Sonntag, 25. November 2012

Das Ziel verfehlen


Meine ersten Schritte als junger Mensch in der Religion haben mich mit der Sünde in Berührung gebracht.  Angeblich sollten wir alle sündig sein, behaftet mit der Erbsünde,  von der wir nur durch die Gnade Gottes  geheilt werden.   Hier hat die Kirche ihren Gläubigen einen schwer verständlichen  Text auf  ihren  Lebensweg  gegeben.  Wenn in früheren Jahrhunderten  die Sünde als  Machtinstrument eingesetzt wurde, um die Gläubigen zu disziplinieren, so  ist heute ein neuer Blick auf die Sünde angebracht.  In der   ersten Übersetzung des Testamentes aus dem griechischen wurde das Wort  Sünde verwendet. Tatsächlich  bedeutet das griechische  Wort:  „ Das Ziel verfehlen“.   Welches  Ziel  verfehlen wir und warum nennen wir dies Sünde?  Vielleicht bringt es uns weiter, wenn wir die symbolische Darstellung der Schlange betrachten,   die an einem Stab  sich nach unten  ringelt.  Das  symbolisiert den   Abstieg des Menschen in die Materie  ,  den Menschen, der aus der Einheit  einer anderen  Ebene kommt und  in die Welt der Formen und  des Gut und Böse geworfen wird.  Und   der Weg  des Menschen in  dieser Welt  ist der  Weg  der  Heilung ,  ist der Weg zurück in die Einheit, oder wieder im Bild der Schlange ausgedrückt,  am Stab des Asklepios  ringelt sich die Schlange wieder nach oben.    Wenn  Sünde   die   Bedeutung, -  das Ziel verfehlen – hat,    dann verfehlen  wir  den Weg zurück in die Einheit.  Wir bleiben  in der Welt des  Dualismus,  wir bleiben in der Welt der Formen  und verlieren uns  in  der Betrachtung und Erklärung der Formen.  Was aber wäre die Heilung, der Weg zurück ins Ziel:  Zu  erkennen, dass  Form nicht ohne Raum sein kann,   dass Form aus dem Raum entsteht und wieder in den Raum zurückkehrt,  dass  Form und Raum eins sind und wir Form  nur begreifen können, wenn wir  den Raum in der Form sehen können.  Die modernen Naturwissenschaften  sind an der Grenze der Form vorgestossen , zu der auch die Energie gehört,  und weisen den Weg in den zeitlosen Raum aus dem  die Form fliesst.  Warum nicht den kleinen Schritt weitergehen,   wir sind dazu in der Lage, auf  zu den kleinsten Energiepartikeln  und dahinter in die Welt des unendlichen Raums auf den Flügeln unserer Phantasie.
Können wir aber überhaupt das Ziel verfehlen?  Löst sich nicht die Form unseres Lebens langsam auf und kehren wir nicht in die Einheit zurück, ohne dass wir etwas dazu beitragen müssen?   Nur für unser eigenes zeitlich begrenztes Leben können wir das Ziel vergessen, aber nicht verlieren.  Unser Blick auf die Welt der Formen und  unser Tanz um die Formen  wendet den Blick in die falsche Richtung, und übersieht  das Leben das in allem  ist, das Leben in dem Geburt und Tod jeder Form einschliesslich von uns selbst, nur eine kleine Episode  in der Zeit dieses Universums ist.   Das  Ziel verfehlen  heisst für unsere eigene Zeit, den Raum, das Leben und die  Kraft zu übersehen, die uns innewohnt und die  einmal entdeckt unser  Leben in seinen  Dimensionen unendlich bereichert  und es  lebenswert macht. 

