In der biblischen
Schöpfungsgeschichte isst der Mensch von den verbotenen Früchten und wird aus
dem Paradies vertrieben. Andere
Religionen haben ähnliche mythologische Erzählungen. Es ist die Geschichte vom
Erwachen des menschlichen Verstandes, das Erkennen von Gut und Böse, vom
Verlust des Paradieses, in dem es kein Gut und Böse gab, das Paradies in dem
der Mensch vor dem Erwachen des Verstandes lebte.
Mit dem Erwachen des Verstandes haben wir das Paradies
verloren und als Ersatz die Welt erhalten. Gut und Böse sind nun unsere
Begleiter. Nur die Tiere und Pflanzen sind im Paradies geblieben, für sie gibt
es kein Gut und Böse. Aber in uns Menschen gibt es noch eine Erinnerung an das
Paradies, eine Sehnsucht zurückzufinden in diesen Zustand der Glückseligkeit,
in den Garten Eden, in dem wir nicht für unser Überleben kämpfen mussten.
Diese Sehnsucht findet in den Religionen Ausdruck, die sich
die Menschheit gegeben hat. Allen Religionen liegt der gleiche Gedanke zu
Grunde, den Weg zurückzufinden in den ursprünglichen paradiesischen Zustand, in
das ewige Leben, in dem es kein Gut und
Böse gibt, keinen Kampf um das Überleben. Der Verstand und die Wissenschaften haben
aber auch die Religionen erfasst. Wie
Staaten geben sie Gesetzesbücher und Regeln heraus. Sie beschäftigen sich mit
Worten und Auslegungen, stellen wie die Philosophen Hypothesen auf und haben ihre ursprüngliche Aufgabe in den
Hintergrund treten lassen, sich um die Seele des Menschen zu kümmern, um das Göttliche,
das sich in jedem Menschen offenbart.
Der menschliche Verstand hat auch den Religionen zugesetzt. Philosophie
und menschliches Regelwerk durchziehen die religiösen Schriften. Es wird
analysiert und in die kleinsten Details vorgedrungen. Wie in Königreichen wird
regiert, prachtvolle Gewänder und Ränge zieren die Priester und Verantwortlichen. Selbst den
Beamtenstatus erhalten Geistliche, die doch allein für den Geist und die Seele
zuständig sein sollten. Der Armenpriester, der so lebt, wie die Ärmsten unter
uns, ist eher die Ausnahme, denn die Regel.
All diese Verirrungen des Menschlichen Verstandes können dem,
was den Menschen und die ganze Schöpfung
ausmacht, nichts anhaben. Selbst alle Verirrungen sind vom Schöpfergeist
durchdrungen und Teil der Evolution der
Schöpfung. Alles befindet sich im Fluss
des Lebens, jeder Moment ist anders als der vorhergehende. Nichts stirbt, es verändert nur seine Gestalt.
Aus Geist formt sich Energie, aus Energie Materie, Sterne entstehen und werden wieder Energie, Energie wieder zu
Geist. Der Mensch nur ein kleines Teilchen im Gesamten, wie ein Stern aus Geist
zu Energie und Materie geworden und in den Geist zurückkehrend, seine
eigentliche Heimat, in das Paradies von dem die Schriften künden.
Wir brauchen nicht als Menschen das verlorene Paradies zu
suchen. Wir haben das Paradies nie verlassen. Wir sind Teil des ewigen
Schöpfungsprozesses, durchdrungen vom Schöpfergeist, den wir in uns leben
können, wenn wir den menschlichen Verstand zum Schweigen bringen. Wir müssen
uns nur erinnern, wer wir wirklich sind.
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