Wenn wir auf die verschiedenen Völker und ihre Regierungen blicken, kann uns nur das
Entsetzen packen, mit welcher Unverfrorenheit die Mächtigen ihre, ihnen
vertrauenden Menschen, manipulieren. Es
gibt die alten Formen der Manipulation, wie in allen faschistischen Staaten, wo
mit brutaler staatlicher Unterdrückung die Menschen in der Unterwerfung
gehalten werden, Gefangene der Mächtigen, in staatlichen Gefängnissen. Es gibt die
verfeinerten Methoden, wie in China, wo mit allen Möglichkeiten der digitalen
Überwachung gearbeitet wird, wo erkennbare Gegner der herrschenden Eliten in
staatlichen Gewahrsam genommen werden. Es gibt die noch versteckteren Systeme der westlichen Welt, in denen angeblich Demokratie herrscht und
Gedankenfreiheit. Dort wird durch die Medien und die angeblich freiheitliche, öffentliche
Meinung manipuliert. Demokratie kann man es wohl nicht nennen, wenn den Menschen nur Parteien zur Wahl vorgesetzt
werden, die wiederum von Cliquen beherrscht werden, die ihre eigenen Parteien manipulieren. Einmal an
der Macht, wollen sie sich nur ungern von ihren lukrativen Posten trennen und
erfinden immer neue Ablenkungsmanöver, um ihre gutgläubigen Wähler davon
abzuhalten, sich näher mit ihrer
Regierung zu befassen. Es werden nicht nur Kriege erfunden, - da wüssten noch die Menschen woran sie wären. Heute
werden stattdessen Nebenkriegsschauplätze geschaffen, wie Klimawandel, Gendern,
Seuchen, Immigration, die Enteignung von
Erfolgreichen und darüber wird vergessen, dass auch die herrschende Clique
nichts anderes im Sinn hat, als auf Kosten der Allgemeinheit sich an den
Futterkörben des Staates zu bedienen. Das Einzige worin sich
die subtilere Manipulation der Demokratien von den brutalen Formen der faschistischen
Staaten unterscheidet, ist die
Unsichtbarkeit der Manipulation für den normalen Bürger. – Die gefährlichste
Manipulation aber findet in unseren eigenen Köpfen statt, es ist die Selbstmanipulation.
Die Mehrheit der Menschen befindet sich im Tiefschlaf, was ihre geistigen
Wahrnehmungsmöglichkeit anbelangt. Es waren gerade die jungen, naiven Menschen
und die Intellektuellen, die begeistert die roten Bibeln schwangen und den
Kommunismus verehrten, unter dessen Fahnen das Paradies auf Erden entstehen sollte, aber mehr
als hundert Millionen von Menschen ermordet wurden. Heute sind es die gleichen
Manipulatoren, im Westen wie im Osten, die gerade die Jugend und die angeblich
aufgeklärten Linken verführen. Die halbe Welt scheint am liebsten im Wahn zu
leben, Jugendliche kleben sich an
Strassen fest, reden vom Weltuntergang, lauschen verzückt den Geschichten von
Kindern, und merken nicht, dass sie von
den eigentlich Mächtigen wieder einmal manipuliert werden. Die unkritische
Selbstmanipulation führt den Menschen wieder in die Irre. Es herrschen Irrsinn
und Wahnsinn, wie zu allen Zeiten. Der Mensch irrt buchstäblich im Wahn durch die Welt,
schliesst sich der Weltrettung an, und
glaubt wieder einmal an die irren Gedanken von grünen Bibeln, die diesmal nicht
das Paradies, sondern den Untergang der Welt voraussagen. - Die Welt wird sich
nicht durch die verrückten Ideen der Spezies
Mensch ändern, sie zieht ungerührt ihre Bahn durch den Kosmos. Auch die Spezies
Mensch scheint sich nicht zu ändern. Ein Wahnsinn wird durch den nächsten
abgelöst. Der Mensch lebt ohne zu denken,
ist nur manipulierter Zombie, der nicht begreift, was er tut. Der Mensch geht
blind durch eine fiktive Welt, die es nur in seinem Kopf gibt und verpasst dabei
sein eigenes Leben. Denkende Menschen, die sich nicht manipulieren lassen, sind
zu allen Zeiten seltene Exemplare gewesen. Die Masse Mensch geht wie eh und je
ihren Beschäftigungen nach, glaubt das, was die Medien berichten, denkt nicht einen Moment darüber nach, ob das
was sie hört und sieht auch so ist, wie es scheint. So braucht es keiner
grossen Manipulation von aussen, um die Massen zu manipulieren, es ist die Selbstmanipulation des Einzelnen, die es den
Machthabern so leicht macht, ihre Macht
zu erhalten. Heute sind es die grünen Bibeln von Kindern und Weltverbesserer,
die uns manipulieren sollen ,gestern waren es die roten. Weder rote, noch grüne
Bibeln haben jemals die Welt verbessert. Das einzige, was die Welt verbessern
könnte, wäre das Erwachen des Menschen aus seiner Unmündigkeit und aus seiner
Selbstmanipulation.