Mittwoch, 21. November 2012

Gebet und Meditation



In den drei grossen monotheistischen Religionen wendet sich das gesprochene Gebet an  den persönlichen Gott,  an eine Wesenheit   ausserhalb  von uns selbst .  Das kann durch formelhafte  Gebete oder durch das persönliche Gespräch geschehen. Die Kirchen lehren uns das formelhafte Beten.  Oft führt dies  zu einer mechanischen Wortübung.  Wenn diese sinnentleert ist,  dann entwickelt das Gebet keine Wirkung.  Aber auch  die mechanische Wiederholung von formelhaften Gebeten kann meditativen Charakter haben, uns helfen sich aus den gedankenhaften Zwängen zu befreien,  ähnlich dem  Aufsagen von Mantras,  oder dem Beten des Rosenkranzes,  die auch keine  direkte Bedeutung  haben und dennoch helfen uns in einen Zustand der  Meditation zu versetzen.   Jede  Form von Gebet   kann segensreich sein,  verbunden mit Glauben,  gibt das Gebet   Kraft,  unser Leben zu sehen und zu bestehen.  Im Gebet wendet sich unser Geist dem zu, was uns ausmacht und was hinter unserer physischen Existenz steht  und im gemeinschaftlichen Gebet  verbinden sich die Gläubigen in ihrer geistigen Energie und etwas von dem ist zu spüren, was allem innewohnt. 
Über das formelhafte Gebet gibt es die schöne Geschichte von Tolstoi, von den drei Brüdern, die als Heilige verehrt  auf einer Insel lebten. Als der Metropolit von ihrem Ruf hörte begab er sich auf die Insel und liess sich von Ihnen vorbeten.  Die drei heiligen Brüder  waren   schlichte , einfache  aber beseelte russische Menschen die nicht viel von den kirchlichen Riten  verstanden.  Sie beteten:  Du bist Drei und wir sind Drei, erbarme Dich unser.  Der Metropolit versuchte ihnen das offizielle Kirchengebet beizubringen  und sie konnten es sich nicht merken.  Als er es aufgab und mit dem Boot zurückruderte,  sah er wie die drei Brüder über das Wasser auf ihn zueilten und riefen:  Herr sag uns noch einmal das Gebet auf.  Da fiel er nieder und sagte,  nicht ich habe Euch etwas zu lehren, Ihr seid es die mich  belehrt.
Das floskelhafte Gebet  berührt nur selten den Kern der Seele, der uns mit dem göttlichen verbindet.   Um das floskelhafte Gebet mit Leben zu füllen, muss über jedes Wort und jeden Satz meditiert werden.  Dann plötzlich  beleben sich die Sätze und die  Weisheit der Worte leuchtet auf.  Gebet ist der Ruf unserer Seele nach Gott,  für mich am eindringlichsten  zu hören  in dem Ruf Jesu :   Herr warum hast Du mich verlassen?  -  das Gebet in tiefster Not, wenn das Leiden unseres körperlichen Seins unerträglich zu werden scheint, und dann der erlösende Satz, nicht mein Wille,  Dein Wille geschehe. Mit diesem Gebet verlässt Jesus die Grenze des menschlichen Denkens und verbindet sich mit dem göttlichen Sein.   Im Gebet  werden Himmel und Erde eins, wir durchstossen die Grenze unseres  Denkens,  das Denken wird zur Stille,  und  in der Stille  nehmen wir unser Sein wahr.
Im Gebet  besinne ich mich zurück, auf das was ich wirklich bin, jenseits meiner menschlichen Erscheinungsform  Die reinste Form des Gebetes  ist die Meditation,  der Gang in die Stille, in das Nichtdenken.  In  der  Stille leuchtet das bewusste Sein auf,  das  was mich ausmacht.   Dieses Sein,   das Leben,  das in allem ist und das mich mit allem verbindet.  In dem ich in dieses Sein durch Nichtdenken  hineinsinke, verbinde ich mich mit  dem was wir Gott nennen, dem Göttlichen  in  mir.  Das ist die reinste Form von Gebet.  Wenn ich dann aus diesem  Sein heraus das betrachte was ich in meiner menschlichen  Gestalt bin,  meinen Geist, meinen Körper,  meine Lebensenergie,  und voller Bewunderung  über dieses wunderbare Geschenk bin, dann werde ich mir meiner selbst bewusst, und ich kann  meinem Körper, meinen Zellen, meinem   Verstand danken, für die  Arbeit die sie mir jeden Tag aufs neue leisten.    
In seiner reinsten Form ist Gebet nicht die Bitte an etwas ausserhalb von mir, sondern  es ist die Zwiesprache mit dem was mich ausmacht, mit meinem Sein, mit mir selbst,   mit dem göttlichen Teil in mir, der  wieder Teil der das Universum füllenden uns schaffenden  göttlichen Intelligenz ist.  Wenn wir heute  so viele Menschen den Weg des Yoga und der Meditation einschlagen sehen,  dann ist das auch nur wieder ein Weg zu unserem  Sein,  ein Weg von vielen,   eine    religio = Rückverbindung  zu dem   was uns ausmacht. 

