Donnerstag, 18. Oktober 2012

Grenzen des Denkens



Der Physiker Hans Peter Dürr schreibt in seinem  Buch  „Geist, Kosmos  und Physik“,  er habe fünfzig Jahre  daran gearbeitet zu erforschen, was  hinter der Materie stecke.  Das Ergebnis seines Forscherlebens:  Es gibt keine Materie.  -  Waren das 50 Jahre  vergeudet auf ein Forschungsziel ?  Ich denke, das waren keine verlorenen Jahre für den Forscher.  Wenn  das  für ihn  der Weg war,  Erkenntnis zu erlangen, dann war der Weg  es   wert  ihn zu gehen.   Ahnen wir nicht alle, dass  wir nicht in das enge Korsett der Materie und unserer  herkömmlichen Wissenschaften gezwängt sind,  sondern dass etwas grösseres, mit unserem Verstand nicht Begreifbares  hinter dem steht was wir sehen und  und  verstehen  können?    Um zu verstehen , was ich meine  soll eine Vergleich dienen, den ich kürzlich las:  die brennende Kerze vor uns  ist nur möglich, weil die Sonne das Leben auf der Erde möglich macht und die Bienen  den Wachs produzieren  aus dem die Kerze entsteht.  Die Kerze ist damit  letztlich ein Ausfluss der Sonne,  das Licht das die Kerze spendet, ein  kleines Abbild dessen was die Sonne aussendet. So wie die Kerze diesen Zusammenhang mit der Sonne nicht begreifen kann,  so kann unser Verstand nicht begreifen,  dass er ein Ausfluss der  höheren Intelligenz ist ,  er ist ein Teil dieser Intelligenz,  ohne begreifen zu können, was die Intelligenz ist, die ihn ausmacht.
In der Entstehungsgeschichte des Menschen ist der Mensch über Jahrmillionen spirituell gewesen,  wahrscheinlich unbewusst, als Teil der Natur,  in der er lebte.  Erst die modernen Naturwissenschaften  haben seine Sichtweise eingeengt  und auf die Materie beschränkt.  Seit den grossen Forschern des 18. Und 19. Jahrhunderts, galt nur  die sogenannte Wissenschaft,  die Spiritualität des  Menschen ging immer mehr verloren.  Da nichts  in der Natur geschieht, was ohne Sinn ist, könnte man sich vorstellen, dass aus dieser Beschränkung wieder eine Erweiterung der menschlichen Sichtweise folgen könnte,  eine neue Form der Spiritualität, die erstmalig auch die breiteren Massen erfassen könnte, und die  die Erkenntnisse der modernen Physik in das spirituelle einordnen wird, und  das Wissen um den Kosmos  und die Spiritualität  des Geistes  als grosses Ganzes,  als Holos  betrachten wird,  so dass beides   seine Berechtigung  in der grösseren Einheit erhält.  Lange wurden die Träger der Spiritualität als die ewig  Gestrigen bezeichnet, als  Esoteriker oder  Religionsabhängige.  Eine neue Spiritualität würde  bedeuten, dass wir wieder die Fähigkeit  erlangen, hinter den äusseren Erscheinungsformen  das unbegrenze Potenzial zu sehen, mit allen Möglichkeiten, mit denen es sich in der materiellen Form verwirklichen kann.  Jeder Mensch ist in irgendeiner Form auf der Suche nach den  Wurzeln seines Seins, das mechanistische Weltbild des  19. Jahrhunderts  befriedigt ihn nicht mehr.  So wie das alte Weltbild uns die Grenzen unseres Denkens gezeigt hat, so hat die moderne Physik die Grenzen der Materie entdeckt. Erst wenn wir die Grenzen erkennen, an denen unser Denken aufhört,  öffnen wir uns  unserer  spirituellen Seite, die nicht mehr erklären will sondern wahrnehmen kann. Diese spirituelle Seite wurde lange vernachlässigt, aber jeder hat sie in sich.  Wie der „Kurs im Wundern“  sagt,  es hat Tausende von Jahren gebraucht, bis wir uns  von unserem Sein  entfremdet haben,  aber  es braucht nur einen Augenblick ,   um wieder  zu dem zurückzukehren was  wir sind,  ein Teil des Sein, das man auch das Leben bezeichnen kann,   und ein Teil  der allem übergeordneten höheren Intelligenz, die sich in uns  und in allem um uns verwirklicht. 

