Seit einigen Tagen beschäftigt mich die Relativität in
Beziehungen. In unserer Welt der Relativität ist nichts vorstellbar ohne die Existenz einer komplementären
Erscheinung. Bei den meisten
Erscheinungen auf der materiellen Ebene ist uns dies vertraut, das Gute und das Böse, warm und kalt, weit und nah. In den meisten
Fällen existiert das eine nicht ohne das Andere. Gilt diese gleiche Relativität auch für Mann
und Frau? Sicher ist, wir wären nicht, wenn es nicht Mann
und Frau gäbe. Aber wie ist es bei Paarbeziehungen, sind diese komplementär, kann der eine nicht ohne den anderen sein? Sprechen
nicht die vielen Singles oder die gescheiterten Beziehungen eine andere
Sprache? Brauchen wir den anderen
Menschen, um uns selbst sehen zu lernen?
Wenn wir als vernunftbegabte Geschöpfe uns der höheren Intelligenz
zuwenden deren Bestandteil wir sind, kommen wir an die Grenzen unseres Denkens.
Warum der Schöpfungsprozess für den Kosmos und diese Welt? Aus der Einheit, entstand die Vielheit,
warum kann die Einheit sich nicht selbst verstehen, wenn sie nicht das Gegenüber
schafft, warum braucht sie die Dualität,
um sich selbst zu begreifen? Das „Alles in Einem“ teilt sich auf in die Vielheit, um sich zu
erfahren, das ist das was wir den
göttlichen Schöpfungsprozess nennen, das Göttliche erfährt sich durch seine
eigene Schöpfung. Das Geschaffene wieder
kann sich nur erfahren durch das Gegenteil dessen, was es selber ist. Der Mensch durch den anderen Menschen, der
Mann durch die Frau, das Gute durch das Böse.
Könnte es das Gute geben ohne das Böse?
Das Gute wüsste nicht, dass es gut wäre.
Das Grundprinzip unseres Seins
scheint zu sein, dass das Richtige falsch ist und das Falsche richtig. Das was getrennt erscheint, gehört zusammen,
das was oben ist, ist auch unten
und nur wenn wir begreifen, dass alles
zusammengehört und alles zut Einheit führt,
fügt sich alles an seinen Platz. Um zurück zu den Paarbeziehungen zu
gehen: Wir sind getrennt und doch
zusammen, ohne den anderen würden wir
uns nicht begreifen, Selbst der Single
wird irgendwo zum Duo, wie wüsste er sonst, dass er Single
ist?
Freitag, 18. März 2016
Mittwoch, 20. Januar 2016
Vertrauen haben
In unseren persönlichen Beziehungen, zu unseren Kindern, zu
unseren Partnern, aber auch zu Freunden und Mitarbeitern ist Vertrauen eine der
wichtigsten Voraussetzungen für das miteinander umgehen. Alles beginnt mit dem Urvertrauen in
mich selbst, in mein Leben, in die Güte des Lebens, in mein Schicksal. Dieses Urvertrauen wurzelt tief in uns und
ist aus der Liebe geboren, aus der Liebe unserer Eltern zu uns aber auch aus
unserer eigenen Liebe zu uns selbst. Wir können nicht durch unser Leben gehen,
ohne Vertrauen zu haben.
Wo Vertrauen ist, kommt es auch immer wieder zu Verletzungen
des Vertrauens. Schon bei unseren Kindern dürfen wir solche Verletzungen nicht
hinnehmen, die Kinder wissen schon früh
um das Vertrauen und wissen dass die
Verletzung ein Tabu ist, dass zu Sanktionen führt. Verzeihung ja, aber erst die
Sanktion stellt das gestörte Gleichgewicht wieder her.
