Dienstag, 2. Mai 2017

Wellen auf dem Wasser


Ich blicke auf die Wasser des Sees.  Ein  leichter Nebel  verbirgt die anderen Ufer.  Langsam löst die Sonne die Morgennebel auf und ein leichter Wind kräuselt die Oberfläche. Im Laufe des Tages wächst  der Wind an und treibt grössere Wellen vor sich her, bis diese am Ufer zerbrechen. Und abends schläft der Wind wieder ein, die Wellen werden kleiner und schliesslich liegt der See in der Abendsonne, ruhig und friedlich wie am Morgen.

Unser Leben ähnelt diesem See, den Wellen, die sich auf der Oberfläche bewegen, von Wind und äusseren Einflüssen getrieben. Unter der Oberfläche aber liegt, unbewegt und unbeeinflusst von Wellen und Wind, die ganze Tiefe des Sees,  voller Leben, voller Kraft,   in ihrer unsichtbaren Unergründbarkeit. Unser Blick erfasst nur das Geschehen der Oberfläche, wir ahnen aber  die Tiefe   die darunter liegt. -  Ist es das, was uns immer wieder an die grossen Wasser zieht, wird unser Leben nicht wie die Welle über die Oberfläche getrieben, und gleichzeitig das Wissen, wir sind nicht nur die Welle, die dem Wind des Schicksals ausgesetzt ist, sondern auch die Tiefe des Wassers, geheimnisvoll und rätselhaft unveränderbar.

Samstag, 22. April 2017

Idole


Wenn ich mir die Idole aus Sport, Musik und Unterhaltung  ansehe, dann scheinen die meisten Menschen davon auszugehen, dass Glück und Befriedigung  in Leistung und Erwerb von materiellen Gütern liegt. Die Personen aus den Klatschspalten scheinen sich alles zu leisten, alles an Häusern, schnellen Autos, schönen  Frauen, Essen und Trinken in den besten Restaurants. Es scheint, als ob wir es überwiegend als höchstes Glück sehen, uns alles auf materieller Ebene leisten zu können. Diese Menschen kommen in unser Gesichtsfeld und gehen. Und oft liest man von Problemen, Überschuldung, Drogen, gescheiterten Ehen. Es ist also doch nicht alles Gold was glänzt. Solange wir glauben, dass Glück nur auf materieller Ebene zu erreichen ist, mit Essen, Trinken, Sex und materiellen Gütern, werden wir kein Glück und keinen inneren Frieden finden. Im Genuss suchen wir nach immer grösserem Genuss, nichts wird uns zufrieden stellen und die Anhäufung materieller Güter sind dem Rost und den Motten ausgesetzt, wie es schon in unseren alten Texten heisst, in unserer modernen Sprache, der Gier des Finanzamts.  

Wirkliches Glück und Zufriedenheit finden wir , wenn wir alles was wir tun mit Aufmerksamkeit und Liebe tun. Das gilt für alles, für unsere körperlichen Ansprüche, unsere Familie, unseren Beruf. Selbst die Sinnsucher begreifen, dass nicht Gurus, Klöster und Ashrams ihnen weiterhelfen. Immer mehr setzt sich die Erkenntnis durch, dass nicht auf der Zeitschiene etwas erreicht werden kann, sondern nur im Hier und Jetzt. Alles was Glück bedeutet ist bereits da, nicht im Aussen, nicht auf der Ebene der Materie, sondern in uns, auf der Ebene, die unser Verstand nicht erfassen kann. Jeder von uns kann ein Idol sein, einem Ideal entsprechen, nicht für viele aber für einige, die auf der gleichen Frequenz gepolt sind. Was das heisst?  Alles was wir anfassen wahrnehmen, unseren Partner, unser Essen, unseren Beruf.  Dann erwerben wir wahren Reichtum,  denn die Dinge die  wir mit Liebe behandeln,  werden es uns danken.