Sonntag, 7. Mai 2023
Manipulationen
Samstag, 6. Mai 2023
Leben und Alter
Die Meisten von uns verstehen unter Leben, die Geschichte ihres Lebens. Es ist die
Geschichte des Menschen auf seinem Weg durch die Welt. Wenn die Geschichte zu
Ende ist, dann werden sie ins Altersheim abgeschoben und es bleibt ihnen nur
die Erinnerung an Vergangenes, eine
Geschichte, die sich in ihrem Kopf ständig wiederholt. Wir nennen sie dann alt
und verkalkt. - Selbst die alten Religionen sind nicht mehr in der Lage, ihnen
Hoffnung auf eine Zukunft nach dem Tod zu machen .- Goethe hat für seinen Faust 60 Jahre
gebraucht, um ihn zu vollenden. Im Faust I wird die Geschichte des Menschen
hinaus in die Welt geschildert. Faust verliert sich an die Versuchungen der
Welt. Die Welt in der Figur des Satans dargestellt. - Und
dann Faust II, der von vielen nicht richtig verstanden wird: Die Rettung des Menschen von der Welt, das
Erwachen zum Leben. Faust wird gerettet, weil er sich dem wirklichen Leben
öffnet, dem Leben hinter dem Leben. Leben wird zum Göttlichen, das in Allem ist.
Die Welt der Sinne tritt zurück, es öffnet sich der Himmel, und Faust erkennt,
dass der Himmel sein wahres Leben ist,
er kehrt in sein wahres Ich zurück. - Wer
nicht dieses faustische Erwachen in sich selbst erleben kann, bleibt in der Illusion von Welt, wird im Alter starr und dement, ohne
Verständnis für das was sein Leben war. Demenz ist dann eine von ihm selbst
verursachte Folge, er hat seinen Verstand verloren. - Dem nicht erwachten Menschen
bleibt nur die Geschichte seines vergangenen Lebens, die Vergangenheit, die in
ständiger Wiederholung in seinem Kopf kreist.
Dabei wäre gerade das Alter der Moment, in dem der trügerische Schein
der Welt von ihm abfällt und er sich dem
eigentlichen Leben öffnen könnte. Auf seinem
Weg durch die Welt hatte er sein Leben vergessen, aber ohne dass
er es merkte, war sein Leben immer sein Begleiter. - Wenn wir Faust II
begriffen haben, dann wird uns bewusst, was Leben ist: das Göttliche in Allem
was uns umgibt, in den Menschen, in der Natur, im gesamten Kosmos, und am Wichtigsten, auch in uns selbst. Immer
wieder in der Geschichte der Menschheit treten die Mahner in unser Leben und
weisen uns den Weg. Goethe war einer von ihnen. Aber wer kennt schon Faust
II? Unser Leben ist daher nicht nur ein
Teil der Geschichte der Welt, unser Leben wartet in uns auf unser Erwachen, auf
die Wende in unserem Leben, auf den
Moment, in dem wir zum Leben in uns zurück finden. Welcher Zeitpunkt wäre dazu geeigneter als unser
Alter, wenn der Ballast der Welt von uns langsam abgefallen ist?
