In fast allen Schriftreligionen besteht das Verbot, sich ein
Bildnis oder Gleichnis Gottes zu machen. Dieses Verbot gilt für alle
menschlichen Ausdrucksformen des Göttlichen: für Worte, Bilder und Skulpturen.
Nicht einmal das Wort Gott sollte es geben.
Wir müssen uns fragen, ob solche Verbote sinnvoll sind. So
wie Kinder fast jedes Gebot übertreten, das ihnen Eltern erteilen, so hat die
Menschheit zu allen Zeiten alle Verbote übertreten und ihre Gottheiten erschaffen
und ihnen Namen gegeben. Ganze Religionen mit ihren Geboten und Verboten sind
entstanden, und die Welt ist voll von Bildnissen des Göttlichen. Selbst Mütter
und Söhne eines Gottes hat die menschliche Vorstellungskraft geschaffen, und
wenn Gebete und Bitten an Gott gerichtet werden, dann oft an seine Vertreter,
seinen Sohn oder die göttliche Mutter. Selbst Kriege wurden von Menschen für
ihren Gott geführt und Menschen getötet, die ihren Gott mit einem anderen Namen
nannten.
Vielleicht sind die Menschen weiser als alle ihre
Religionen. Vielleicht weiss der Mensch intuitiv, dass die Ganzheit, das
Absolute, das Leben, in allem ist: in der ganzen Schöpfung, in der Natur in all
ihren Erscheinungsformen, im gesamten Kosmos, vor allem auch in uns selbst.
Wohin wir unseren Blick auch wenden, nach aussen oder nach innen, wir begegnen
dem Göttlichen, wohin immer sich unser Blick und Verstand auch wenden. Wir
begegnen dem Göttlichen in uns Menschen, in der Natur, in den Bergen und
Wäldern, im Meer, selbst in der Rose in unserem Garten, deren Duft uns
verzaubert. Selbst das Böse ist göttlicher Natur; es ist die dunkle Seite des
Lichts, es strebt dem Licht entgegen und verwandelt sich wieder in Licht. Wo
immer wir die göttliche Schaffenskraft sehen wollen, da werden wir sie finden.
Wir suchen nach dem Göttlichen, obwohl wir Teil des
Göttlichen sind. Wir suchen etwas, was wir sind. Wir wären nicht, wenn nicht
das Leben in uns wäre, als Teil der Ganzheit, als Teil der Gottheit, die in allem
ist. Das Leben äussert sich in der gesamten Schöpfung; nichts, das vom Leben
berührt wird, geht je verloren. Es braucht nicht gesucht zu werden, weil es
schon da ist. Alles, was ist, kommt aus der Ewigkeit in die Endlichkeit und
strebt wieder der Ewigkeit entgegen. Wenn der Mensch das Göttliche verehren
will, dann sollte er bei sich selbst beginnen, denn dort findet er es am
ehesten, weil er ein Teil der göttlichen Schöpfung ist.
Immer wieder hat die Menschheit Weise hervorgebracht, die
von der absoluten Wahrheit kündeten. Ein Buddha, ein Jesus, ein Laotse wiesen,
jeder auf seine Art, auf das Absolute, auf die Ganzheit in der gesamten
Schöpfung hin. Jesus verlangte, dass wir den Tempel des Göttlichen in uns
selbst errichten müssten, um die Ganzheit zu verehren. Wie die Kinder, noch
ohne unseren Verstand, müssten wir werden, um das Himmelreich in uns zu finden.
Aber wer von uns Menschen hört schon auf die Weisesten unter uns?
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