Samstag, 6. Oktober 2012

Das Leben ist ein Privileg


In einem Film „Best Exotic Marigold Hotel“ sah ich sieben englische Rentner, die vom westlichen Leben geprägt sich voller Vorurteile der indischen Welt voller Leben, Farben und Gerüche aussetzten. Am Beginn konnte man noch die Verkrustung des bisherigen Lebens sehen, an denen die neuen Eindrücke der neuen indischen Welt abprallten, dann aber öffnete das neue Leben in einem dreckigen , verwahrlosten Hotel langsam die Herzen und die Menschen kamen zum Vorschein, die hinter der äusseren Schale versteckt waren. Keiner von ihnen konnte sich dem Einfluss des Lebens in seinen neuen Varianten entziehen. Unwillkürlich denkt man an das Ashram von Osho, nur hier lehrt nicht ein Guru, sondern das Leben in seiner grössten Vielfältigkeit wirkt auf Menschen ein, und fördert wieder das Herz und die Liebe zu Tage. Besonders ist mir in Erinnerung, dass in all der Armut und dem Schmutz des äusseren Lebens eine andere Einstellung zum Leben aufscheint, die Menschen scheinen nicht durch die äusseren Zwänge ihr Menschsein zu verlieren, sondern betrachten es als ein Privileg zu leben , auch wenn das in Armut und Schmutz geschieht. Man kann sich dem Zauber dieses Filmes nicht entziehen, auch wenn am Rande das andere Indien angedeutet wird, mit seinen Vorurteilen und seinem Materialismus. Müssen wir aber nach Indien gehen, um den Reichtum des Lebens zu erfahren? Das Leben in seiner Schönheit und Vielfältigkeit ist überall, aber manchmal müssen wir uns vielleicht aus unserer gewohnten Umgebung herausreissen, um wieder sehen zu lernen.

Montag, 1. Oktober 2012

Hersttage

An diesen reifen Herbsttagen, wenn im tiefen Licht der Sonne die Herbstfarben langsam aufleuchten kommt mir immer wieder Hölderlins Lied an die Parzen in den Sinn:

1. Nur Einen Sommer gönnt, ihr Gewaltigen Und einen Herbst zu reifem Gesange mir, Daß williger mein Herz, vom süßen Spiele gesättiget , dann mir sterbe.
2. Die Seele, der im Leben ihr göttlich Recht Nicht ward, sie ruht auch drunten im Orkus nicht; Doch ist mir einst das Heil’ge, das am Herzen mir liegt, das Gedicht gelungen,
3. Willkommen dann, o Stille der Schattenwelt! Zufrieden bin ich, wenn auch mein Saitenspiel Mich nicht hinab geleitet ; Einmal Lebt ich, wie Götter, und mehr bedarfs nicht.

Hölderlin war nur 29 Jahre alt, als er dieses Gedicht schrieb. Es ist das Bild, das in diesem Gedicht vor mir steht und mich berührt. Die Vergänglichkeit des Sichtbaren, ausgedrückt im Wechsel der Jahreszeiten. Die kurze Lebensspanne die uns zur Verfügung steht. Die Verbindung unseres Lebens mit dem Göttlichen, beim Dichter ausgedrückt im Saitenspiel, in das das Göttliche einfliesst, das Göttliche in den Worten des Dichters. Das Herz ist das Medium in dem das Göttliche empfunden wird. Die Worte sind die Nahrung des Herzens. Die Sehnsucht das zum Ausdruck zu bringen, was in allem ist, das ist der Wunsch des Dichters und gleichzeitig jedes Menschen. Ist nicht der Zweifel im Gedicht spürbar ob das gelingen wird? Kann das Göttliche in die Worte des Verstandes fliessen? Wenn das Göttliche in allem ist, dann auch in den Worten des Menschen. Und wenn unser Herz von den Worten des Dichters berührt wird, dann ist ihm das bereits gelungen, die Gottheit spricht selbst zu uns. Das ist es was uns an diesem Gedicht berührt.

Sonntag, 16. September 2012

Wie wird die Welt enden?