Dienstag, 2. Mai 2023
Putin und der Wahnsinn
Wieder herrscht Krieg in Europa und in vielen Teilen der
Welt. Wie zu allen Zeiten reiten die
apokalyptischen Reiter durch die Welt. Sie heissen Seuchen, Hunger,
Völkerwanderung, Klimawandel, Wahnsinn, Krieg und Tod. Wie immer scheint der
Untergang der Menschheit nahe. Was uns
so denken lässt ist nicht der Wahnsinn in den Köpfen der Herrschenden, sondern
der Wahnsinn im Grossteil der Menschheit. Die meisten Menschen leben im Wahn,
dass was ihre Sinne ihnen zeigten, das wäre die Welt. Die Sinne zeigen uns aber
nur kleine Teile der Welt, die Welt wie sie wirklich ist, bleibt uns weitgehend
verborgen. Die Wissenschaft hat es weit gebracht in kurzer Zeit, kratzt aber nur an der Tür zur Schöpfung. Wenn
die Sinne glauben, die Welt wäre das, was sie wahrnehmen können, dann bezeichnet die Sprache das als Wahn. Die Welt
unserer Sinne und unserer Wahn von Welt sind der Wahnsinn der menschlichen
Wahrnehmung. So ist die Frage durchaus berechtigt, ob Putin wahnsinnig sei –
er ist genauso wahnsinnig, wie
derjenige, der die Frage stellt. Solange wir unser Leben als Wahrnehmung
unserer materiellen Existenz begreifen, sind wir im Wahn der Sinne befangen.
Wir erkennen nicht, dass Leben in Allem ist, was existiert. Leben ist nicht nur
im Menschen, in der Natur, in allen Materialien, in unserem Planeten, Leben ist
auch in Atomen und Molekülen und und in
der Energie, die diese bewegt. Alle
Welten unterliegen den gleichen Gesetzen. Wenn der Mensch die Gesetze, die ihn
ausmachen nicht mehr erkennen kann, hilft ihm ein Blick in andere Welten. - In
der Welt der Energie herrscht Ordnung und Chaos. Beides scheint sich unabhängig
voneinander zu bewegen. Das kreative dieses Prinzips scheint darin zu liegen,
dass sie scheinbar unabhängig voneinander sind und doch wieder ins
Gleichgewicht zurückfinden. In der Welt des Menschen gelten die gleichen Gesetze.
Auf die Zeit der Unordnung und des Chaos wird wieder die Zeit des
Gleichgewichts der Kräfte folgen. Es sind diese Kräfte, die die Schöpfung
bewegen und weiterentwickeln. Die gleichen Kräfte bestimmen auch das Leben des
Menschen. Auf Störung und Chaos folgt Gleichgewicht und
Frieden. Unser Verstand nennt das eine gut, das andere schlecht. Beides bedingt
sich und findet immer wieder zurück in das Gleichgewicht. Der Weg des Menschen
ist so auch ein Weg in den Wahnsinn der Welt und zurück in die Einheit mit dem
Leben. Wir nennen das Schicksal, dem wir nicht entrinnen können. Selbst im grössten Chaos der Welt, im Krieg und den
Gefangenenlagern, die von den Mächtigen errichtet werden, können wir das Leben
sehen lernen, das in Allem ist. Das
Leben, das alles erfüllt, vor allem auch uns selbst, das uns keiner nehmen
kann, auch nicht der Tod und die Vernichtung. Wenn das Licht dieser Erkenntnis
uns trifft, fällt der Wahnsinn der Sinne von uns ab und wir sehen uns und die
Welt als das, was sie wirklich sind, als Teil der göttlichen Schöpfung, die
sich in diesem Moment uns offenbart. Wahnsinn und Chaos sind Teil des
Schöpfungsprozesses, und immer finden die ausgelösten Kräfte ihren Ausgleich
und ihren Frieden. So ist der Wahnsinn der Welt auch gleichzeitig der Frieden
der Schöpfung.
