns zur Wiederkehr, um das Leben erneut, vielleicht besser und bewusster zu versuchen. Die Auferstehung oder Wiederkehr ist vielleicht die wichtigste Entscheidung, der  wir uns am Ende unseres  Weges durch die Welt zu stellen haben, wenn wir den Blick zurück auf unser Leben werfen. Daran erinnern wir uns Ostern, wenn der Frühling uns mit seinem Neubeginn an das Erwachen des Lebens erinnert.


Sonntag, 29. März 2026

Der Schmerzkörper von Völkern

So wie der einzelne Mensch ein emotionales Gepäck aus erlittenen , Verletzungen, Traumata, und Konflikten mit sich durch sein Leben tragen kann, gilt dies auch für ganze Gemeinschaften und Nationen, oft über viele Generationen hinaus. Ereignisse wie Kriege, Vertreibungen, Diskriminierung, hinterlassen Spuren im kollektiven Gedächtnis der Gemeinschaft. Es ist dies der  kollektive Schmerzkörper oder das Karma des Menschen und des Volkes.

Gerade sehen wir  wieder, wie alte Völker gegeneinander Krieg führen. Es geht um uralte religiöse Konflikte die seit biblischen Zeiten zwischen Völkern des nahen Ostens ausgetragen werden. Heilung und Frieden wäre nur möglich, wenn die Vergangenheit und die Gründe reflektiert würden, die zu diesen Ausbrüchen von Hass und Konflikten geführt haben. Wie können vernunftbegabte Menschen glauben, dass Religion, die Rückverbindung von Menschen zu seiner göttlichen Natur,  nur nach Regeln  erfolgen kann, die von Menschen erfunden wurden?  Ist es nicht jedem Menschen gegeben, seinen eigenen Weg zu der ihm innewohnenden Gottheit zu gehen? Er braucht keine religiösen Führer, die Tod und Verderben über das Volk bringen.

Auch die alten Völker Europas haben sich durch Jahrhunderte bekriegt. Millionen von Menschen mussten ihr Leben für sinnlose Kriege verlieren, von grössenwahnsinnigen Führern verursacht. Millionen von Toten im 1. und  2. Weltkrieg, das Grauen des Holocaust, haben tiefe Narben in den europäischen Völkern hinterlassen, aber auch die Erkenntnis, dass nur das friedliche Leben miteinander, die Verzeihung und die Versöhnung, langfristig neue Perspektiven ermöglichen.

Ein besonders ausgeprägter kollektiver Schmerzkörper liegt noch über dem Osten Europas, wo im Zeichen von Sozialismus und Kommunismus Millionen von Menschen der eigenen Volker ermordet wurden. Grössenwahnsinnige Führer und Oligarchen haben die Macht an sich gerissen  und Krieg gegen das eigene Volk geführt  und führen noch immer Krieg gegen ein Brudervolk, um es in ihr Herrschaftssystem einzugliedern. Wann werden die Völker des Ostens endlich aufwachen und erkennen, dass nur ein friedliches Zusammenleben allen Völkern   neue Perspektiven eröffnet? Die Last des Traumas aus Bürgerkriegen, 2. Weltkrieg und Vernichtung des angeblichen Klassenfeindes hat im letzten Jahrhundert den Tod von Millionen Menschen verursacht, und noch immer ist der kollektive Schmerz in den Völkern des Ostens nicht überwunden. Die schlimmsten Feinde der Völker sind Nationalismus und Ideologien, sowohl von Links als von Rechts, wozu man auch die Religionen zählen muss, die von Unverantwortlichen  gelehrt werden.

Wie eine dunkle Wolke liegt der Schmerz über den Ländern, die Millionen von Menschen den Gedanken von Wahnsinnigen geopfert haben. Vernunft und gegenseitiges Verzeihen sind der einzige Weg, um den Schmerz der Völker zu überwinden

Sonntag, 22. März 2026

Die Vorbereitung

Es geht um die Vorbereitung auf das Leben. Auf das Leben in der Welt. Neun Monate haben wir Gelegenheit im Mutterleib uns auf das Leben vorzubereiten. Wir ruhen sanft in der Geborgenheit de Mutter, wir werden ernährt. Wir hören die Stimmen der Menschen, die uns in den nächsten Jahren begleiten werden. Wir werden auf die Welt eingestimmt.