Donnerstag, 18. Oktober 2012

Grenzen des Denkens



Der Physiker Hans Peter Dürr schreibt in seinem  Buch  „Geist, Kosmos  und Physik“,  er habe fünfzig Jahre  daran gearbeitet zu erforschen, was  hinter der Materie stecke.  Das Ergebnis seines Forscherlebens:  Es gibt keine Materie.  -  Waren das 50 Jahre  vergeudet auf ein Forschungsziel ?  Ich denke, das waren keine verlorenen Jahre für den Forscher.  Wenn  das  für ihn  der Weg war,  Erkenntnis zu erlangen, dann war der Weg  es   wert  ihn zu gehen.   Ahnen wir nicht alle, dass  wir nicht in das enge Korsett der Materie und unserer  herkömmlichen Wissenschaften gezwängt sind,  sondern dass etwas grösseres, mit unserem Verstand nicht Begreifbares  hinter dem steht was wir sehen und  und  verstehen  können?    Um zu verstehen , was ich meine  soll eine Vergleich dienen, den ich kürzlich las:  die brennende Kerze vor uns  ist nur möglich, weil die Sonne das Leben auf der Erde möglich macht und die Bienen  den Wachs produzieren  aus dem die Kerze entsteht.  Die Kerze ist damit  letztlich ein Ausfluss der Sonne,  das Licht das die Kerze spendet, ein  kleines Abbild dessen was die Sonne aussendet. So wie die Kerze diesen Zusammenhang mit der Sonne nicht begreifen kann,  so kann unser Verstand nicht begreifen,  dass er ein Ausfluss der  höheren Intelligenz ist ,  er ist ein Teil dieser Intelligenz,  ohne begreifen zu können, was die Intelligenz ist, die ihn ausmacht.
In der Entstehungsgeschichte des Menschen ist der Mensch über Jahrmillionen spirituell gewesen,  wahrscheinlich unbewusst, als Teil der Natur,  in der er lebte.  Erst die modernen Naturwissenschaften  haben seine Sichtweise eingeengt  und auf die Materie beschränkt.  Seit den grossen Forschern des 18. Und 19. Jahrhunderts, galt nur  die sogenannte Wissenschaft,  die Spiritualität des  Menschen ging immer mehr verloren.  Da nichts  in der Natur geschieht, was ohne Sinn ist, könnte man sich vorstellen, dass aus dieser Beschränkung wieder eine Erweiterung der menschlichen Sichtweise folgen könnte,  eine neue Form der Spiritualität, die erstmalig auch die breiteren Massen erfassen könnte, und die  die Erkenntnisse der modernen Physik in das spirituelle einordnen wird, und  das Wissen um den Kosmos  und die Spiritualität  des Geistes  als grosses Ganzes,  als Holos  betrachten wird,  so dass beides   seine Berechtigung  in der grösseren Einheit erhält.  Lange wurden die Träger der Spiritualität als die ewig  Gestrigen bezeichnet, als  Esoteriker oder  Religionsabhängige.  Eine neue Spiritualität würde  bedeuten, dass wir wieder die Fähigkeit  erlangen, hinter den äusseren Erscheinungsformen  das unbegrenze Potenzial zu sehen, mit allen Möglichkeiten, mit denen es sich in der materiellen Form verwirklichen kann.  Jeder Mensch ist in irgendeiner Form auf der Suche nach den  Wurzeln seines Seins, das mechanistische Weltbild des  19. Jahrhunderts  befriedigt ihn nicht mehr.  So wie das alte Weltbild uns die Grenzen unseres Denkens gezeigt hat, so hat die moderne Physik die Grenzen der Materie entdeckt. Erst wenn wir die Grenzen erkennen, an denen unser Denken aufhört,  öffnen wir uns  unserer  spirituellen Seite, die nicht mehr erklären will sondern wahrnehmen kann. Diese spirituelle Seite wurde lange vernachlässigt, aber jeder hat sie in sich.  Wie der „Kurs im Wundern“  sagt,  es hat Tausende von Jahren gebraucht, bis wir uns  von unserem Sein  entfremdet haben,  aber  es braucht nur einen Augenblick ,   um wieder  zu dem zurückzukehren was  wir sind,  ein Teil des Sein, das man auch das Leben bezeichnen kann,   und ein Teil  der allem übergeordneten höheren Intelligenz, die sich in uns  und in allem um uns verwirklicht. 