Erinnerungen 5 - Gedanken zu Erinnerungen
Während ich über Erinnerungen schreibe, muss ich mich immer daran erinnern, dass jede Erinnerung flüchtige Energie im Raum der Gegenwart ist. Energie, die ständig ihre Form ändert, aus der Ewigkeit des Raums aufscheint und im nächsten Moment eine andere Form annimmt und zu einer geänderten Erinnerung wird. So entstehen Bilder aus der Gegenwart des Momentes, die möglicherweise nichts mit den tatsächlichen Begebenheiten zu tun haben. Geschichte ist von allen fragwürdigen Wissenschaften, die Allerfragwürdigste. Der Historiker beschäftigt sich mit längst vergangenen Erscheinungsformen von Welt, die lange vorher in der Vergangenheit entstanden und vergangen sind. Meine Erinnerungen und alle Erinnerungen, die es in der Welt gibt, sind ein energetischer Gedanke, der nur in dem Moment existiert, in dem er entsteht. Das gilt nicht nur für das, was ich in diesem Moment niederschreibe, sondern für alles, was in den Bibliotheken dieser Welt verwahrt oder Teil des kollektiven Gedächtnisses der Menschheit ist. Alles entsteht und vergeht bereits im Moment seiner Erscheinung. Das gilt nicht nur für Worte und Gedanken, es gilt auch für alle anderen Erinnerungen und Formen, für die flüchtigsten und die festesten Erscheinungsformen, im nächsten Moment hat sich das Gegenständliche der Form bereits verändert, der Gedanke, wie auch das Haus, das wir scheinbar so fest errichtet haben – im nächsten Moment ist es bereits dem Zerfall übereignet und in 100 Jahren wird es verschwunden sein. Wenn ich über Vergangenes schreibe, dann weiss ich, dass alles was ich schreibe längst verändert ist, und jede Überlieferung immer in neuer Erscheinungsform verkleidet wird. Erinnerungen sind nicht mehr als die Bilder eines Romans, die im Leser entstehen und wieder verschwinden, wenn ich die nächste Seite umblättere. Daran erinnere ich mich, während ich dies schreibe, nichts überlebt den Moment ohne Veränderung, selbst das Wort auf dem Papier verblasst mit seiner Niederschrift. Und doch lohnt es sich das Vergehen jedes Gedankens und jeden Gegenstandes zu erleben, denn im Vergehen scheint der Raum auf, aus dem Alles entsteht, der Raum des Ewigen, der Raum von Stille und Leere. - Und ich erinnere mich auch daran, dass ich selbst im gleichen Prozess des Vergehens bin, und mit jedem Moment meines Lebens der Moment näher kommt, in dem mein existenzielles Sein beendet sein wird, und ich zurückkehre, dorthin woher ich gekommen bin. Die Welt will nichts von diesen Vorgängen wissen, der kleine menschliche Verstand wehrt sich mit allen Kräften gegen seinen Untergang. Der Verstand erkennt nicht das Wunderbare, das Heilige im ewigen Veränderungsprozess, die Tiefe die hinter dem Existenziellen liegt, die göttliche Gelassenheit und Ruhe in der alles stattfindet. Tod und Vergängliches sind nur Wandlung, und in der Wandlung erkennen wir das Göttliche, das wir selber sind. Daran erinnere ich mich, wenn ich dies niederschreibe.
Erinnerungen 4 - Die Geschwister
Es steht mir nicht zu, über lebende Personen zu schreiben.