Wenn wir die Welt betreten,  als Säuglinge, Kleinkinder und dann grösser werden, haben wir unsere Familie und Lehrer an unserer Seite. Bis wir auf das Leben in der Welt vorbereitet sind, vergehen viele Jahre.

Dann verändert sich die Welt für uns. Wir sind es, die die Welt bewegen und zusammen mit unseren Mitmenschen die Welt formen, nach unserem Bild . Wir sind es, die unsere Kinder und Kindeskinder vorbereiten und ihnen das Rüstzeug geben, um  die Welt zu gestalten. Wir sind in die Welt gekommen, um unsere eigene Welt zu gestalten, unseren kleinen Teil beizutragen, die Evolution der Schöpfung  weiterzubringen.

Aber wer sieht sich wirklich in dieser Rolle?  Wir kommen uns klein und unbedeutend vor. Man hat uns ungenügend auf unsere Rolle vorbereitet. Wir kommen oft selbst kaum mit unserer kleinen Welt  zurecht. Wie sollten wir uns da als Werkzeug des Schöpfergeistes empfinden?  Wie an der Evolution der Schöpfung  mitwirken?

Wie kleingeistig wir Menschen doch sind. Allein unser Körper und unser Geist sind  ein Wunder der Schöpfung.  Wir sind mit allem ausgestattet, was wir für unser Leben brauchen. Wir haben eine lange Vorbereitung durchlaufen, bis wir in die Welt entlassen wurden. Von uns wird nur erwartet, dass wir unsere eigene kleine Welt verwalten, wir haben alle Voraussetzungen dafür mitbekommen. Das gilt für die Welt des Menschen aber auch für die Welten aller Lebewesen. Jedes Wesen ist darauf vorbereitet und hat die dafür notwendigen Talente mitbekommen.

Was aber, wenn unsere Rolle in der Welt sich ihrem Ende zuneigt?  Wer hat uns auf den Moment unseres Todes vorbereitet. Was geschieht mit unserem Leben, wenn wir den Körper wieder an Mutter Erde zurückgeben?  Hat uns je eine Religion, Philosophie  oder Wissenschaft eine überzeugende Deutung gegeben, was mit dem Leben geschieht, wenn die Energie unseren Körper verlässt? Es gibt niemand, der uns mit Gewissheit sagen könnte, was der Tod für unser Leben und die Seele bedeutet, und niemand hat uns auf das Sterben vorbereitet.  Nur wir selbst werden im Moment des Todes erfahren, ob das Leben in uns weiterlebt.

Vielleicht hilft es, wenn wir uns durch unser Leben auf den Tod vorbereiten.  Wenn wir die Talente gut verwalten, die uns das Leben mitgegeben hat  Gut verwaltet haben wir unsere Talente, wenn wir  alles das gemehrt haben, zu dem wir befähigt waren.  Das beginnt mit unseren Familien, die wir mit Liebe geformt haben, mit unserem Beruf in der Welt, den wir verantwortungsvoll zum Nutzen aller ausübten, aber auch  durch die Verbindung  mit unserer geistigen Welt, die unsere Seele formte und weiterentwickelte. Das sind die Talente, über die wir am Ende unseres Lebens abrechnen, und die wir  gemehrt haben. Wir selbst sind dann der Richter, der über uns selbst richtet.   

Eine bessere  Vorbereitung auf den Tod, als die Talente gut zu nutzen die uns das Leben mitgegeben hat, kann ich mir nicht vorstellen.


Samstag, 14. März 2026

Seifenblasen

An einem Frühlingsmorgen schaue ich einem Mann zu, der an einem Park Seifenblasen steigen lässt. Um ihn stehen zahlreiche Kinder, die bewundernd die grossen Blasen verfolgen, wie sie davon segeln. In den Blasen spiegelt sich die Welt, die Sonne, die Menschen. Manchmal gelingt es einem Kind eine Blase zu fangen und festzuhalten, für  einen kurzen Moment scheint es, als ob das Kind die Seifenblase in den Händen halten könne, dann zerplatzt die Blase.