Samstag, 6. Oktober 2012

Das Leben ist ein Privileg


In einem Film „Best Exotic Marigold Hotel“ sah ich sieben englische Rentner, die vom westlichen Leben geprägt sich voller Vorurteile der indischen Welt voller Leben, Farben und Gerüche aussetzten. Am Beginn konnte man noch die Verkrustung des bisherigen Lebens sehen, an denen die neuen Eindrücke der neuen indischen Welt abprallten, dann aber öffnete das neue Leben in einem dreckigen , verwahrlosten Hotel langsam die Herzen und die Menschen kamen zum Vorschein, die hinter der äusseren Schale versteckt waren. Keiner von ihnen konnte sich dem Einfluss des Lebens in seinen neuen Varianten entziehen. Unwillkürlich denkt man an das Ashram von Osho, nur hier lehrt nicht ein Guru, sondern das Leben in seiner grössten Vielfältigkeit wirkt auf Menschen ein, und fördert wieder das Herz und die Liebe zu Tage. Besonders ist mir in Erinnerung, dass in all der Armut und dem Schmutz des äusseren Lebens eine andere Einstellung zum Leben aufscheint, die Menschen scheinen nicht durch die äusseren Zwänge ihr Menschsein zu verlieren, sondern betrachten es als ein Privileg zu leben , auch wenn das in Armut und Schmutz geschieht. Man kann sich dem Zauber dieses Filmes nicht entziehen, auch wenn am Rande das andere Indien angedeutet wird, mit seinen Vorurteilen und seinem Materialismus. Müssen wir aber nach Indien gehen, um den Reichtum des Lebens zu erfahren? Das Leben in seiner Schönheit und Vielfältigkeit ist überall, aber manchmal müssen wir uns vielleicht aus unserer gewohnten Umgebung herausreissen, um wieder sehen zu lernen.

Montag, 1. Oktober 2012

Hersttage

An diesen reifen Herbsttagen, wenn im tiefen Licht der Sonne die Herbstfarben langsam aufleuchten kommt mir immer wieder Hölderlins Lied an die Parzen in den Sinn:

1. Nur Einen Sommer gönnt, ihr Gewaltigen Und einen Herbst zu reifem Gesange mir, Daß williger mein Herz, vom süßen Spiele gesättiget , dann mir sterbe.
2. Die Seele, der im Leben ihr göttlich Recht Nicht ward, sie ruht auch drunten im Orkus nicht; Doch ist mir einst das Heil’ge, das am Herzen mir liegt, das Gedicht gelungen,
3. Willkommen dann, o Stille der Schattenwelt! Zufrieden bin ich, wenn auch mein Saitenspiel Mich nicht hinab geleitet ; Einmal Lebt ich, wie Götter, und mehr bedarfs nicht.

Hölderlin war nur 29 Jahre alt, als er dieses Gedicht schrieb. Es ist das Bild, das in diesem Gedicht vor mir steht und mich berührt. Die Vergänglichkeit des Sichtbaren, ausgedrückt im Wechsel der Jahreszeiten. Die kurze Lebensspanne die uns zur Verfügung steht. Die Verbindung unseres Lebens mit dem Göttlichen, beim Dichter ausgedrückt im Saitenspiel, in das das Göttliche einfliesst, das Göttliche in den Worten des Dichters. Das Herz ist das Medium in dem das Göttliche empfunden wird. Die Worte sind die Nahrung des Herzens. Die Sehnsucht das zum Ausdruck zu bringen, was in allem ist, das ist der Wunsch des Dichters und gleichzeitig jedes Menschen. Ist nicht der Zweifel im Gedicht spürbar ob das gelingen wird? Kann das Göttliche in die Worte des Verstandes fliessen? Wenn das Göttliche in allem ist, dann auch in den Worten des Menschen. Und wenn unser Herz von den Worten des Dichters berührt wird, dann ist ihm das bereits gelungen, die Gottheit spricht selbst zu uns. Das ist es was uns an diesem Gedicht berührt.

Sonntag, 16. September 2012

Wie wird die Welt enden?