Daher beschränke ich diese Erinnerungen auf meine und die Generation vor
uns. Ich hatte das Glück, als Ältester
von 3 Geschwistern, mit zwei besonderen Menschen aufzuwachsen. Wichtig war,
dass uns kein grosser Altersunterschied trennte, meine Mutter war schon 37 als
ich als Erster zur Welt kam und sie war 40
als Andreas 1943 geboren wurde. Was heute eher normal erscheint, war
damals schon eine späte Geburt.
Mein Bruder Arnim war schon früh den Geisteswissenschaften zugewandt.
Als wir in Mailand lebten gingen wir zusammen über einen antiquarischen
Büchermarkt. Er sah ein Buch das ihn interessierte, bat mich, ihm 100 Lire zu
leihen, um es zu kaufen. Er war 10 Jahre
alt – es war eine koptische Grammatik.
Er wolle sie in den Schulferien lernen sagte er – und er tat es. Er war nie gross an Äusserlichkeiten
interessiert. Zu seiner Antrittsvorlesung als Professor in Konstanz lieh er
sich eine Anzugsjacke von mir, er besass keine eigene. Seit früher Jugend lebte
schon sein Geist in anderen Welten und sein Studium dauerte länger als gewöhnlich.
Er überraschte uns alle, als ich ihn eines Morgens anrief, ihn in einer Bibliothek
in Münster erreichte, und er mir mitteilte er hätte geheiratet. Wir freuten uns
für ihn, waren aber etwas traurig, wir hätten die Hochzeit gerne mit ihm
gefeiert. Arnim wurde zum führenden Linguisten seiner Zeit. Er erhielt den Lehrstuhl
für Linguistik der Universität Tübingen.
Seine schriftlichen Werke wurden wegweisend weit über Deutschland hinaus. Er
schrieb entscheidende Lehrbücher, über Semantik, zur generativen Grammatik und
Syntax, zu den Bausteinen syntaktischen Wissens. Seine Kollegen bestätigten mir,
dass er zu den bedeutendsten Wissenschaftlern seines Bereichs gehörte. Von uns
drei Brüdern, war er der gebildetste, sprach 16 Sprachen, war tief in die
Philosophie und Mathematik eingestiegen – wir Brüder waren immer stolz auf ihn.
Er fühlte sich nicht nur in Bibliotheken
und Seminaren wohl, sehr gerne fuhr er mit seiner Familie ins
Tessin in sein Rustico, das man nur mit einem beschwerlichen Fussmarsch
erreichen konnte. Wir haben dort schöne Tage miteinander verbracht. Heute hat
ein Gehirnschlag diesen grossen Geist zum Schweigen gebracht. Er verbringt seine Tage mit seiner Frau Franzis, die seit seiner Zeit
in Münster, immer an seiner Seite gewesen ist. Wenn ich meinen Bruder heute treffe, fühle ich die
gegenseitige tiefe Verbundenheit zwischen uns, ich bin immer sein grosser
Bruder geblieben.
Mein Bruder Andreas kam als Jüngster am Ende des Krieges zur
Welt. Er litt vor allem unter dem Nahrungsmangel der Nachkriegszeit. Er
brauchte besonders seine Mutter und vertrug es nicht von zuhause getrennt zu
sein. Er ging auch mit meinen Eltern
nach Kopenhagen, als wir anderen Brüder auf ein Internat kamen, um uns auf das
Abitur vorzubereiten. Zu meinem Vater hatte er ein besonderes Verhältnis, er
war ihm am ähnlichsten. Andreas schlug
dann auch den gleichen Berufsweg des Vaters ein. Andreas war dreimal
verheiratet. Aus seiner ersten Ehe stammt sein Sohn Konstantin. Seine zweite Frau, eine französische Physikerin,
starb früh und ich erinnere mich, wie ich
bei ihrem Begräbnis in den französischen Alpen, ihren kleinen Sohn Adrian in den
Armen hielt und wir den Psalm hörten, der von der Hilfe spricht, die von den Bergen
kommt. Andreas fand in Junko, einer japanischen Sängerin, noch einmal eine späte Liebe. Junko wurde für Adrian eine
wunderbare Mutter. Die neue Familie war noch gemeinsam auf den letzten Botschafterposten
in Thailand und der Schweiz. Andreas starb viel zu früh an einem zu spät
entdeckten Darmleiden. Auch hierin hatte er das gleiche Schicksal unseres
Vaters, der früh an seinem Lungenleiden starb. Bis zuletzt hatte ich ein tiefes
Vertrauensverhältnis zu Andreas. Er war unser jüngster Bruder und stand mir
immer besonders nah. Er liegt in Stechow
in unserem Familienbegräbnis. Auf dem Grabstein steht auch der Name von Junko, sie möchte mit ihm gemeinsam begraben werden.