Sobald wir uns aus der Ebene unseres physischen Seins hinwegbewegen, gelangen wir in den nicht greifbaren Raum. Wie Sartre es ausdrückt, wir sind das einzige Wesen das neben der Wahrnehmung der physischen Existenz, die andere Dimension, die nicht physische, den Raum oder das Nichts wahrnehmen kann. Wir blicken in das Universum und wir nehmen die Sterne wahr und den Raum, in dem sie sich bewegen. Wissenschaftler untersuchen nun diese Erfahrung der Wahrnehmung als biologisches oder als soziologisches Phänomen unseres Verstandes, grenzen diese Erfahrung zur Wahrnehmung des Tieres ab und verkennen, dass der Bereich des Seins nicht auf der Ebene des Verstandes geklärt werden kann. Der Bereich des Seins entzieht sich unserem Denken und kann nur auf einer anderen Ebene wahrgenommen werden. Wir sind noch in der Lage unsere Körperintelligenz wahrzunehmen, auch wenn wir sie wissenschaftlich nicht begreifen können, weil sie uns selbst betrifft. Diese übergeordnete Intelligenz, ohne die unser Körper nicht einen Augenblick funktionsfähig wäre, eine Intelligenz, die alle unsere Lebensprozesse steuert, auch die Nervenimpulse und mikrobiologischen Prozesse, die die Wissenschaft immer feiner durchdringt. Je mehr wir über diese Prozesse in Erfahrung bringen, umso ehrfürchtiger bestaunen wir diese übergeordnete Intelligenz. Wenn wir nun um uns blicken, erkennen wir diese Intelligenz in allem was was uns umgibt. Alles was wir mit unserem Verstand erfassen können scheint von dieser Intelligenz durchdrungen zu sein und alles scheint gleichzeitig dem Prozess des ewigen Werdens und Vergehens zu unterliegen. In diese von einer übergeodneten Intelligenz geschaffene Welt greift der Mensch willkürlich ein und verändert sie. Er gestaltet sie um und greift offensichtlich auch in die intelligenten Strukturen der Welt ein, in das Gleichgewicht der Natur, die der Weltkörper geschaffen hat um die Schöpfung zu erhalten. Wird damit ein nicht reparabler Schaden angerichtet, oder ist die allem zugrundeliegende Intelligenz in der Lage durch Anpassungsprozesse den Schaden auszugleichen? Diese Frage können wir nur versuchen durch Erfahrungen auf anderen Ebenen zu beantworten. Schauen wir uns die Schäden an, die wir an unserem eigenen Körper anrichten. Eine ganze Zeitlang scheint unsere Körperintelligenz Einflüsse unseres Suchtverhaltens, von Bewegungsmangel und Stress ausgleichen zu können. Es kommt aber der Moment, wo die Abwehrmechanismen der Körperintelligenz zusammenbrechen, wo seelische, geistige und körperliche Defizite ihren Tribut fordern und sich in Krankheitssymptomen äussern. Auch jetzt ist noch eine Reparatur möglich, durch Einsicht und Umkehr. Fahren wir aber fort, die Gesetze des Universums zu misachten, die allem zugrundeliegen, auch unserer menschlichen Existenz, dann werden die Schäden, die wir verursachen zunehmen und am Schluss irreparabel werden. So wird es auch mit unserer Welt sein. Im Vergleich zu den lebenden Organismen ist die Lebenserwartung der Erde eine unvergleichlich viel längere. Entsprechend werden Krankheitsprozesse der Erde auch viel länger dauern und auch die Heilung ist kaum von heute auf morgen zu erwarten, Wenn wir aber fortfahren die Welt nur auszubeuten, das Gleichgewicht der Natur zu zerstören, die Meere industriell leerzufischen, die Luft zu verpesten, das Klima zu verändern, den Boden, unsere Erde, überzubeanspruchen, dann wird sich der Krankheitszustand der Erde verstärken und nur eine Rückbesinnung auf das Gleichgewicht der Natur, eine Umkehr in unserem Verhalten, kann dann noch Gesundung bringen. Wird der Menschheit eine solche Umkehr gelingen? Wird die Einsicht so spät kommen, dass unsere Weltintelligenz den Reparaturprozess nicht mehr durchführen kann? Eins ist gewiss, die Welt wird nicht enden, wenn die Lebensbedingungen ein Leben in der jetzigen Form nicht mehr zulassen. Es werden nur grosse Teile der Pflanzen- und Tierwelt zugrundegehen, auch das menschliche Leben wird es nicht mehr geben. Aber die Welt wird weiter bestehen vielleicht auch nur in der unwirtlichen Form der uns umgebenden Planeten. Enden wird die Welt erst, wenn ihre Lebensdauer abgelaufen ist und sie das Schicksal der verschwindenden Sterne teilt. Auch hier versagt unsere menschliche Phantasie.