Donnerstag, 20. April 2017

Stille


Mit zunehmendem Alter lässt oft die Hörfähigkeit nach. Ich höre weniger, aber gleichzeitig höre ich mehr. Ich höre mehr Stille. Wenn ich die Menschen um mich beobachte, dann scheinen sie alles zu tun, um keine Stille eintreten zu lassen. Sie reden, oft völlig sinnloses, lassen den Fernseher laufen, noch mehr sinnloses Geschwätz, stecken sich Hörer in die Ohren, und lassen ganze Musiksammlungen an ihrem Gehör vorbeilaufen.  Es ist, als ob sie alles dafür tun, um keinen Moment der Stille aufkommen zu lassen. Dabei kommt jedes Wort, jeder Ton aus der Stille, wird von der Stille getragen, kehrt in die Stille zurück.  Die Stille ist die Essenz jedes Tons, ohne Stille würden wir den Ton nicht wahrnehmen. Und doch unternehmen wir alles, um die Stille mit Lärm so zu verdecken, dass wir sie nicht mehr wahrnehmen können. Wir leben in der lautesten Welt, die es je gegeben hat. Dabei ist Stille das, was den Ton ermöglicht, es ist Stille, aus der die Schönheit von Musik erwächst, es ist Stille, aus der die Gedichte fliessen, es ist Stille, aus der die Amsel singt. Brauchen wir erst das Alter, um Stille wieder wahrnehmen zu lernen?  Aus meiner Umgebung höre ich die Klage, der Arme hört schlecht.  Ich höre nicht schlechter, ich höre nur selektiver und intensiver. Ich höre nur noch das, was ich hören möchte und höre heute Töne, die ich früher in dem Umweltlärm nicht mehr wahrnehmen konnte. Heute kann ich das Lob der Stille singen, sie ist mir bewusster geworden, weil erst das Alter mir ermöglicht hat Stille wahrzunehmen.

Samstag, 1. April 2017

Schmerz


Immer wieder treffe ich auf Menschen, die sich fragen, warum kann ich sowenig Freude, Glück oder Frieden in mir finden, warum erfasst mich so oft ein unerklärlicher tiefer Schmerz?  So wie Glücksgefühle sind Schmerzgefühle Lebensenergie. Schmerz ist aber keine freigesetzte Energie sondern eine  von unserem Leben abgetrennte Energie, die wir in unseren Körper eingeschlossen haben. Sie entsteht oft in unserer Kindheit, durch mangelndes Verständnis und Liebe der Erwachsenen, Misbrauch, verstörende Erlebnisse, - keiner liebt mich-, oder auch aus dem kollektiven Schmerz eines Volkes, aus  Unterdrückung, aus  Nichtanerkennung. Diese eingeschlossene Energie ist für mich nicht wahrnehmbar, sie äussert sich über meinen emotionalen Körper, vor allem wenn sie auf Situationen stösst, in der die Erinnerung an erlittenen Schmerz wach wird. Sie ist wie ein emotionaler Schleier, der mich verhindert auf meine eigentliche Lebenskraft zugreifen zu können. Sie ist die dunkle Seite meines Seins. Dunkelheit entsteht durch die Mauer, die ich in mir selbst errichtet habe und die mich vom Licht und  meiner eigentlichen Lebensenergie trennt.  Dunkelheit kann ich nur durch Licht erhellen. Der erste Schritt ist daher zu erkennen,  dass mein Schmerz ein Eigenleben in mir führt. Sobald ich mir meines Schmerzes bewusst werde, lenke ich das Licht meines Bewusstseins  auf die dunkle Seite meines Lebens. Wie aber kann ich das Unbewusste in mir erkennen, wenn ich mir seiner nicht bewusst bin?  Unser Verstand kann uns da wenig helfen, er ist oft der Verursacher des Schmerzes.  Daher ist die Arbeit der Psychologen so wichtig, sie lenken das Bewusstsein auf die Seiten unseres Lebens, die in verschütteten Erinnerungen liegen. Erst wenn wir erkennen wo die tieferen Ursachen liegen, können wir unsere Lebensenergie und das Licht der Erkenntnis  in die dunklen Tiefen unseres Seins lenken, und das was wir erkennen wird im Licht unseres Bewusstseins erlöst und die gefangene Lebensenergie freigesetzt.  Es ist das was die Alchemisten als die Verwandlung von Unedlem in Edles nennen.  Glück, Freude und Frieden sind nicht in unserem Verstand zu Hause, sie befinden sich auf der Ebene unserer Lebensenergie , sie sind das tiefe eigentliche Leben. Ein erfülltes Leben misst sich am Glück und Frieden den wir jenseits unserer Vernunft erfahren.

Donnerstag, 30. März 2017

Eine neue Erde




Kürzlich  las ich über ein wissenschaftliches Werk, das über die  Offenbarungen des Johannes geschrieben wurde. In zwei Bänden untersucht der Autor die Hinweise und Bilder und versucht eine Einordnung in die damalige Zeit. Noch bis in die heutige Zeit faszinieren uns die Visionen des Johannes und die apokalyptischen Reiter sind durch das letzte Jahrhundert geritten und haben Tod und Zerstörung über unseren Planeten gebracht. Der entscheidende Hinweis dieser Schriften liegt für mich in der Verheissung eines „Neuen Himmels und einer Neuen Erde“.  Ich verstehe diese Weissagung so, dass wir solange die apokalyptischen Reiter mit Tod und Zerstörung erleben werden, solange  sich das menschliche Bewusstsein nicht ändern wird. Die Ursache für alle Zerstörung auf diesem Planeten war immer der menschliche Verstand, der immer neue Ideologien, Religionen, oder   Macht und Herrschaft hervorgebracht hat. Die rücksichtslose Ausbeutung unseres Planeten haben einen hohen Preis gefordert. Allein in meiner Generation haben wir es geschafft mehr als 100  Millionen Menschen unserer eigenen Spezies umzubringen, die Erde zu erschöpfen, das Klima zu verändern und wir stehen dicht davor die Erde unbewohnbar zu machen. Das sind die apokalyptischen Reiter, von denen die Visionen sprechen. Tief in unserem Unterbewusstsein wissen wir um diesen Zustand.