Schwieriger wird es unter den erwachsenen Menschen. Im beruflichen Leben habe ich immer wieder
erlebt, dass Menschen mein Vertrauen verletzt und mein
Vertrauen als Dummheit betrachtet haben. Vielleicht gilt in diesen Beziehungen
der alte Satz: Vertrauen ist gut,
Kontrolle ist besser. Trotzdem habe ich
mir immer meine beruflichen Partner am
Anfang unserer Geschäftsbeziehung gut angesehen und für mich galt immer, wenn
ich nicht dem Wort meines Partners glauben kann, dann hilft mir auch kein
Vertrag. Verletzungen dieses beruflichen
Vertrauens sind nicht reparabel und führen zur Beendigung der
beruflichen Beziehung. Bei
Freunden werden wir sicher eher geneigt sein, die Verletzung des Vertrauens zu
verzeihen und erst mehrmalige Verletzungen werden zu einem Bruch der
Freundschaft führen.
Schwieriger ist es auf persönlicher Ebene, in der Beziehung zu unserem Partner, in der
Beziehung zu unseren Kindern. Wo wir
selber dazu beigetragen haben Vertrauen aufzubauen, bei der Erziehung unserer Kinder, werden wir das zurückbekommen, was wir
eingebracht haben. Gestörte Vertrauensverhältnisse zwischen Eltern und Kindern
liegen oft darin begründet, dass die Eltern das Vertrauen der Kinder zu oft
enttäuscht haben. Auch werden diese enttäuschten Kinder später Schwierigkeiten
haben, ihren Partnern und Kinder Vertrauen entgegen zu bringen. Es scheint beim Vertrauen so zu sein, dass es als
Bestandteil der Liebe uns angeboren ist aber auch durch die Erziehung geformt
wird. Das Wort vertrauensselig ist im Sprachgebrauch negativ besetzt. Im Grunde sagt es aber, dass
der Mensch im Vertrauen sich in einem seligem Zustand befindet, also im Einklang mit seiner
Seele ist. Eine häufige Verletzung des
Urvertrauens beim kleinen Menschen stört empfindlich dieses Gleichgewicht der
Seele.
In unserem Leben werden
wir immer wieder auf Menschen stossen, die
nicht dieses Urvertrauen mit auf ihren Weg bekommen haben. Diese
Menschen verletzen immer wieder die Vertrauenssphäre, sie empfinden, dass ihnen etwas wichtiges im
Leben fehlt und versuchen dies durch Verletzungen der Sphäre ihrer Beziehungspersonen zu erlangen. Bei den ohnehin schwierigen persönlichen Beziehungen
kommt es dann zu empfindlichen Störungen. Diese Verletzungen werden dann mit
zahlreichen Erklärungen gerechtfertigt, aber dahinter verbirgt sich, meine Eltern haben mich enttäuscht, sie haben
mir das Wichtigste im Leben
vorenthalten, Liebe und
Vertrauen. Du Partner musst mich dafür entschädigen. Eine
normale Beziehung wird hierdurch erheblich
leiden und natürlich kann der Partner die Verletzung nicht einfach
hinnehmen und muss sich zur Wehr setzen, denn nicht er war es, der die Ursachen gesetzt hat.
Kann dieses fehlende Vertrauen in einem Menschen wiederhergestellt
werden? Ich denke ja. Der verletzte
Mensch wird sich instinktiv einen Menschen als Bezugsperson suchen, der im Vertrauen zu sich und der Welt
ruht. Er wird wie ein Kind immer wieder
versuchen die Grenzen des Vertrauens zu
testen, gibt es das wirklich eine Welt
des Vertrauens, was passiert, wenn ich diese Welt verletze, wird mir
verziehen? Er nimmt die sich aus
Verletzungen ergebene Sanktionen in Kauf,
wichtig für ihn ist, wird mir trotzdem noch Vertrauen
geschenkt? Es ist der Ruf des verletzten
Menschen in die Welt des Vertrauens aufgenommen zu werden. Wer diesen Wunsch
hat der wird auch erreichen, dass wieder Urvertrauen hergestellt wird, Urvertrauen, dass eine der wichtigsten
Grundlagen unseres Lebens ist.