Samstag, 25. August 2012

Ich bin meine Krankheit

Irgendwann auf unserem Lebensweg treffen wir auf eine Krankheit. Wir gehen zum Arzt und hoffen , er könne die Krankheit wegschaffen. Wir sagen, ich habe eine Krankheit, genauso wie wir sagen, Ich habe einen Körper. Da scheint nicht eine Person zu sein, sondern zwei, das Ich und der Körper. Auch die Krankheit scheint aus dem Blickwinkel des Ichs etwas zu sein das nicht zu mir gehört, es scheint etwas fremdes Drittes zu sein, das meinen Körper befallen hat und das der Arzt mit Pillen und wenn das nicht reicht, mit dem Skalpell zu entfernen hat. Ist das aber wirklich so einfach, die Krankheit von unserem Ich zu abstrahieren, zu einem fremden Dritten zu machen? Der grosse Irrtum unseres Denkens setzt dort ein, wo das Ich sich vom Körper getrennt sieht. Der Körper könnte nicht eine Sekunde ohne das Ich sein, die Funktionen jeder einzelnen Zelle und des Köpers als Gesamtheit werden vom Ich gesteuert. Nicht vom Ich, das unser Verstand uns als unsere Persönlichkeit vorgaukelt und das bestenfalls als ein falsches Ego zu bezeichnen ist, sondern von dem uns allumfassenden Sein von dem unser Ich ein Teil ist. Unser Körper und unser ich sind eins, weil der Körper nicht einen Moment ohne unser Ich , das in Wirklichkeit ein Synonym für das Leben ist, sein könnte. Alles was unserem Körper widerfährt ist auch auf der Ebene des Ichs zu sehen. Wenn ich und mein Körper eins sind, dann ist auch die Krankheit und Ich eins, oder anders gesagt, Ich bin meine Krankheit. Aber, so wird mir entgegnet, ich will doch nicht mein Krebs sein, oder mein Schlaganfall, oder mein körperliches Gebrechen. Das nicht wollen, oder die mentale Distanzierung von unserer Krankheit findet nur in unserem Verstand statt, so wie wir uns eine Trennung des Ichs von unserem Körper vorstellen und davon sprechen, dass wir einen Körper haben. Schon bevor eine Krankheit oder ein Gebrechen äusserlich sichtbar wird, könnte es auf der Ebene des Seins erkannt und vermieden werden. Wir begreifen das am besten bei anderen , die wir gut kennen. Kein Wunder, sagen wir, dass er den Krebs bekommen hat, so wie der gelebt hat. Also scheint beim anderen durchaus erkenbar wo wirklich die Krankheit ihre Ursaceh hat, nur bei uns selber versagt diese Einsicht. Unser Ego versperrt uns den Blick auf uns selbst, es wäre doch wirklich peinlich, sich zuzugeben , dass wir selbst unsere Krankheit sind und wir auch nicht mit Erfolg einen fremden Dritten beauftragen können, uns von unserer Krankheit zu heilen, wenn wir selber nicht den Heilungsprozess in uns vornehmen wollen. Der Arzt kann nur dann helfen, wenn ich selber, also mein Ich, beschliesst gesund zu werden und die Ursachen beseitigt, die zur Krankheit geführt haben. Beim Raucher, Trinker oder bei anderem Suchtverhalten ist es leicht nachzuvollziehen, wo der Ansatz der Heilung liegt. Schwieriger ist es beim Denker, der den Gehirnschlag erlitten hat, sollte der Weg der Heilung im Nichtdenken liegen, in der Meditation, in der Stille? Kann derjenige noch geheilt werden, der durch Unmässigkeit oder Bewegungsfaulheit die Funktion seiner Gelenke oder Glieder eingebüsst hat? Auch da scheint mir eine Gesundung möglich. Nicht, dass die Glieder wiederhergestellt werden können, obwohl auch das heute teilweise möglich ist, sondern das Ich entschliesst sich wieder in einen heilen Zustand zurückzukehren, das die Krankheit auslösende Verhalten zu unterlassen und sich selbst wieder als gesund zu empfinden. Selbst der Krüppel oder der durch ein unheilbares Leiden gezeichnet Mensch ist gesund, wenn er sich als gesund empfindet und seinen Zustand als lebenswert annimmt, und wenn ihm der Satz möglich ist: „Könnte das Leben schöner sein?“ Dann verliert die Krankheit und das Gebrechen ihren Schrecken und selbst im Konzentrationslager kann die Schönheit des Lebens gesehen werden, wie wir es eindrucksvoll im Film „Das Leben ist schön“ gesehen haben. Krankheit ist in erster Linie ein mentaler Zustand, Gesundheit aber auch.

