Die grossen Zen Meister haben schon darauf hingewiesen, dass
die rituelle Kleidung, Klangkörper, Räucherstäbchen vom Wesentlichen ablenken.
Bei allen Religionen können wir beobachten, wie die Rituale gepflegt werden,
das Äussere wird wichtiger als das Innere, Rituale werden zum entscheidenden
Kriterium. Religionen die Macht ausüben oder vom Staat als Machtinstrument
verwendet werden, pervertieren den tiefen Gehalt der allen Weisheitslehren
zugrundeliegt. Religionen sollten
Wegweiser sein zum eigentlichen Kern und Sinn des Lebens, und nicht zum
Selbstzweck erstarren. Ein Zen Meister
hat einmal gesagt, der Finger der zum Mond weist ist nicht der Mond. Ist nicht
inzwischen der Finger zum Mond geworden?
Freitag, 17. März 2017
Dienstag, 7. März 2017
Sucht
Geht man einmal hinter dieses Wort Sucht und vergisst die medizinischen Definitionen, dann hat Sucht
etwas mit Suchen zu tun. Der Süchtige hat etwas verloren und dieser Verlust schmerzt ihn. Er sucht nach Wegen um seinen Schmerz zu
überwinden. Als Droge kommen viele Bereiche des Lebens in sein Ziel: Arbeit, Essen, Alkohol, Rauchen, Sex, harte
Drogen. Jedes Mal wenn er zu seiner
Droge greift scheint er für kurze Zeit seinen Schmerz zu vergessen, um dann
umso tiefer in seinen Schmerz zurückzufallen. Was hat der Süchtige verloren? Den Zugang zu seinem Leben, zu der Essenz,
die ihn ausmacht, zur Einheit mit seinem
eigentlichen Sein. Er sucht den Zugang zurückzufinden, aber solange er nach
aussen blickt und nach äusserer Bestätigung oder körperlichen Freuden sucht,
ist ihm der Zugang zu sich selbst versperrt.
Der Verlust der Mitte, den
die Seele wahrnimmt, schmerzt so stark, dass
er die unterschiedlichsten Wege nimmt, um dem Schmerz zu entrinnen. Alle Wege,
die nach aussen gerichtet sind und zu den
Drogen des Lebens führen haben keine Aussicht auf Erfolg. Erst wenn er
innehält und den Weg zurück zu seiner Mitte findet, tritt er in den Raum ein,
indem er Frieden findet und sein
eigentliches Leben entdeckt. Wie findet er den Weg zurück? Wenn der Schmerz am Grössten ist, dann ist
auch die Erlösung vom Schmerz am Nächsten.
Freitag, 3. März 2017
Tanz der Moleküle
Die Meisten von uns sind sich bewusst, dass der Blick in den
Spiegel eine Illussion von uns selbst zeigt. Wir sehen einen festen Körper, wissen
aber das wir eine energetische Form sind,
die nur durch die Begrenzheit unseres
sinnlichen Wahrnehmungsvermögens als
fester Körper erscheint. Wir sind uns
bewusst, dass Energie Materie formt und unsere Sinne die Atome und Moleküle,
die ihr Eigenleben in uns führen, als
festen Körper wahrnehmen. Wir nehmen nicht zur Kenntnis, was die Physiker
längst wissen, dass wir im Wesentlichen aus leerem Raum bestehen, in dem unsere Energiekörper sich bewegen nach
Gesetzen, die wir messen können, aber deren Ursachen wir nicht kennen. Ich bin überzeugt, dass wir eines Tages das
Meiste über Energie wissen werden, weil unser Verstand aus der gleichen Materie
besteht, die wir Energie nennen, und
darauf ausgelegt ist, sich selbst zu begreifen. Werden wir aber auch die
ordnende Intelligenz begreifen, die den Tanz der Moleküle bestimmt? Wir langen da an die Grenzen des Verstandes.
Voller Bewunderung sehen wir den Tanz der Moleküle in uns, oder den Tanz
der Sterne im Universum nach Regeln, die wir berechnen können, aber deren
Herkunft sich uns entzieht. Wir fragen uns woher die Energie kommt, welche übergeordneten Intelligenz Materie
schafft , welches die Kraft ist, die
alles ordnet und aus der alles kommt und in die alles geht. Der Schlüssel zu
diesen Fragen liegt in uns selbst. Nicht
in unserem Verstand, sondern in dem, was wir unseren Geist nennen. Um zu
unserem Geist zu kommen, müssen wir unseren Verstand überwinden, indem wir ihn zur Ruhe bringen. Nicht denken,
tief in unseren inneren Körper gehen, die ungeheure Weite und Leere in
uns wahr nehmen in der der Tanz der Moleküle stattfindet. Es ist dieser Raum,
diese Leere, die unser eigentlicher innerer Körper ist, aus der die Energie fliesst,
die unseren wahrnehmbaren Körper geschaffen hat, es ist der Raum, aus dem die
Kraft fliesst, die wir die Lebensenergie nennen, die ordnende Kraft die uns
ausmacht. Werden wir eines Tages mehr über diese Kraft wissen?
