An einem Frühlingsmorgen schaue ich einem Mann zu, der an
einem Park Seifenblasen steigen lässt. Um ihn stehen zahlreiche Kinder, die
bewundernd die grossen Blasen verfolgen, wie sie davon segeln. In den Blasen
spiegelt sich die Welt, die Sonne, die Menschen. Manchmal gelingt es einem Kind
eine Blase zu fangen und festzuhalten, für einen kurzen Moment scheint es, als ob das
Kind die Seifenblase in den Händen halten könne, dann zerplatzt die Blase.
Welch wunderbares Bild für das Leben. Wir glauben ein Leben in den Händen zu halten,
die Welt zu besitzen. Wir ähneln dieser
Seifenblase, in der sich die Welt spiegelt und
wenn wir glauben, das Leben einfangen zu können, dann zerplatzt der Traum von
Leben. Mir gefällt dieses Bild der
Seifenblase, in ihrem Inneren befindet
sich das Nichts, das wir genauso wenig greifen können wie das Leben, und in der
schillernden dünnen Haut spiegelt sich die Welt. Der Wind des Schicksals treibt
die Blase im Wind, und wenn sie zerplatzt verschwindet die Welt, die sich in
ihr nur spiegelte.
Wir versuchen das Leben zu ergreifen und zu besitzen. Wir
können aber nur ins Leere greifen. Da wo vermeintlich etwas ist, befindet sich
nur ein Traum. Der Traum erlischt in dem Moment in dem wir versuchen ihn
festzuhalten. Das Spiegelbild der Welt ist das, was uns in unserem Gedächtnis bleibt
und die Leere, der eigentliche Inhalt der der Erscheinung. So wie der Atem des Menschen, der die
Seifenblase erzeugt und die Welt, die sich in ihr spiegelt, so vergänglich ist
das Leben. Ich werde an ein Gedicht von
Rumi erinnert: «Ich bin ein Loch in einer Flöte, durch das der Atem Gottes
streicht.»
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