Dienstag, 21. August 2012

Brauchen wir mehr Leidenschaft ?

Bei einer Trennung eines Paares bemerkte die Frau, es fehle in der Beziehung die Leidenschaft. – Sollte tatsächlich Leidenschaft eine Beziehung ausmachen? Wenn wir uns in das andere Geschlecht verlieben, dann sind die ersten Zeiten von starkem Verliebtsein geprägt. Dies Verliebtsein trägt oft Züge der Leidenschaft. In der Leidenschaft ist Liebe und Hass noch auf einer sehr menschlichen Ebene nebeneinander angesiedelt. Wird das Verliebtsein nicht erhört, dann kommt leicht die andere hässliche Seite der Leidenschaft zum Vorschein, der Hass. Wie das Wort schon sagt, schafft Leidenschaft Leiden. In den romanischen Sprachen ist das Wort Passion sowohl das Leiden als auch die übersteigerte Form der Liebe. Können wir uns wirklich eine Leidenschaft wünschen, die zu Leiden führt? - In einer Biographie über Helmut Schmidt las ich, dass er seine Frau Loki seit frühester Jugend kannte. Verliebt ineinander seien sie nie gewesen. Es wird nicht genauer ausgeführt, was dann die Grundlage einer siebzigjährigen Verbindung war. Ich denke, es war das Urvertrauen in den anderen Menschen, den man seit frühester Jugend kannte, mit allen seinen Facetten, und dieses tiefe Vertrauen ist sicher eine der schönsten Formen der Liebe, die man dem Anderen schenken kann. Liebe ist ein ständiges Geben von innersten Gefühlen und das Zurückerhalten von gleichgelagerter Zuneigung des Anderen. Leidenschaft ist Verlangen, Besitzen wollen, Herrschaft ausüben, ist ein Nehmen und nicht ein Geben. In allen von uns sind versteckte erotische Träume vorhanden, Leidenschaften ahnen wir in uns und leben sie meistens nicht aus, Sado-Maso Bücher erleben immer wieder in Wellen neues Interesse und scheinen auf diese Träume einzugehen. Können wir aber auch unser Leben in diesen Leidenschaften gestalten? Tauchen wir hinein in diese Welt unserer Träume so mag das eine Zeitlang ganz interessant und faszinierend sein. Unweigerlich aber werden wir an den Punkt kommen, wo die dunkle Seite der Leidenschaft aufscheint. Jegliche Form von Sucht erfüllt die Kriterien der Leidenschaft, Sexsucht, Trinken, Rauchen, Drogen – auf eine kurze Phase der Befriedigung erfolgt die Ernüchterung und dann der Absturz in das Leiden. Kann man Lust nur erfahren, wenn man auch bereit ist das Leiden, das Lust folgt hinzunehmen? Sollen wir es mit den Stoikern halten, und die Leidenschaften aus unserem Leben verbannen? Es gibt hierzu keine Regeln und keine wünschenswerten Ziele. Fast alle von uns werden in ihrem Leben Leidenschaft erfahren haben. Und das war auch gut so, einschliesslich der Erfahrung des Leidens, das der Leidenschaft folgt. Es gehört zum reichen Schatz unserer Lebenserfahrung auch Leidenschaft erfahren zu haben. Leidenschaft ist die Vorstufe zur Liebe, in der Leidenschaft erkennen wir noch die Polarität der Gefühle, Liebe aber ist die Aufhebung der Polarität und das Einswerden mit dem Anderen und mit Allem. Wer aber ist schon der Weise der den Zustand der Liebe erreicht? Bevor wir in Gleichgültigkeit nebeneinander herleben, dann doch lieber in der Polarität die Gegensätzlichkeit des Lebens erleben und versuchen nicht in den Abgründen der Leidenschaft unterzugehen. Wer seinen Leidenschaften lebt, bindet viel Lebensenergie. Es gibt auch einen anderen Weg unser Leben interessant und erfüllt zu machen. Die Griechen nannten dies Enthusiasmus. Ursprünglich war dies die Freude und Begeisterung die das göttliche in uns auslöst. Heute verstehen wir darunter die Freude und Begeisterung an Themen und Handlungen die uns in unserem Leben begleiten. Wenn wir unser Handeln durch Enthusiasmus bestimmen lassen, binden wir nicht unsere Energien an die Bewältigung der Polarität, sondern erhöhen unsere Bereitschaft und unsere Freude an unserem Handeln, wir verstärken unsere Lebensenergie und erreichen unsere Ziele mit mehr Leichtigkeit. Vielleicht sollten wir weniger unsere Leidenschaften pflegen und mehr dem Enthusiasmus huldigen.

