Samstag, 14. März 2026

Seifenblasen

An einem Frühlingsmorgen schaue ich einem Mann zu, der an einem Park Seifenblasen steigen lässt. Um ihn stehen zahlreiche Kinder, die bewundernd die grossen Blasen verfolgen, wie sie davon segeln. In den Blasen spiegelt sich die Welt, die Sonne, die Menschen. Manchmal gelingt es einem Kind eine Blase zu fangen und festzuhalten, für  einen kurzen Moment scheint es, als ob das Kind die Seifenblase in den Händen halten könne, dann zerplatzt die Blase.

Welch wunderbares Bild für das Leben. Wir  glauben ein Leben in den Händen zu halten, die Welt zu besitzen.  Wir ähneln dieser Seifenblase, in der sich die Welt  spiegelt   und wenn wir glauben, das Leben einfangen zu können, dann zerplatzt der Traum von Leben. Mir gefällt dieses Bild  der Seifenblase, in ihrem  Inneren befindet sich das Nichts, das wir genauso wenig greifen können wie das Leben, und in der schillernden dünnen Haut spiegelt sich die Welt. Der Wind des Schicksals treibt die Blase im Wind, und wenn sie zerplatzt verschwindet die Welt, die sich in ihr nur spiegelte.

Wir versuchen das Leben zu ergreifen und zu besitzen. Wir können aber nur ins Leere greifen. Da wo vermeintlich etwas ist, befindet sich nur ein Traum. Der Traum erlischt in dem Moment in dem wir versuchen ihn festzuhalten. Das Spiegelbild der Welt ist das, was uns in unserem Gedächtnis bleibt und die Leere, der eigentliche Inhalt der der Erscheinung.  So wie der Atem des Menschen, der die Seifenblase erzeugt und die Welt, die sich in ihr spiegelt, so vergänglich ist das Leben.  Ich werde an ein Gedicht von Rumi erinnert: «Ich bin ein Loch in einer Flöte, durch das der Atem Gottes streicht.»  


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