Mittwoch, 23. Dezember 2015
Stille Nacht, Heilige Nacht
Wieder einmal neigt sich der Jahreszyklus seinem Ende
zu. Die Tage sind kürzer geworden, die
Dunkelheit und die Kälte umfangen
uns. Und ausgerechnet in dieser Zeit feiern wir unser wichtigstes Jahresfest, - Weihnachten. Die
Tage vor Weihnachten gehören zu den unruhigsten Tagen in unserem Jahr, alles
bereitet sich vor, jeder möchte dem anderen eine Freude machen und dann endlich
ist die Arbeit getan, und der Moment ist da, wo wir Stille in unser
Leben eintreten lassen. Wir ziehen uns
unser festliches Gewand an, wir betreten die Kirchen, und
zusammen mit den anderen Menschen , feiern wir die Geburt eines Kindes. Die
Lichter erlöschen im Kirchenraum, die
Dunkelheit wird nur noch vom Kerzenschimmer erhellt und dann singen wir mit
allen Menschen um uns und mit der gesamten Menschheit „Stille Nacht, heilige Nacht“. Wer erlebt nicht bei diesem Lied heilige
Schauer, wer erinnert sich nicht an seine Kindheit, an die wunderbaren Nächte
mit den Eltern unter dem Weihnachtsbaum.
Auch der nichtgläubige Mensch wird Heiligabend vom Zauber dieser Nacht erfasst. Ein
Jahreszyklus ist zu Ende, das Leben erneuert sich, das Licht der Welt wird mitten in der kältesten und dunkelsten Nacht aufs neue geboren, was scheinbar stirbt, die Natur, das Licht,
das Leben, erneuert sich und erstrahlt
in neuem Glanz, und für uns Menschen wird das Kind geboren, das Licht der Welt.
Wir fassen die Hände
der Menschen um uns und verbinden uns mit allen Menschen, die mit uns an diesem
Tag die Heilige Nacht feiern. Wir lassen die Stille in uns hinein, wir
vergessen die Hektik unserer Tage, und in der Stille erleben wir die Heiligkeit dieses
Momentes. Wir erleben das innere
Licht, das Licht dieser Nacht, und in diesem Licht
treten wir in die Stille ein, lassen
Stille in uns sein und in der Stille erfahren
wir das Göttliche in uns Die Stille
Nacht ist für jeden von uns unsere eigene
heilige Nacht, es ist die Tür in
unseren heiligsten Ort, es ist die
direkte Erfahrung des Göttlichen in uns.
Ich wünsche uns allen eine Stille Weih Nacht, eine heilige
Weih Nacht, ich wünsche uns, dass der
Glanz in den Augen unserer Kinder sich in unseren Augen widerspiegelt, das Licht der Kerzen bis in die tiefsten
Stellen unserer Seele vordringt, uns
erwärmt und uns erinnert: -
Erinnerung an dieses Licht in uns, Erinnerung
an unser Kind sein, Erinnerung an die Unsterblichkeit des Lebens , Erinnerung an das Licht aus dem wir
kommen, Erinnerung an den
ewigen Kreislauf des Seins.
Lasst uns eintreten in die Stille dieser Nacht, ich fasse Eure Hände und wünsche Euch den
Frieden der Heiligen Nacht, den Frieden Gottes für unsere Herzen und
Sinne, und für den Weg von der Dunkelheit in das Licht
und in das Neue Jahr. Eine Frohe Weihnacht Euch allen.
Sonntag, 30. August 2015
Von der Kraft des Segnens
Der August, ein
Monat voller Wärme, Fülle in der Natur, welch wunderbarer Moment, sich mit dem Reichtum
des Himmels zu verbinden. Vor der Welt habt Ihr Euch schon vor diesem Tag verbunden, vor dem Himmel habt Ihr Euch in
Eurem Herzen verbunden schon seit Eurer frühen Jugend und der Himmel hat Eure
Verbindung gesegnet. Und heute feiern wir hier, über dem Meer unter dem
Himmel, in der wunderbare Wärme des späten
Sommers und Ihr wollt Eure Ehe auch noch unter den Segen Eurer Religion stellen. Ein wichtiger
Schritt, wenn wir unser Leben nicht nur der Macht der Liebe, sondern auch
der Tiefe unseres Seins anvertrauen.
