Mittwoch, 15. Februar 2017
Angst und Schmerz
Dienstag, 14. Februar 2017
Lanserhof
Ich beobachte die Menschen um mich. Viele sind gezeichnet
von den Drogen unserer Zeit. Essen, Trinken, Sitzen, Stress. Gezeichnet von der
fehlenden Achtsamkeit auf das was wir tun. Schon der Entschluss sich in etwas
hineinzubegeben, das völlig anders ist als das was ich bisher tue ist der Weg
in ein neues Bewusstsein. Ich kaue mein trockenes Stück Brot, das ist der Beginn
in eine neue Welt. Ich werde mir meiner Kaubewegungen bewusst, des Geschmacks
eines natürlich gebackenen Brotes, des wunderbaren Geschmacks von Brot –
Kindheitserinnerungen werden wach, als ein Stück Brot die einzige Nahrung war
und wir das Kauen solange wie möglich hinzogen. Die Achtsamkeit, die ich neu
lerne zieht sich durch alles hindurch was ich hier mache. Ich lerne meinen
Körper neu kennen, werde mir seiner Bedürfnisse bewusst. Essen und trinken
gewinnen eine neue Qualität, einfache naturbelassene Nahrung, Wasser aus den
Quellen der Berge, Wasser als Quelle des Lebens. Äussere und innere Anwendungen
auf den Körper, diesem Wunderwerk, das mir anvertraut ist. Mein Körper erhält
das was es wirklich braucht, nicht nur ärztliche und körperliche Zuwendung,
sondern meine Aufmerksamkeit. Wenn nicht der Hunger mich so schwächt, das ich
mich nur in mein Zimmer zurückziehen kann, dann habe ich von morgens bis abends
Gelegenheit mich zu bewegen, vom morgendlichen Spaziergang, über Yoga, Pilates,
Quigong, bis zu Gymnastik und Schwimmen im grosszügigen Aussenbad, aus dem der
Nebel steigt und ich bei Frost in 32° Salzwasser schwimme, um mich die Berge
und der Schnee. Erlebnisse, die der Seele guttun. Endlich einmal kein Handy erlaubt, keine
lauten Stimmen, die mich am Leben der anderen teilnehmen lassen. Angebote von
Yoga und Meditation geben mir die Möglichkeit meinen Denker abzuschalten,
Achtsamkeit zu lernen, no mind. Zehn
Tage gehen zu Ende, ich habe mich wieder auf das Wesentliche beschränkt. Auf
mich Selbst. Ein wunderbarer Platz, wenn
es ihn nicht gäbe, würde ich ihn erfinden.
Christian von Stechow
Samstag, 4. Februar 2017
Seinsvergessenheit
Gestern unterhielt ich mich über die „Seinvergessenheit“ bei Heidegger. Das
berechnende oder wissenschaftliche Denken hat von allen Lebensbereichen Besitz
ergriffen. Der Planet, die Natur und der Mensch werden vom wissenschaftlichen
Denken beherrscht. Die Gefahren, die auch von H. gesehen wurden, sind
offensichtlich geworden. Der Planet, die Natur und selbst der Mensch werden von
den wissenschaftlichen Techniken langsam zerstört, der „berechnende Verstand“ zerstört sich am
Ende selbst. Heidegger spricht in diesem
Zusammenhang von der „Seinsvergessenheit“, er meint damit, dass sich der
Verstand auf sein anderes Sein besinnen soll. Der „berechnende Verstand“ muss durch den „sich besinnenden Verstand“ begleitet werden,
wenn der Planet und die Menschheit im Sinne der Schöpfung diesen Planeten
weiter bewohnen wollen. Sich besinnen auf was?
Auf das Sein hinter den Dingen,
nicht der Denker ist massgebend, sondern das was den Denker denken macht
(Upanischaden). Wir scheinen diese
Dimension hinter unserem „berechnenden Denken“ vergessen zu haben, das ist das was H. die „Seinsvergessenheit“ nennt. Wenn der wissenschaftliche Denker dies als
Mystik abtut, dann vergisst er, dass auch die Wissenschaft inzwischen an den
Grenzen des Denkens angelangt ist und unsere menschliche
Wahrnehmungsmöglichkeiten weitgehend auf Illusion beruhen. Wenn ich im Sinne
von H. meinen besinnenden Verstand einsetze, erschliesse ich mir die Räume, die
der berechnende Verstand nicht mehr wahrnehmen kann. Jenseits der Illusion
unseres Denkens beginnt die Realität unseres Seins.