Welch wunderbares Bild für das Leben. Wir  glauben ein Leben in den Händen zu halten, die Welt zu besitzen.  Wir ähneln dieser Seifenblase, in der sich die Welt  spiegelt   und wenn wir glauben, das Leben einfangen zu können, dann zerplatzt der Traum von Leben. Mir gefällt dieses Bild  der Seifenblase, in ihrem  Inneren befindet sich das Nichts, das wir genauso wenig greifen können wie das Leben, und in der schillernden dünnen Haut spiegelt sich die Welt. Der Wind des Schicksals treibt die Blase im Wind, und wenn sie zerplatzt verschwindet die Welt, die sich in ihr nur spiegelte.

Wir versuchen das Leben zu ergreifen und zu besitzen. Wir können aber nur ins Leere greifen. Da wo vermeintlich etwas ist, befindet sich nur ein Traum. Der Traum erlischt in dem Moment in dem wir versuchen ihn festzuhalten. Das Spiegelbild der Welt ist das, was uns in unserem Gedächtnis bleibt und die Leere, der eigentliche Inhalt der der Erscheinung.  So wie der Atem des Menschen, der die Seifenblase erzeugt und die Welt, die sich in ihr spiegelt, so vergänglich ist das Leben.  Ich werde an ein Gedicht von Rumi erinnert: «Ich bin ein Loch in einer Flöte, durch das der Atem Gottes streicht.»  


Sonntag, 8. März 2026

Das Körpergedächtnis

Eine der wichtigsten angeborenen Eigenschaften des Menschen ist das Körpergedächtnis. Aus der Medizin kennen wir das Zellgedächtnis, - durch Impfung von einem Serum werden die Zellen immunisiert um sich gegen eine Reihe von Krankheiten zu schützen. Das Zellgedächtnis ist aber nur ein kleiner Teil des Körpergedächtnisses.  Der Mensch ist schon von Geburt an über ein,   viele Generationen zurück reichendes, Körpergedächtnis ausgestattet.  Dieses Gedächtnis reicht wahrscheinlich bis in graue Vorzeit zurück.

Wir haben ein angeborenes Bewusstsein für Gefahren. Angst ist ein Schutzmechanismus, den wir über Generationen entwickelt haben. Die Medizin ordnet dieses Gedächtnis dem Nervensystem zu. Wahrscheinlich spielt aber auch die Seele des Menschen eine Rolle. Sie bewahrt  die Erlebnisse der Vergangenheit, im Körpergedächtnis, durch viele Generationen bis zum heutigen Tag . Nur so sind viele instinktive Reaktionen in uns erklärbar.

In der indischen Weisheitslehre spricht man vom Karma, mit dem wir geboren werden. So wie es hochentwickelte Familien gibt, in denen immer wieder Menschen mit einer besonderen Begabung geboren werden, so gibt es auch ein dunkles Karma, wo Menschen sich nicht von ihren  kriminellen Energien freimachen können. In den alten Kulturen sind sich die Menschen dieses angeborenen Karmas bewusst gewesen. Das Karma ist mit unserer Verflechtung mit der Welt verbunden. Es tritt nur in Erscheinung, wenn die Seele wiedergeboren wird. Wir können uns von einem nicht gewünschten  Karma nur befreien, wenn wir uns unseres Körpergedächtnisses bewusst werden. Bewusst werden heisst den Geist der Erkenntnis in unseren Körper eintreten lassen.

Das Körpergedächtnis das uns hilft, Gefahren und Widerstände in der Welt zu begegnen, ist aein wertvoller Helfer für unser Leben.  Wie alle  Erscheinungen in der Welt hat es einen dualen Charakter, die dunkle Seite belastet unser Leben, die helle Seite des Karmas hilft uns auf unserem Weg durch die Welt. Wir können das Eine nicht ohne das Andere haben.