Sobald wir uns aus der Ebene unseres physischen Seins hinwegbewegen, gelangen wir in den nicht greifbaren Raum. Wie Sartre es ausdrückt, wir sind das einzige Wesen das neben der Wahrnehmung der physischen Existenz, die andere Dimension, die nicht physische, den Raum oder das Nichts wahrnehmen kann. Wir blicken in das Universum und wir nehmen die Sterne wahr und den Raum, in dem sie sich bewegen. Wissenschaftler untersuchen nun diese Erfahrung der Wahrnehmung als biologisches oder als soziologisches Phänomen unseres Verstandes, grenzen diese Erfahrung zur Wahrnehmung des Tieres ab und verkennen, dass der Bereich des Seins nicht auf der Ebene des Verstandes geklärt werden kann. Der Bereich des Seins entzieht sich unserem Denken und kann nur auf einer anderen Ebene wahrgenommen werden. Wir sind noch in der Lage unsere Körperintelligenz wahrzunehmen, auch wenn wir sie wissenschaftlich nicht begreifen können, weil sie uns selbst betrifft. Diese übergeordnete Intelligenz, ohne die unser Körper nicht einen Augenblick funktionsfähig wäre, eine Intelligenz, die alle unsere Lebensprozesse steuert, auch die Nervenimpulse und mikrobiologischen Prozesse, die die Wissenschaft immer feiner durchdringt. Je mehr wir über diese Prozesse in Erfahrung bringen, umso ehrfürchtiger bestaunen wir diese übergeordnete Intelligenz. Wenn wir nun um uns blicken, erkennen wir diese Intelligenz in allem was was uns umgibt. Alles was wir mit unserem Verstand erfassen können scheint von dieser Intelligenz durchdrungen zu sein und alles scheint gleichzeitig dem Prozess des ewigen Werdens und Vergehens zu unterliegen. In diese von einer übergeodneten Intelligenz geschaffene Welt greift der Mensch willkürlich ein und verändert sie. Er gestaltet sie um und greift offensichtlich auch in die intelligenten Strukturen der Welt ein, in das Gleichgewicht der Natur, die der Weltkörper geschaffen hat um die Schöpfung zu erhalten. Wird damit ein nicht reparabler Schaden angerichtet, oder ist die allem zugrundeliegende Intelligenz in der Lage durch Anpassungsprozesse den Schaden auszugleichen? Diese Frage können wir nur versuchen durch Erfahrungen auf anderen Ebenen zu beantworten. Schauen wir uns die Schäden an, die wir an unserem eigenen Körper anrichten. Eine ganze Zeitlang scheint unsere Körperintelligenz Einflüsse unseres Suchtverhaltens, von Bewegungsmangel und Stress ausgleichen zu können. Es kommt aber der Moment, wo die Abwehrmechanismen der Körperintelligenz zusammenbrechen, wo seelische, geistige und körperliche Defizite ihren Tribut fordern und sich in Krankheitssymptomen äussern. Auch jetzt ist noch eine Reparatur möglich, durch Einsicht und Umkehr. Fahren wir aber fort, die Gesetze des Universums zu misachten, die allem zugrundeliegen, auch unserer menschlichen Existenz, dann werden die Schäden, die wir verursachen zunehmen und am Schluss irreparabel werden. So wird es auch mit unserer Welt sein. Im Vergleich zu den lebenden Organismen ist die Lebenserwartung der Erde eine unvergleichlich viel längere. Entsprechend werden Krankheitsprozesse der Erde auch viel länger dauern und auch die Heilung ist kaum von heute auf morgen zu erwarten, Wenn wir aber fortfahren die Welt nur auszubeuten, das Gleichgewicht der Natur zu zerstören, die Meere industriell leerzufischen, die Luft zu verpesten, das Klima zu verändern, den Boden, unsere Erde, überzubeanspruchen, dann wird sich der Krankheitszustand der Erde verstärken und nur eine Rückbesinnung auf das Gleichgewicht der Natur, eine Umkehr in unserem Verhalten, kann dann noch Gesundung bringen. Wird der Menschheit eine solche Umkehr gelingen? Wird die Einsicht so spät kommen, dass unsere Weltintelligenz den Reparaturprozess nicht mehr durchführen kann? Eins ist gewiss, die Welt wird nicht enden, wenn die Lebensbedingungen ein Leben in der jetzigen Form nicht mehr zulassen. Es werden nur grosse Teile der Pflanzen- und Tierwelt zugrundegehen, auch das menschliche Leben wird es nicht mehr geben. Aber die Welt wird weiter bestehen vielleicht auch nur in der unwirtlichen Form der uns umgebenden Planeten. Enden wird die Welt erst, wenn ihre Lebensdauer abgelaufen ist und sie das Schicksal der verschwindenden Sterne teilt. Auch hier versagt unsere menschliche Phantasie.