Wir geben der Welt und uns selbst
zu verstehen, dass wir nicht nur die Regeln der Menschen unser Leben bestimmen
lassen, dass es darüber hinaus noch
Gesetze des Himmels gibt, in denen wir
leben und denen wir vertrauen. Vor dem
Angesicht des Himmels geben wir uns das Versprechen, der ewigen Treue, bis uns der Tod scheidet. Und der Himmel hört diese Versprechen und er
segnet uns, er segnet uns durch die
Liebe, die ein Geschenk des Himmels ist
und uns mit dem Göttlichen verbindet. Wir erfahren die Liebe zwischen zwei
Menschen und dann die Liebe zu unseren Kindern, das sind Gefühle, die nicht
mehr mit unserem Verstand zu deuten sind, das sind Gefühle, die aus der Tiefe
unseres Seins aufsteigen. Es ist die
Liebe, die erkennt, dass der andere in mir ist,
dass der Andere mein Ich ist,
dass die Liebe zum Anderen und zu unseren Kindern aus einer Tiefe
kommen, die unser menschliche Verstand nicht mehr erfassen kann, dass
in der Tiefe des Seins unser Leben und unsere Liebe zu einer Einheit
werden, da ist nicht mehr der Andere, da
ist nicht mehr das Kind, da werden das Ich und das Du und das Kind zu
einem Wir, zu einem
Sein, zu einem ICH BIN. Da gibt es auch nicht mehr das Gefühl der
Trennung, da gibt es kein Gefühl des
Alleinseins, da gibt es nur noch All Eins Sein,
Wenn doch die Momente
im Leben kommen, in denen wir uns wieder auf uns selbst zurückgeworfen fühlen,
dann vergesst nicht dass Ihr einmal in das All
Eins Sein aufgenommen, nicht mehr in die
Zweiheit zurückgeworfen werden könnt. Ihr bleibt Eins, auch wenn auf dieser Welt unser Leben andere
Wege gehen kann, was im Himmel
verbunden wird, das kann diese Welt nicht trennen.
Wir bitten um den Segen des Himmels, für unser Leben, für
unsere Familie für unsere Lieben.
Wenn aber der Himmel mitten unter
uns und in uns ist, dann sind wir es selbst,
die diesen Segen in unseren Händen halten, wir segnen unser Leben durch die Liebe in uns, die grösste aller Kräfte, die unser Leben
bestimmt, wir segnen es durch die Aufmerksamkeit und Treue zu unserem
Gefährten, durch die Innigkeit zu unseren Kindern. Nicht Position, Erfolg oder materieller
Reichtum sind für unser Glück entscheidend.
Es ist unsere Verbundenheit mit der Tiefe unseres Seins,
die Verbundenheit zu unserer Mitte,
zu. Und unserem Herzen wenn wir miteinander sprechen und leben, dann tun wir das mit
den Augen der Liebe, aus der Tiefe unserer
Herzen,
mit den Worten der Liebe. Im
Segnen liegt eine gewaltige Kraft, der Segen, den wir
von unseren Eltern empfangen, der
Segen der Kirche, der stellvertretend für die Gesamtheit der Gläubigen steht,
der Segen der Ewigkeit, den wir durch den Himmel erfahren, und der Euch Euren
kleinen Sohn geschenkt hat. Wer ein
gesegnetes Leben führt, der führt ein reiches und ein friedvolles Leben.
Segen ist die Aufmerksamkeit, die wir uns schenken, die Eltern ihren Kindern, der Mann seiner Frau, der Himmel
seiner Erde, und uns allen seinen
Geschöpfen. Wenn wir uns liebevoll
anschauen, dann ist das ein Segen, der
Blick der Mutter zu ihrem Kind, in
diesem Blick ist so viel Zuwendung und so viel Kraft, der Blick
des Liebenden zu seiner Geliebten,
welche Kraft ist in solchen Blicken enthalten, alle guten Wünsche der Menschen in einem Blick, in einem Gedanken, in einer
Geste. Die Worte des Segens, die Friedensworte, die wir auf unseren Weg mitnehmen, den Frieden der höher ist als unsere
Vernunft, der Frieden, der aus unseren
Herzen kommt und uns begleitet.