Die Mutter 2
Die Nachkriegszeit ist schon Teil meiner bewussten
Erinnerungen. Die davorliegende Zeit
kenne ich nur aus den Erzählungen der Eltern. Die Eltern trafen sich, auf
getrennten Wegen, 1945 wieder in Reinbek
bei Hamburg, der westlichen Besatzungszone. Sie wurden dort in einer Flüchtlingswohnung
untergebracht. Meiner Mutter gelang es bald wieder als Journalisten zu arbeiten,
beim Hamburger Abendblatt. Zwei Kindermädchen machten das möglich. Unser Vater arbeitete bis 1950 bei der Deutschen
Presseagentur. Die Nachkriegsjahre waren die schwierigsten Jahre, weil die
Lebensmittelkarten nicht reichten und nicht ausreichend Nahrung zur Verfügung stand.
Immerhin gelang es, vor allem meiner Mutter, so viel Nahrung zu beschaffen,
dass wir nicht verhungerten. Ein kleiner Gemüsegarten, den sie angepachtet
hatten, half dabei sehr. Ihre beiden, in
der Ostzone, zurückgelassenen Kinder, meinen Bruder Arnim und mich, holte sie
einzeln, unter Lebensgefahr, schwarz über die Zonengrenze, auch in den Westen.
- Erst 1950 änderte sich unser Leben, mit der Berufung des Vaters als Konsul nach
Mailand. Es war wahrscheinlich ein neuer Lebensabschnitt für unsere Mutter, jetzt
nur noch als Ehefrau für die Familie da zu sein. Die Zeit in Mailand brachten
Ruhe in unser Leben, die Schrecken des Krieges und der Mangel der
Nachkriegszeit fielen von uns ab. Auch in unserer Mutter konnte man den neuen Frieden merken, sie war zum ersten Mal
nicht mehr für das Überleben der Familie verantwortlich, sondern konnte sich
ganz der Familie widmen. Sie vermisste noch ihren Beruf, aber die Hinwendung zu ihrer Familie tat
nicht nur ihr gut, sondern uns allen. Ihr Leben war in ruhiges Fahrwasser geraten,
das bis zum Tod ihres Mannes nach der
Pensionierung andauerte. Ab 1950 hatte sie sich entschlossen ihr Leben ganz der
Familie zu widmen, auch wenn ihr immer eine leichte Trauer in den Gedanken an ihre Berufszeit anhaftete.
Sie kümmerte sich um uns alle, um die Familien ihrer Kinder, die
Enkelkinder. Den zunehmenden Verlust
ihrer Hörfähigkeit nahm sie gelassen hin. Sie hörte nur noch, was sie hören
wollte. Nach dem Tod ihres Mannes lebte sie noch mehr als 10 Jahre allein, sehr
belesen, sehr interessiert an den Dingen der Welt, aber auch immer mehr der transzenten
Seite unseres Menschseins zugewandt. Sie konnte auf ein reiches und erfülltes
Leben zurückblicken. Ich hatte das Privileg
die letzten Tage in Teneriffa mit ihr und meiner Familie zusammen zu sein. Als
wir merkten, dass eine Magenverstimmung
sie immer mehr schwächte, brachte ich sie in das Krankenhaus nach Sta
Cruz. Ich sehe sie noch heute, wie sie am Tropf in ihrem Bett mich bei unserem Abschied ansah. Sie wusste, dass
sie sterben würde, ich wusste es nicht. Sie starb noch in der gleichen Nacht an
Herzversagen. Ich habe ihren letzten Blick nie vergessen.