Samstag, 21. Januar 2017
Erlösung
In unserem Gebet bitten wir um Erlösung. Von was wollen wir erlöst werden? Was ist das
Böse von dem wir Erlösung suchen? Angst
vor dem Altern, vor dem körperlichen Verfall, Angst vor Verlust von
Besitz, Angst vor der Zukunft, Angst
Alleinzusein, Angst es nicht zu schaffen, Angst vor Krankheit und Tod. Wenn wir
um Erlösung bitten, dann wohl in der Erwartung, jemand anderes könne uns
helfen, uns unsere Angst zu nehmen.
In Wahrheit gibt es niemanden, der uns von unseren Ängsten
befreien kann. Es gibt auch keinen Weg zur Erlösung, keine Religionen keine
Schulen. Erlösung ist auch nicht in der Zukunft möglich. Sie ist schon da, in
jedem von uns. Wir sind ohne Angst geboren, ohne Sorgen, wir schauen unsere
Kinder an, sie wissen nicht was Angst ist.
Erst die Erziehung des Verstandes,
Eltern, Schulen, Religionen
bringen uns Angst bei, unser Verstand
wird so geschult, dass er in Angst lebt. Angst die Erwiartungen der Eltern
nicht zu erfüllen, Angst die Schule nicht zu schaffen, Angst vor der
Verdammnis. Wo werden diese Ängste
entwickelt - in unserem Verstand. Wie
können wir wieder in den Zustand zurückkehren, in dem wir geboren wurden? Durch
das Anhalten der Gedankenwalze, die sich in uns dreht. Dieses Anhalten kann nur durch uns selbst geschehen, nicht in
der Zukunft, nur jetzt in diesem
Moment. Darum ist Erlösung kein
Versprechen in die Zukunft, Erlösung ist
hier und jetzt, in jedem von uns,
Erlösung ist die Rückkehr in den Zustand in dem wir geboren wurden. Und wie
erlöse ich mich in diesem Moment? Ich halte inne, ich werde mir meiner selbst bewusst, ich
lenke meine Gedanken auf mein Leben, auf meine Kindheit, meine Entwicklung, ich
erkenne, wie mein Schicksal mich immer gelenkt hat, ich sehe
meine eigenen Fehler, die mich von meinem Weg abgebracht haben, ich verzeihe mir meine
Fehler, ich lange im Jetzt an. Ich bringe meine Gedanken über mich zum
Stillstand, ich trete in die Gedankenstille ein. Da sind keine Gedanken mehr,
da sind keine Ängste mehr, tiefe Dankbarkeit erfüllt mich für mein Leben, für
alles was mir geschenkt wurde, und in
der Gedankenstille erkenne ich,
ich bin erlöst, ich bin voll von Leben, voll von Liebe zum Leben, das
grösste Geschenk, das mir gemacht wurde ist das Leben. Und wo Leben ist, da ist keine Angst, ich kann
nichts verlieren, vor allem das Leben
kann ich nicht verlieren, das Leben war
immer und wird immer sein. Erlösung ist, das Leben in sich zu erkennen.