Samstag, 18. Februar 2017
Dualität
Erstaunlich, dass wir uns Christen nennen und von der Lehre
kaum etwas beherzigen. Im Judentum wurde noch von der Dualität zwischen Mensch
und Gott ausgegangen. Hier der Mensch und dort Gott, der strafende und der
gerechte. Christus lehrt, das Schöpfer
und das Geschaffene eins sind, Mensch und Gott sind eins. Was macht der Mensch aus dieser Lehre? Kaum gibt es den Menschen Christus nicht
mehr, wird er selbst in die Position
Gottes erhoben, wir halten es nicht
aus, in der Einheit mit Gott zu sein, es
muss für uns diesen Graben zwischen Gott und Mensch geben. Dabei sind wir Teil
der Schöpfung und die gesamte Schöpfung spiegelt sich in uns wieder und wir
sind Teil des Schöpfers und der Schöpfer spiegelt sich in uns wieder. Es gibt
nicht eine Welt und einen Gott, sondern die Welt und Gott sind eins. Wir
sind wieder in die alten Vorstellungen
des Judentums zurückgefallen, wenn wir Gott als etwas anderes sehen, als seine
Schöpfung. Erst wenn wir begreifen, dass
Dualität Illusion ist und alles Geschaffene auch den Schöpfer enthält, können
wir wahre Christen sein. Wie der
Mystiker Angelus Silesius schon gesehen hat: Jeder von uns ist Christus,
Geschaffener und Schöpfer zugleich. Buddha heisst der Erleuchtete,
erleuchtet sind wir, wenn wir den Weg in die Einheit gefunden haben, Einheit
von Schöpfer und Geschaffenem. Nur das Geschaffene geht den Weg des
Vergänglichen, der Schöpfer in uns ist
ewig, immer da, und in einem ewigen Schaffensprozess befindlich.
Mittwoch, 15. Februar 2017
Angst und Schmerz
Dienstag, 14. Februar 2017
Lanserhof
Ich beobachte die Menschen um mich. Viele sind gezeichnet
von den Drogen unserer Zeit. Essen, Trinken, Sitzen, Stress. Gezeichnet von der
fehlenden Achtsamkeit auf das was wir tun. Schon der Entschluss sich in etwas
hineinzubegeben, das völlig anders ist als das was ich bisher tue ist der Weg
in ein neues Bewusstsein. Ich kaue mein trockenes Stück Brot, das ist der Beginn
in eine neue Welt. Ich werde mir meiner Kaubewegungen bewusst, des Geschmacks
eines natürlich gebackenen Brotes, des wunderbaren Geschmacks von Brot –
Kindheitserinnerungen werden wach, als ein Stück Brot die einzige Nahrung war
und wir das Kauen solange wie möglich hinzogen. Die Achtsamkeit, die ich neu
lerne zieht sich durch alles hindurch was ich hier mache. Ich lerne meinen
Körper neu kennen, werde mir seiner Bedürfnisse bewusst. Essen und trinken
gewinnen eine neue Qualität, einfache naturbelassene Nahrung, Wasser aus den
Quellen der Berge, Wasser als Quelle des Lebens. Äussere und innere Anwendungen
auf den Körper, diesem Wunderwerk, das mir anvertraut ist. Mein Körper erhält
das was es wirklich braucht, nicht nur ärztliche und körperliche Zuwendung,
sondern meine Aufmerksamkeit. Wenn nicht der Hunger mich so schwächt, das ich
mich nur in mein Zimmer zurückziehen kann, dann habe ich von morgens bis abends
Gelegenheit mich zu bewegen, vom morgendlichen Spaziergang, über Yoga, Pilates,
Quigong, bis zu Gymnastik und Schwimmen im grosszügigen Aussenbad, aus dem der
Nebel steigt und ich bei Frost in 32° Salzwasser schwimme, um mich die Berge
und der Schnee. Erlebnisse, die der Seele guttun. Endlich einmal kein Handy erlaubt, keine
lauten Stimmen, die mich am Leben der anderen teilnehmen lassen. Angebote von
Yoga und Meditation geben mir die Möglichkeit meinen Denker abzuschalten,
Achtsamkeit zu lernen, no mind. Zehn
Tage gehen zu Ende, ich habe mich wieder auf das Wesentliche beschränkt. Auf
mich Selbst. Ein wunderbarer Platz, wenn
es ihn nicht gäbe, würde ich ihn erfinden.
Christian von Stechow
Samstag, 4. Februar 2017
Seinsvergessenheit
Gestern unterhielt ich mich über die „Seinvergessenheit“ bei Heidegger. Das
berechnende oder wissenschaftliche Denken hat von allen Lebensbereichen Besitz
ergriffen. Der Planet, die Natur und der Mensch werden vom wissenschaftlichen
Denken beherrscht. Die Gefahren, die auch von H. gesehen wurden, sind
offensichtlich geworden. Der Planet, die Natur und selbst der Mensch werden von
den wissenschaftlichen Techniken langsam zerstört, der „berechnende Verstand“ zerstört sich am
Ende selbst. Heidegger spricht in diesem
Zusammenhang von der „Seinsvergessenheit“, er meint damit, dass sich der
Verstand auf sein anderes Sein besinnen soll. Der „berechnende Verstand“ muss durch den „sich besinnenden Verstand“ begleitet werden,
wenn der Planet und die Menschheit im Sinne der Schöpfung diesen Planeten
weiter bewohnen wollen. Sich besinnen auf was?
Auf das Sein hinter den Dingen,
nicht der Denker ist massgebend, sondern das was den Denker denken macht
(Upanischaden). Wir scheinen diese
Dimension hinter unserem „berechnenden Denken“ vergessen zu haben, das ist das was H. die „Seinsvergessenheit“ nennt. Wenn der wissenschaftliche Denker dies als
Mystik abtut, dann vergisst er, dass auch die Wissenschaft inzwischen an den
Grenzen des Denkens angelangt ist und unsere menschliche
Wahrnehmungsmöglichkeiten weitgehend auf Illusion beruhen. Wenn ich im Sinne
von H. meinen besinnenden Verstand einsetze, erschliesse ich mir die Räume, die
der berechnende Verstand nicht mehr wahrnehmen kann. Jenseits der Illusion
unseres Denkens beginnt die Realität unseres Seins.
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