Samstag, 25. August 2012

Ich bin meine Krankheit

Irgendwann auf unserem Lebensweg treffen wir auf eine Krankheit. Wir gehen zum Arzt und hoffen , er könne die Krankheit wegschaffen. Wir sagen, ich habe eine Krankheit, genauso wie wir sagen, Ich habe einen Körper. Da scheint nicht eine Person zu sein, sondern zwei, das Ich und der Körper. Auch die Krankheit scheint aus dem Blickwinkel des Ichs etwas zu sein das nicht zu mir gehört, es scheint etwas fremdes Drittes zu sein, das meinen Körper befallen hat und das der Arzt mit Pillen und wenn das nicht reicht, mit dem Skalpell zu entfernen hat. Ist das aber wirklich so einfach, die Krankheit von unserem Ich zu abstrahieren, zu einem fremden Dritten zu machen? Der grosse Irrtum unseres Denkens setzt dort ein, wo das Ich sich vom Körper getrennt sieht. Der Körper könnte nicht eine Sekunde ohne das Ich sein, die Funktionen jeder einzelnen Zelle und des Köpers als Gesamtheit werden vom Ich gesteuert. Nicht vom Ich, das unser Verstand uns als unsere Persönlichkeit vorgaukelt und das bestenfalls als ein falsches Ego zu bezeichnen ist, sondern von dem uns allumfassenden Sein von dem unser Ich ein Teil ist. Unser Körper und unser ich sind eins, weil der Körper nicht einen Moment ohne unser Ich , das in Wirklichkeit ein Synonym für das Leben ist, sein könnte. Alles was unserem Körper widerfährt ist auch auf der Ebene des Ichs zu sehen. Wenn ich und mein Körper eins sind, dann ist auch die Krankheit und Ich eins, oder anders gesagt, Ich bin meine Krankheit. Aber, so wird mir entgegnet, ich will doch nicht mein Krebs sein, oder mein Schlaganfall, oder mein körperliches Gebrechen. Das nicht wollen, oder die mentale Distanzierung von unserer Krankheit findet nur in unserem Verstand statt, so wie wir uns eine Trennung des Ichs von unserem Körper vorstellen und davon sprechen, dass wir einen Körper haben. Schon bevor eine Krankheit oder ein Gebrechen äusserlich sichtbar wird, könnte es auf der Ebene des Seins erkannt und vermieden werden. Wir begreifen das am besten bei anderen , die wir gut kennen. Kein Wunder, sagen wir, dass er den Krebs bekommen hat, so wie der gelebt hat. Also scheint beim anderen durchaus erkenbar wo wirklich die Krankheit ihre Ursaceh hat, nur bei uns selber versagt diese Einsicht. Unser Ego versperrt uns den Blick auf uns selbst, es wäre doch wirklich peinlich, sich zuzugeben , dass wir selbst unsere Krankheit sind und wir auch nicht mit Erfolg einen fremden Dritten beauftragen können, uns von unserer Krankheit zu heilen, wenn wir selber nicht den Heilungsprozess in uns vornehmen wollen. Der Arzt kann nur dann helfen, wenn ich selber, also mein Ich, beschliesst gesund zu werden und die Ursachen beseitigt, die zur Krankheit geführt haben. Beim Raucher, Trinker oder bei anderem Suchtverhalten ist es leicht nachzuvollziehen, wo der Ansatz der Heilung liegt. Schwieriger ist es beim Denker, der den Gehirnschlag erlitten hat, sollte der Weg der Heilung im Nichtdenken liegen, in der Meditation, in der Stille? Kann derjenige noch geheilt werden, der durch Unmässigkeit oder Bewegungsfaulheit die Funktion seiner Gelenke oder Glieder eingebüsst hat? Auch da scheint mir eine Gesundung möglich. Nicht, dass die Glieder wiederhergestellt werden können, obwohl auch das heute teilweise möglich ist, sondern das Ich entschliesst sich wieder in einen heilen Zustand zurückzukehren, das die Krankheit auslösende Verhalten zu unterlassen und sich selbst wieder als gesund zu empfinden. Selbst der Krüppel oder der durch ein unheilbares Leiden gezeichnet Mensch ist gesund, wenn er sich als gesund empfindet und seinen Zustand als lebenswert annimmt, und wenn ihm der Satz möglich ist: „Könnte das Leben schöner sein?“ Dann verliert die Krankheit und das Gebrechen ihren Schrecken und selbst im Konzentrationslager kann die Schönheit des Lebens gesehen werden, wie wir es eindrucksvoll im Film „Das Leben ist schön“ gesehen haben. Krankheit ist in erster Linie ein mentaler Zustand, Gesundheit aber auch.