Freitag, 20. Januar 2017
Illusionen
Die Buddhisten sagen, wenn es keine Illusion gäbe, dann gäbe es keine Erleuchtung. Unsere Probleme sind hausgemacht. Sie sind
die Illusion über Dich selbst, die Ängste die aus den Gedanken Deines Gehirns
entstehen, Deine Vorstellungen, die sich immer um Dich drehen. Alles
Illusionen, die wegfallen, im Augenblick in dem ich in den Zustand von No Mind
eintrete. Das ist unser Weg, zu erkennen, dass es diese Illusion gibt und den
Zustand annehmen, den wir diese Welt nennen, damit wir den anderen Zustand
erkennen können, der nicht diese Welt ist. Ich könnte die andere Welt in mir
nicht entdecken, wenn ich nicht in diese Welt geboren wäre. Und diese andere
Welt ist direkt in Dir, in der Tiefe und Stille Deiner Person, die andere Dimension, die Dich
ausmacht, die du nur erkennen kannst, weil es Dich gibt, weil es die Gedanken
Deines Verstandes über dich gibt. Wenn Du Dich ganz annehmen kannst, mit allen
Illusionen, die Du über Dich hast, dann bist Du ganz dicht an der anderen Seite
von Dir, der Seite ohne Gedanken, der
ungeheuren Stille und der Weite in Dir selbst, in die Du eintrittst, wenn
Du die Gedankenstille erreichst. Wenn das, was Dich geschaffen hat, und Dich
trägt, die Weite und die Stille ist, dann kann sich diese nur durch Dich erkennen,
ohne Dich gäbe es nicht das was Dich geschaffen hat.
Du bist in einer Gruppe um zu meditieren, die Gruppe gibt es
nur, weil es Dich gibt.. Nimm die Gruppe an, weil sie da ist und Du sie erkennen kannst. Nimm dich an, weil Du
das was Dich ausmacht nur erkennen kannst, weil es Dich gibt, mit Deinen
Ängsten und Illusionen über Dich, das
ist der direkte Weg zur Erleuchtung.
Dienstag, 17. Januar 2017
Yoga
Wenn ich in Wikipedia über Yoga nachlese, dann schwirrt der
Kopf vor den vielen Namen und Schulen. Ich bin immer skeptisch, wenn eine Denkrichtung
zur Philosophie oder zur Ideologie gemacht wird. Eines aber scheint mir wichtig: Yoga
kann ein Weg sein, seinen eigenen Körper wahrzunehmen, seine Gedanken unter Kontrolle zu bekommen,
und damit den Weg in den inneren Körper zu finden. Der äussere Weg des Yoga,
wie er in unserer Kultur betrieben wird, ist sicher nützlich und führt zu
Bewegung und zur Wahrnehmung unseres
eigenen Körpers. Yoga kann so ein Weg sein, die fehlende Bewegung vor dem
Bildschirm und in der schreibtischgebunden Welt
zu ersetzen. Yoga kann auch ein Weg sein, meine Welt mit der Aussenwelt
zu verbinden. Im Sonnengruss wird mir die lebensspendende Kraft der Sonne
bewusst, ohne die Sonne gebe es nicht mich
und kein Leben auf diesem Planeten. Yoga kann mich aber auch auf den Weg
nach innen nehmen, wenn die Übung meine
ganze Aufmerksamkeit auf meinen Körper lenkt, meine Gedankenwelt zum Schweigen
kommt und ich in der Körperbewegung das Leben wahrnehmen kann, das in jeder
Zelle meines Körpers schwingt. Wenn Yoga mich dazu bringt, den Weg nach innen
zu gehen und ich in der Bewegung den Zustand des No mind erreichen kann, dann wäre Yoga auch für unsere westliche Welt ein Segen.
Wenn ich mir den Skispringer ansehe, wie er vor dem Absprung seine ganze
Aufmerksamkeit nach innen richtet, dann weiss ich, da ist kein Platz mehr für
die Welt der Gedanken, da sehe ich Yoga in reinster Form.
Beziehungen
Unsere Beziehungen zu anderen Menschen leiden darunter, dass
wir sie über den Verstand abwickeln. Wenn ich eine problematische Beziehung
habe und darüber nachdenke, was alles nicht funktioniert, dann ist der beste
Weg in mich selbst hinein. Nicht in meinen Kopf, wo mich meine Gedanken
empfangen, nein in meinen inneren Körper. Ich gehe hinein in die Stille,
dorthin wo ich keine Gedanken mehr empfange, auf die tiefste Ebene meines
Seins. Auf dieser Ebene empfinde ich den anderen Menschen in seiner Essenz,
denn seine und meine Essenz sind eins. Wenn ich dann in die Welt der Gedanken
zurückkehre, finde ich nicht mehr einen Sturm, sondern eine sanfte Brise vor.
Abonnieren
Posts (Atom)