Was in den Visionen angekündigt wird, ist  ein Bewusstseinssprung in der Wahrnehmung unserer Existenz. Wie dieser Bewusstseinssprung aussehen kann, deutet Johannes an.  Der Neue Himmel ist die Wahrnehmung des schöpferischen Geistes in Allem, in uns selbst, in der Menscheit in der Welt und im Kosmos. Der schöpferische Geist, das eigentliche Sein, das uns alle ausmacht, das  in der ganzen Schöpfung zum Ausdruck kommt und das jeden von uns mit allem verbindet. Christus hat es so ausgedrückt: Der Himmel ist mitten unter uns. Der Himmel nicht als Vision einer jenseitigen Welt, sondern den Himmel  in uns und um uns wahrhaben. Wenn dieses Bewusstsein immer mehr Menschen erreicht, dann ändert sich der Mensch, und mit dem Menschen sein gesamtes Umfeld und es entsteht eine „Neue Erde“. Ich erlebe schon immer mehr Menschen in denen dieses neue Bewusstsein keimt und ich habe die Hoffnung, dass nicht mehr die Trumps diese Welt regieren werden, die alles wie in der Vergangenheit nur für sich beanspruchen, nicht die Bürokraten, die die vorhandenen Zustände nicht sehen und alles nur einfallslos verwalten, sondern erwachte Menschen, die unsere Erde wieder lebenswert machen.

Mittwoch, 22. März 2017

Kategorischer Imperativ


Wenn ich über diesen komplizierten Ausdruck hinwegschaue und über die Freiheit der Willensentscheidung zum guten und schlechten Handeln nachdenke, kommt mir folgende Geschichte in den Sinn.

Mit einer befreundeten Familie waren wir an einer felsigen Küste im Süden in Teneriffa. Es herrschte Sturm und gewaltige Brecher liefen gegen die Felsen an. Eine Touristin hatte sich auf einen Felsen gesetzt, um das  Schauspiel zu bewundern, als eine gewaltige  Woge sie erfasste und in das Meer riss. Der etwa 14 jährige Junge unserer Freunde sprang zum  Entsetzen seiner Eltern in die See und konnte die Touristin retten. Unter Gefahr seines Lebens hat er sich für einen ihm nicht bekannten Menschen eingesetzt. Was mag in dem Jungen in diesem Moment vorgegangen sein?  Hatte er Zeit das Für und Wider seines Handelns abzuwägen und eine Entscheidung zu treffen?  Das moralische Handeln, von dem K. spricht, scheint so tief in uns verankert zu sein, dass wir spontan die richtige Entscheidung treffen, wenn wir keine Zeit haben, das „Sollen“ abzuwägen.  Ich habe dem Jungen damals gesagt, dies war sicher eine Deiner wichtigsten Entscheidungen und grössten Tat in Deinem  Leben.  Sein Handeln scheint so selbstverständlich für ihn gewesen zu sein, dass ich Ihn später nie mehr über diesen Moment habe sprechen hören.

Die wirklich wichtigen Entscheidungen in unserem Leben finden nicht auf der Ebene des Verstandes statt, sondern auf der Ebene der Seele, auf der wir alle miteinander verbunden sind.  Die Entscheidungen die wir dort treffen, fliessen aus unserem tiefsten Sein. Die Handlung selbst entspricht nicht einer Pflicht, sondern einer Entscheidung unseres freien Willens. Wie wunderbar, wenn dieser Wille sich vom Tiefsten in uns so beeinflussen lässt.

Freitag, 17. März 2017

Der Finger, der zum Mond weist


Die grossen Zen Meister haben schon darauf hingewiesen, dass die rituelle Kleidung, Klangkörper, Räucherstäbchen vom Wesentlichen ablenken. Bei allen Religionen können wir beobachten, wie die Rituale gepflegt werden, das Äussere wird wichtiger als das Innere, Rituale werden zum entscheidenden Kriterium. Religionen die Macht ausüben oder vom Staat als Machtinstrument verwendet werden, pervertieren den tiefen Gehalt der allen Weisheitslehren zugrundeliegt.  Religionen sollten Wegweiser sein zum eigentlichen Kern und Sinn des Lebens, und nicht zum Selbstzweck erstarren.  Ein Zen Meister hat einmal gesagt, der Finger der zum Mond weist ist nicht der Mond. Ist nicht inzwischen der Finger zum Mond geworden?