Mittwoch, 25. Juli 2012

Kann ich noch einer Kirche angehören?

Letzten Sonntag hatten wir mit der ganzen Familie einen Gottesdienst. Die Lesung war von der wundersamen Brotvermehrung, von der Speisung der 5000 Menschen. Wenn wir solche Begebenheiten hören fragen wir uns unwillkürlich: Kann das sein, das Brot hört nicht auf, von so wenig Brot werden so viele ernährt? Ist das nicht ein frommes Ammenmärchen? Tatsächlich müssen wir bei Christus näher hinschauen, um zu begreifen, was geschieht. Mit Christus betreten wir die Ebene unseres spirituelles Lebens. Wenn von Brot die Rede ist sprechen wir von geistiger Nahrung. Brot ist das Symbol für die Speisung des Körpers, bei Christus ist Brot die Speisung der Seele . Und ist es nicht einleuchtend, wenn 5000 Menschen von den wenigen Wahrheiten die Christus an diesem Tag verkündet hat, satt geworden sind. Es ist etwas wunderbares, auf Menschen zu stossen, die uns mit dem was sie sagen satt machen. Ein Familienmitglied ging mit uns, obwohl er aus der Kirche ausgetreten war. Er hat es uns zuliebe getan. Das was der Pfarrer sagte, war ihm zuwider. Möglicherweise ist das, was die Kirche represäntiert für einen naturwissenschaftlich geprägten Menschen nicht akzeptabel. Der grosse Irrtum der rationalistisch denkenden Menschen liegt in der Begrenzung ihres Denkens. Sie können nur soweit sehen, wie sie denken können. Der uns mitgegeben Geist ist zwar eine wunderbare Gabe, und hilft uns auch unsere physische Existenz zu bestehen. Aber hinter dem Geist steht das Sein, das den Geist geschaffen hat. Dieses Sein wird von den Meisten nicht wahrgenommen. Wir leben nach dem Motto, was ich nicht denken kann, ist nicht. Wir leben in der Trennung von Geist und Seele. Wir sagen, ich habe ein Leben. Hier bin Ich, dort ist mein Leben. Sind das zwei verschiedene Bereiche. Ist es nicht vielmehr so, dass Ich und mein Leben eins sind? Ich bin mein Leben, es besteht keine Trennung zwischen mir und meinem Leben. Nur die Welt unserer Gedanken trennt unser Leben von unserem Selbst. Wir sagen, ich habe einen Körper. Wer hat einen Körper, mein Ich? Sind nicht vielmehr mein Korper und ich eins? Wir suchen nach einem Weg zu unserem Sein. Da gibt es keinen Weg. Wir sind bereits im Sein, meistens ohne es zu wissen. Wir glauben an eine Macht die alles geschaffen hat. Da ist keine andere Macht, die getrennt von uns ist, sondern es ist wieder dieses Sein, das in uns und in allem ist, Gebet ist nicht an einen Dritten gerichtet, sondern es ist das Gespräch mit unserer Seele, mit dem uns innewohnenden Sein. Gehen wir diesen Gedanken weiter, heben wir die Trennung zwischen unserem Selbst und dem auf, was um uns ist. Wie wäre es, wenn ich sagen würde, ich und die Kirche sind eins. Ich bin die Kirche, ich lebe in der geistigen Gemeinschaft, die sich Christen nennen. Da bin nicht ich, und da die anderen, ich bin auch die anderen. Und da ist nicht der sonderbare Heilige, der sich Christus nennt und hier bin ich, nein, Christus und ich sind eins, die Wahrheiten seiner Lehren und ich sind eins. Nicht die Organisationsform Kirche, die von Menschen gemacht wurde und ich sind eins, sondern dass was