Sonntag, 22. Februar 2026

Die Verschmutzung der Welt

Gestern fuhr ich zum Müllsammelhof um meinen Müll, natürlich sorgfältig getrennt, zu entsorgen. Auf dem Rückweg kam ich an einer Fabrik vorbei, an der auf einem Schild zu lesen war, -Wir machen aus Müll Energie –.  Wie sinnvoll, dachte ich, wenn wir den gesamten Unrat dieser Welt in Energie verwandeln könnten, wären unsere Energieprobleme gelöst. -  Ich erinnerte mich an meine Kindheit auf einem Bauernhof, wo ich erlebte, wie Mist und Jauche auf die Felder gefahren wurden. Für mich war es ein Wunder, wie Ausscheidungen und Kot, sich in wertvollen Dünger verwandeln, und die Pflanzen ernähren, die wir essen . Heute ist mir klar, dass es uns Menschen immer wieder gelingt, anscheinend wertlose Materie,  in etwas Wertvolles zu verwandeln. Wenn junge Menschen heute versuchen, die Verschmutzung von Klima und Umwelt zu bekämpfen, sollten sie ihre Energie dafür einsetzen, Abfall und Schadstoffe in Wertvolles umzuwandeln und zu modernen Alchimisten zu werden.

Für den  Menschen  ist das Unglücklichsein der Seele die Entsprechung  für die Verschmutzung der Welt. Als Kinder kennen wir noch nicht das Unglücklichsein. Wir sind glücklich in der Liebe unserer Eltern geborgen. Aber mit unserem Erwachsenwerden, kommt die Welt auf uns zu, mit   ihren Verlockungen und Versprechungen. Wir sind unzähligen äusseren Einflüssen ausgesetzt, wir sind noch nicht reif, um selbständige Entscheidungen zu treffen, was gut und was schlecht für unser Leben ist. Dabei hat jeder von uns eine innere Stimme, die ihm hilft die richtigen Entscheidungen zu treffen. Aber keiner hat uns beigebracht auf diese Stimme zu hören. Erst durch das Leben lernen wir diesen inneren Kompass in uns zu schätzen. Vielleicht braucht es erst viel persönliches Scheitern, viele falschen Wege, auch Enttäuschungen, bis wir den richtigen Weg zu uns selbst finden.

Jeden Weg, den uns das Leben vorschlägt kann der richtige sein, oder auch der falsche, es kommt nur darauf an, wie wir ihn gehen. Wenn wir uns einfach treiben lassen, den scheinbar einfachen Weg wählen, dann wird uns dieser Weg oft ins Abseits führen, in Zeitverschwendung und Nutzlosigkeit. Ein solcher Weg endet meistens im Unglücklichsein, in der Passivität, im Glauben,  andere wären für uns zuständig, der Staat, andere Menschen, nur nicht wir selbst.

Als  Menschen  sind wir Teil der Schöpfung. Wir erschaffen die Welt in der wir leben. Es ist unsere Aufgabe,  diese Welt zu gestalten, unser Leben zu formen, es in unsere eigenen Hände zu nehmen, unsere Talente zu nutzen. Es ist gleich auf welchem Feld wir unseren Acker bestellen, jede Aufgabe, und sei sie noch so klein, wird mit Engagement und Liebe zu etwas Wertvollem, zu etwas Besonderen,  vom Bauern der sein Feld bestellt, bis zur Hausfrau, die liebevoll ihre Familie versorgt. Wenn die Gedankenlosigkeit, die Bequemlichkeit  und fehlendes Gewissen unserer Mitbewohner die Welt verschmutzen und unbewohnbar machen, können wir in unserem eigenen Garten für Sauberkeit und Ordnung sorgen. Das gilt auch für das Unglücklichsein, das durch Nachlässigkeit, fehlende Sorgfalt und Liebe uns selbst gegenüber entsteht.  Die Verantwortung für die Welt beginnt immer bei uns selbst, bei unserer eigenen kleinen Welt, die wir erschaffen. Was wir im Kleinen erreichen, beeinflusst die Welten unserer Mitmenschen und trägt zum Erhalt der Schöpfung bei. Wir dürfen uns nicht entmutigen lassen, wenn wir sehen, wie wenigen Menschen es gelingt, die Welt etwas besser und sauberer zu machen. Das gilt auch für unsere eigene innere Welt.