Freitag, 17. Juli 2015
Dichotomie
Ein Begriff, den wir
in vielen Bereichen anwenden.
Interessant, wenn er in Bezug auf unser tieferes Sein bezogen ist. Wenn das was uns ausmacht, die allumfassende Tiefe und
Stille, Träger unseres Lebens, in allem zu sehen ist, so hat sich doch in
jeder individualisierten Form dieses
Sein anders ausgedrückt. Ich habe dazu
einen interessanten Vergleich gelesen,
die Luft um uns ist immer Luft, aber im Haus anders riechend, in der Küche nach Essen, im Wohnzimmer nach
Rauch und im Garten nach Blumen. Dennoch ist es immer die gleiche Luft.
Mittwoch, 1. Juli 2015
Mystik
Angelus Silesius
dichtet:
„Wird Christus tausendmal in Bethlehem geboren
und nicht in Dir, Du bleibst noch ewiglich verloren.“
Christus wird hier gleichgesetzt mit Erleuchtung, Christus
nicht als Mensch, sondern als das göttliche Prinzip des Seins. Erst durch die Erkenntnis des Seins in uns
selbst wird der Schleier der Illusion
fortgezogen und wir erkennen das, was
Christus ausmacht in uns selbst. Da erscheint Christus nicht mehr als der
fromme Wunderheiler, sondern die Wahrheit leuchtet in uns auf, wir sehen das
Leben in allen Dingen, das eigentlich Göttliche in der Schöpfung.
„Halt an, wo läufst Du hin, der Himmel ist in Dir,
suchst Du Gott anderswo, Du fehlst ihn für und für.“
Auf der Suche nach
Erkenntnis, nach Sinn, besuchen wir
Workshops, Kurse, Kirchen,
Ashrams, - alles
vergebens, wir brauchen nur
innezuhalten und in uns selbst zu schauen, da können wir den Himmel
entdecken. Der Himmel nicht
als die Ebene nach unserem
physischen Ende, den Himmel im Hier und
Jetzt, den Himmel als das eine Leben,
das Sein, das am Anfang war und am Ende und uns nie verlässt.
Freitag, 29. Mai 2015
Weisheit des Alters
Wie alles im Leben, hat das Alter nicht nur Nachteile,
sondern auch seine schönen Seiten. In der Jugend stürmen wir ungestüm in das Leben hinaus. Wir befinden uns in
unserer expansiven Phase, das Leben als großes Abenteuer, die Welt entwickelt sich vor unseren Augen, eine
Vielzahl von Wegen und Möglichkeiten bieten sich an. Je nach Temperament und Veranlagung suchen wir uns unter der Vielzahl von
Möglichkeiten unseren Weg, der eine zurückhaltend und vorsichtig, der andere
mutig und offen für
die verschiedensten Herausforderungen. Ich selber habe mich immer in den
zweiten Typ eingeordnet, es hat mich gereizt
in die Welt hinauszugehen, mich den Herausforderungen anderer Kulturen zu
stellen, soweit das eben in der kurzen Spanne eines menschlichen Lebens möglich
war. Meine Altersklasse waren
Kriegskinder, wir haben noch die kargen
Zeiten des Krieges, und der Nachkriegszeit erlebt und die meisten haben wie ich
ohne irgendeine Rückversicherung angefangen. Ich betrachte das nicht als eine
schwierige Ausgangslage, eher als eine Herausforderung an unser Leben, es in einem schwierigem Umfeld trotzdem zu
schaffen. Als risikogeneigter Typ habe
ich immer den schwierigen Weg gewählt,
nicht den, den meine Eltern sich wünschten, die natürlich immer ihre
Kinder in abgesicherter Position,
möglichst als Beamter sehen wollten. Meine beiden Brüder sind ähnliche Wege
gegangen, jeder in seiner Art, der eine als Diplomat, immer in fernen Ländern
zuhause und dem Weg unseres Vaters folgend, der andere als
Wissenschaftler, ganz den Geheimnissen der Sprache folgend und an der
Entdeckung der tiefen Zusammenhänge unseres Lebens forschend, die sich in der
Sprache äussern. Jeder von uns hat
seinen Weg konsequent verfolgt, und ich
denke, dass im Rückblick, jeder von uns,
das was er geleistet hat selbst als gering einstuft, aber in den Augen der Welt
ein respektables Ergebnis aufweisen kann.