hinter der Kirche aufscheint, das geistige Sein der Kirche, Wahrheiten die in der Lehre Christi erscheinen und ich sind eins, so wie ich aus den Gesetzen des Alls geflossen bin und ein Teil dieses Alles bin, so bin ich auch ein Teil der eigentlichen tiefen Lehre die uns von Christus vermittelt wurde. Da werde auch ich noch nach einigen tausend Jahren gespeist von der geistigen Nahrung die uns ein Weiser hinterlassen hat. Ich kann verstehen, dass sich viele von Dogmen und kirchlichen Organisationsstrukturen abgestossen fühlen. Aber was hinter diesen menschlichen Strukturen, die unserem fehlgeleiteten Denken entspringen aufleuchtet, das sind die eigentlichen Wahrheiten, das eigentliche Sein das in allem ist , und das mich zu einem Unterstützer dieser alten ehrwürdigen menschlichen Strukturen macht, die wir Kirche nennen. Vielleicht wäre es besser wir würden diese Verbindung zur Wahrheit und zu unserem eigentlichen Sein Religion nennen, denn das ist es, was dieses Wort aussagt, Rückverbindung zu meinem eigentlichen Sein. Vielleicht können die meisten von uns noch mit dem Gedanken leben, Ich und mein Leben sind eins, oder ich und mein Körper sind eins. Da ist nicht mein Ich das einen Körper hat, sondern aus meinem Ich ist mein Körper entstanden, ich bin identisch mit meinem Körper, in jeder Zelle meines Körpers ist mein Sein, ohne diese übergeordneten Intelligenz, die ich mein Sein nenne, wäre nicht eine Zelle meines Körpers auch nur einen Augenblick lebensfähig. Jetzt gehe ich noch weiter, ich schaue auf meinen Partner, könnte es nicht sein, dass ich auch eins mit meinem Partner bin? Dass es nur ein Gedankenkonstrukt ist, es bestünde eine Trennung zwischen mir und meinem Partner? Da sind sicher zwei verschiedene Körper, und da sind auch trennende Dinge, aber jetzt gehe ich tiefer, auf die Ebene des Seins, sind da nicht mein Partner und ich Eins? Trennend können meine Gedanken sein, Gedanken die auch der Ebene der Formen angehören, aber auf der Ebene der Seele sind der andere und ich Eins, das was mich beim anderen stört, das ist in mir vorhanden und ich muss mich im Widerhall des anderen in mir selbst betrachten, was ist es das mich in mir stört? Ich weiss, dass es ein grosser Anspruch ist, mich in der Einheit mit allem zu sehen, denn in der letzten Konsequenz sehe ich mich dann auch in der Einheit mit Gott und als Schöpfer und Verursacher meines Lebens. Aber beginnen wir vielleicht mit einer einfachen Übung, verbinden wir uns mit den geistigen Wurzeln unserer westlichen Kultur, mit den Wahrheiten unserer Religion, was Wahrheiten sind spürt jeder von uns in dem Moment, in dem er auf eine Wahrheit stösst, nehmen wir auch von dem Brot mit, dass in der Speisung der 5000 verteilt wurde. Versuchen wir etwas mehr von den Wahrheiten zu verstehen, die in uns sind. Dann sind wir plötzlich weniger Individuum hinausgestossen in die Härte der Welt, sondern wieder Teil des unendlichen Seins, das uns mit allem verbindet. Dann können wir uns auch im Einklang mit Institutionen befinden, die unser menschlicher Geist geschaffen hat, weil wir die tieferen Wahrheiten sehen lernen die hinter den Strukturen aufleuchten.