Sonntag, 15. Februar 2026

Das Leben der Anderen

Jeder Mensch ist als eigenverantwortliches Wesen geboren. Der Mensch ist aber träge und faul. Nur zu gerne überträgt er die Verantwortung für sich selbst an andere.  Die Verantwortung für unser Leben in der Welt wird gerne dem Staat mit seinen Politikern und Beamten übertragen. Die    eigene Gesundheit wird meistens den Ärzten anvertraut, die Wenigsten führen ein gesundes Leben, es gibt ja Krankenhäuser und Ärzte.  Kaum einer kümmert sich um seine weitere geistige Entwicklung, das wenige was wir in Schulen und Universitäten lernten muss für ein ganzes Leben reichen.   Und für die seelische Entwicklung ist niemand mehr zuständig, nachdem die Religionen ihre Bedeutung verloren haben. Wenn es zu einer Krise der Seele kommt, dann laufen wir zum Psychiater, als ob der mehr für unsere Seele tun könnte als wir selbst.  Nicht einmal für diesen innersten Bereich, fühlen wir uns zuständig. Kant nennt dies Verhalten der Menschheit, eine selbstverschuldete Unmündigkeit.

So geht der normale Mensch durch sein Leben, an seinem Leben vorbei, übernimmt nicht die Verantwortung für sich selbst, schaut auf die anderen, wie die es machen, passt sich an, lebt das Leben der Anderen und vergisst dabei selbst zu leben. Dabei ist jeder Mensch einmalig in seiner Art, so wie die ganze Schöpfung um ihn herum einmalig ist. Jeder Mensch hat besondere Fähigkeiten und Begabungen und jeder hat eine einzigartige Seele in sich, die gesehen werden will, die sich entwickeln möchte, die der Ganzheit entgegenstrebt.

Wie konnte es nur so weit kommen?  Wie konnten wir nur unsere Einzigartigkeit vergessen, das Wunder der Schöpfung, das sich an uns vollzog? – Wir müssen wieder den kritischen Geist in uns entdecken. Wir müssen alles, was uns Staat, Schulen und Religionen vorschreiben, kritisch hinterfragen.  Welche Qualifikationen haben andere Menschen, um uns zu sagen, was gut und was schlecht für uns sein soll?  Wir müssen erwachen, die Verantwortung für uns selbst übernehmen, sie keinem anderen überlassen. Die Verantwortung für unsere Gesundheit, für unsere Ausbildung, für unseren Glauben und vor allem für unsere Seele, das sind unsere höchstpersönlichen Aufgaben in unserem Leben.  Kein Politiker, kein Lehrer und kein Geistlicher sind in der Lage, Verantwortung für uns zu übernehmen. Wir allein sind es, die unser Leben eigenständig in die Hand nehmen müssen, ein ganzes Leben lang, niemals nachzulassen in der Weiterentwicklung von uns selbst.

Mittwoch, 11. Februar 2026

Der Weg zur Wahrheit

Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben - ist der wichtigste Satz, den uns Christus hinterlassen hat. Er ist für jeden Menschen persönlich bestimmt, auch wenn sich kirchliche Institutionen zum Verwalter dieses Satzes gemacht haben.

Den Weg zu finden, ist die persönliche Aufgabe eines jeden Menschen. Aber die Mehrheit von uns ist faul und träge. Wo ist der Weg, fragen wir, wer zeigt uns den Weg? -  Es gibt niemanden, der uns unseren Weg zeigen kann. Der Weg   jeden Menschens ist verschieden, jeder muss seinen eigenen Weg finden. Keiner kann uns unseren Weg zeigen, nur wir selbst kennen unseren Weg. Es ist der Weg zu unserem:  Ich bin Sein.

Das gleiche gilt für die Wahrheit. Was ist die Wahrheit – fragen wir, was wenn alles um uns, und wir selbst, nur Illusion sind?  Und wieder lautet die Antwort: Wir selbst sind die Wahrheit, die Wahrheit kann uns nicht von anderen verkündet werden. Die Wahrheit finden wir nur in uns.  Es gibt Millionen von Wahrheiten, aber nur unsere eigene innere Wahrheit ist entscheidend, sie ist die Wahrheit unseres Ich, unseres Lebens.