Und nun im Alter, ist das nun alles vorbei oder was hat sich geändert? Ab
der Mitte des Lebens realisiert der Mensch, dass die expansive Phase seines
Lebens vorüber ist. Das was sich vorher
nach Aussen gewendet hat, unsere
Lebensenergie, wendet sich nach innen.
Wenn ich früher in anderen Ländern meine Herausforderungen suchte,
andere Sprachen lernte, schwierige Projekte
zum Erfolg zu bringen suchte,
so wendete sich mein Blick nach
innen, in die Erforschung von mir selbst,
ich folge meinen Gedanken an die Grenzen des menschlichen Denkens, immer auf der Suche nach dem eigenen Selbst,
immer auf der Suche nach dem „Wer bin
ich“. Das was ich aussen geschaffen
habe behält zwar seine Bedeutung, aber
vor mir tut sich im Inneren ein neuer ungeheure Raum auf , das ganze Universum dessen, für das es keine Bezeichnung gibt und in diesen unfassbaren Räumen, die Schöpfung, das Leben selbst, das sich in allem äussert,
das Gegenständliche im Nichtgegenständlichen.
Jede Nacht, wenn die Stunde meiner Meditation naht, entlasse ich meinen
Geist in diese unfassbaren Räume, in die Stille , es ist eine Reise in das Unbekannte,
und jedes Mal habe ich auf dieser Reise andere Erlebnisse,
die mich voller Ehrfurcht das Leben betrachten lassen, die Schöpfung und mich
selbst als Teil dieser Schöpfung. Welch
wunderbare Erfahrung, und ich bin froh, dass ich sie im Alter machen durfte. Plötzlich verstehe ich die alten Lehrer der
Menschheit, verstehe, was sie uns sagen wollten, schaue voller Verwunderung auf
das, was die Menschen daraus gemacht haben.
Ich erfasse immer mehr die Evolution des menschlichen Geistes, das
langsame Erwachen unseres Bewusstseins und so wie ich mich verändere, verändert
sich auch um mich ständig die Welt. Ich
blicke aus verschieden Winkeln auf mich selbst,
da ist das, was sich nach aussen
manifestiert mein Ich , das äussere Ich,
und das ist inzwischen 75 Jahre alt
geworden und da gibt es das innere Ich, und
das empfinde ich als ewig gleich geblieben, jung wie am ersten Tag, das war schon da als ich in die Schule ging
und es ist heute unverändert da, bis zur letzten Stunde meines Lebens, mein
ewiges Ich.
Ich stehe vor einem See, ich sehe, wie sich die Oberfläche
kräuselt, es entstehen Wellen, der See
wird wieder glatt, die Abendsonne spiegelt sich in der Oberfläche, immer neue Stimmungen und Bilder. Und doch ist da in mir das Bewusstsein, die Oberfläche ist nicht der See. Unabhängig
von der Oberfläche, die mich beeindruckt, ist da die Tiefe des Wassers, die
sich nicht beeindrucken lässt, von dem, was sich auf der Oberfläche tut, ohne diese Tiefe würde es gar keine Oberfläche geben.
Und ich blicke auf meine Umwelt, auf unsere Zivilisation, so
voll von Gegenständen, Wissen, Gedanken,
Geschehnissen, alles bewegt sich auf der
Oberfläche, und ist sich nicht bewusst, dass alles nur Oberfläche ist, Oberfläche von einem Raum und einer Tiefe von
unvorstellbarer Grösse und Schönheit.
Der Raum hinter den Dingen dieser Welt, die Stille, aus der die Musik,
unsere Sprache fließt, die Tiefe, die
das Universum trägt, der Raum in dem
sich mein Mikrokosmos bewegt.
Und in tiefer Bewunderung für die Geheimnisse des Lebens
eile ich durch die Zeit, und mit Spannung erwarte ich das, was auf mich
zukommt.
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