Freitag, 10. Juli 2026

Auf der Suche nach dem verlorenen Paradies

In der  biblischen Schöpfungsgeschichte isst der Mensch von den verbotenen Früchten und wird aus dem Paradies vertrieben.  Andere Religionen haben ähnliche mythologische Erzählungen. Es ist die Geschichte vom Erwachen des menschlichen Verstandes, das Erkennen von Gut und Böse, vom Verlust des Paradieses, in dem es kein Gut und Böse gab, das Paradies in dem der Mensch vor dem Erwachen des Verstandes lebte.

Mit dem Erwachen des Verstandes haben wir das Paradies verloren und als Ersatz die Welt erhalten. Gut und Böse sind nun unsere Begleiter. Nur die Tiere und Pflanzen sind im Paradies geblieben, für sie gibt es kein Gut und Böse. Aber in uns Menschen gibt es noch eine Erinnerung an das Paradies, eine Sehnsucht zurückzufinden in diesen Zustand der Glückseligkeit, in den Garten Eden, in dem wir nicht für unser Überleben kämpfen mussten.

Diese Sehnsucht findet in den Religionen Ausdruck, die sich die Menschheit gegeben hat. Allen Religionen liegt der gleiche Gedanke zu Grunde, den Weg zurückzufinden in den ursprünglichen paradiesischen Zustand, in das ewige Leben, in  dem es kein Gut und Böse gibt, keinen Kampf um das Überleben. Der Verstand und die Wissenschaften haben aber auch die Religionen erfasst.  Wie Staaten geben sie Gesetzesbücher und Regeln heraus. Sie beschäftigen sich mit Worten und Auslegungen, stellen wie die Philosophen Hypothesen auf  und haben ihre ursprüngliche Aufgabe in den Hintergrund treten lassen, sich um die Seele des Menschen zu kümmern, um das Göttliche, das sich in jedem Menschen offenbart.

Der menschliche Verstand hat auch den Religionen zugesetzt. Philosophie und menschliches Regelwerk durchziehen die religiösen Schriften. Es wird analysiert und in die kleinsten Details vorgedrungen. Wie in Königreichen wird regiert, prachtvolle Gewänder und Ränge zieren die Priester  und Verantwortlichen. Selbst den Beamtenstatus erhalten Geistliche, die doch allein für den Geist und die Seele zuständig sein sollten. Der Armenpriester, der so lebt, wie die Ärmsten unter uns, ist eher die Ausnahme, denn die Regel.

All diese Verirrungen des Menschlichen Verstandes können dem, was den Menschen und die ganze  Schöpfung ausmacht, nichts anhaben. Selbst alle Verirrungen sind vom Schöpfergeist durchdrungen  und Teil der Evolution der Schöpfung.  Alles befindet sich im Fluss des Lebens, jeder Moment ist anders als der vorhergehende.  Nichts stirbt, es verändert nur seine Gestalt. Aus Geist formt sich Energie, aus Energie Materie, Sterne entstehen und  werden wieder Energie, Energie wieder zu Geist. Der Mensch nur ein kleines Teilchen im Gesamten, wie ein Stern aus Geist zu Energie und Materie geworden und in den Geist zurückkehrend, seine eigentliche Heimat, in das Paradies von dem die Schriften künden.

Wir brauchen nicht als Menschen das verlorene Paradies zu suchen. Wir haben das Paradies nie verlassen. Wir sind Teil des ewigen Schöpfungsprozesses, durchdrungen vom Schöpfergeist, den wir in uns leben können, wenn wir den menschlichen Verstand zum Schweigen bringen. Wir müssen uns nur erinnern, wer wir wirklich sind.

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