Und dann die Frage nach unserem Leben. Was ist das Leben, gibt es ein Leben nach dem Tod, ist Leben ewig?  -  Die Antwort liegt wieder in uns selbst.  Mein -Ich bin – ist das Leben, mein Ich in dieser Welt, und mein Sein als Teil des Schöpfergeistes, als Teil der Schöpfung und als Teil des Geistes, aus dem alles entsteht und in den alles vergeht, Schöpfer und Geschaffenes, als geistige und untrennbare Einheit, den Willen des Schöpfergeistes in uns erfüllend, durch unser Leben.

Noch ein Wort zu der Aussage: niemand kommt zum Vater, denn durch mich -. Auch dieser Satz wird oft missverstanden. Wir sind Teil des Vaters, wir haben den Vater nie verlassen. Auch wenn wir vergessen haben, wer wir sind, sind wir beim Vater.  Der Vater ist das Leben in uns und um uns.  Der Vater in uns zeigt uns den Weg durch seine Schöpfung, und wir sind sein Sohn, als ewiger Teil des Lebens, den Gesetzen des Seins in uns folgend. Wir sind Weg, Wahrheit und Leben in Einem, so betreten wir die Welt und suchen den Weg zurück zum Vater.

Samstag, 31. Januar 2026

Bewusstes Handeln

Wir müssen erst unsere Aufmerksamkeit auf unser unbewusstes Handeln lenken, um uns unseres aktiven Bewusstseins bewusst zu werden. Der überwiegende Teil unserer  Körperaktivitäten, die uns am Leben erhalten, erfolgt unbewusst. Unsere Atmung, nahezu alle Aktivitäten des Körpers, die seiner Erhaltung dienen, selbst unser Denken erfolgt weitgehend unbewusst, ohne dass wir es merken.

Daneben bleibt uns aber noch genügend Energie, sich dem bewussten Handeln zu widmen. Fast jede aktive Tätigkeit können wir bewusst oder unbewusst machen. Wenn wir gedankenlos und unkonzentriert handeln, kommt nur selten etwas Sinnvolles zustande. Aber die kleinste Tätigkeit wird zu etwas Besonderem, wenn wir ihr unsere ungeteilte Aufmerksamkeit widmen. Es macht einen grossen Unterschied, ob ich meine Zähne gedankenlos putze, oder ob ich mit meiner Aufmerksamkeit bei den Zähnen bin und mich jedem Zahl zuwende. Meine Zähne werden es mir danken. Im Sport, in den Schulen und Universitäten werden Spitzenleistungen nur erreicht, wenn wir uns  voll und ganz dem Leistungsprozess widmen. Diesen Text kann ich nur schreiben, weil ich ganz mit meinen Gedanken  in meinem Bewusstsein bin und Leistung abrufe.

Unser Körper braucht auch unsere Aufmerksamkeit, um  gut zu funktionieren. Wir sollten viel häufiger in unserem Körper sein, bei den einzelnen Organen, um ihre Tätigkeit zu unterstützen, ihnen die richtige Ernährung und Bewegung zuführen. Wenn wir unseren Verstand nicht durch Konzentration fordern, bewegt sich in unserem Kopf ein unproduktives Gedankenkarussell. Das gleiche geschieht bei unkontrolliertem Konsum von Fernsehen und Social Media, auch bei unbewusstem Essen und Trinken. Die Folgen erleben wir in den Arztpraxen und Kliniken, Menschen, die wie Zombies durch ihr Leben laufen, weil sie gedankenlos leben und sich unkontrolliert Essen, Alkohol, und anderen Massenkonsum zuführen.  Auch Sport ist nur sinnvoll und erfolgreich, wenn wir mit unserem Geist dort sind, wo wir Leistung abrufen.

Unser ganzes Leben wird nur dann erfolgreich sein, wenn unser gesamtes Tun und Lassen bewusst geschieht, wenn wir uns nicht der Gedankenlosigkeit und dem oberflächlichen Freizeitgenuss hingeben. Wir brauchen zwar immer wieder kurze Zeiten der Ruhe und Entspannung, um dann wieder uns ganz den Aufgaben zu widmen, die vor uns liegen. Dann wird uns fast alles gelingen, was wir uns vornehmen. Achtsamkeit und bewusstes Handeln sind das Geheimnis für ein erfolgreiches Leben.