Erinnerungen 3 - Die Mutter 1
Unsere Mutter wurde 1903 in Tysmenicza bei Ivano Frankivsk in Galizien als Österreicherin geboren und auf den Namen Olga Maria getauft. Galizien war die östliche Provinz von Österreich, in dem sich die Kulturen der Völker aus Polen, Ukrainern, Juden und Armeniern und Deutschen gegenseitig befruchteten. Ihre Eltern waren eine Lehrerfamilie, und sie wuchs mit dem Anspruch auf ein selbstbestimmtes Leben als Frau zu führen. Ihre Mutter, meine Grossmutter, starb schon in jungen Jahren an Tuberkulose. Der Vater heiratete neu , und die neue Frau war eine gute Ersatzmutter. Es gab noch einen Bruder Wlodko aus der 1. Ehe und eine Stiefschwester Slawca. Beide emigrierten in die USA. Als 1918 die Polen Galizien annektierten stand für ihre Familie fest, dass sie nach Deutschland gehen sollte, um dort zu studieren. 1921 kam sie nach Berlin und studierte Volkswirtschaft. Dort lernte sie unseren Vater kennen, der sie fast das ganze Studium in jeder Hinsicht unterstützte. Sie musste sich ihr Studium selber verdienen, das Lehrergehalt ihrer Eltern reichte dazu nicht aus. In ihrem Tagebuch steht, sie kam nur mit einem Koffer nach Berlin und einem Goldstück, das ihr Vater ihr mitgab. Sie kam aber voller Mut und Zuversicht, und dieser Mut verliess sie ihr ganzes Leben nicht. Nach dem Studium ging sie als Journalistin in den Moshe Verlag, später Ullstein, in Berlin. Sie arbeitete für die Zeitschrift «Die Dame», die grösste europäische Frauenzeitschrift ihrer Zeit. Das Verzeichnis der Mitarbeiter liest sich wie eine Liste der Geistesgrössen der zwanziger Jahre. Auf alten Fotos trägt sie einen Pagenkopf, sie war zu einem Kind ihrer Zeit und der Berliner Welt geworden. Zu ihren intellektuellen Freunden gehörte Rowohlt, Walther Kiaulehn, Albert Schäfer- Ast, mit ihnen traf sie sich zum wöchentlichen Stammtisch bei Witwe Bolte. Sie war eine der ersten Frauen, die ein eigenes Auto hatten, den berühmte Opel 4 PS Laubfrosch. Es waren die ereignisreichsten Jahre ihres Lebens. Mit unserem Vater war sie die ganzen Jahre befreundet, sie wollte aber lange ihre Unabhängigkeit erhalten. Erst mit der Machtergreifung 1933 beschlossen beide zu heiraten, um den Benachteiligungen von Ausländern zu entgehen. Als Angehöriger des Auswärtigen Amtes brauchte unser Vater die Genehmigung, eine Frau mit polnischer Staatsangehörigkeit zu heiraten. Die Genehmigung wurde verweigert, die Rassenpolitik hatte ihren Einzug in Deutschland gehalten. Unser Vater wurde umgehend nach Australien versetzt, wo er vier Jahre blieb, damit er sich die Gedanken an Heirat aus dem Kopf schlagen sollte. Besuche waren praktisch nicht möglich, da nur der kostspielige Seeweg zur Verfügung stand, der 2 Wochen dauerte. Nach seiner Rückkehr war mein Vater mehr denn je zur Ehe entschlossen. 1938 heirateten die Beiden. Das war ein klarer Verstoss gegen das Heiratsverbot des AA und der Einbruch in die Karriere des Vaters. - Wenn unser Vater schon ein entschlossener Mensch war, dann unsere Mutter nicht minder. Sie liessen sich von den neuen Machthabern nichts vorschreiben. - Auf der Hochzeitsreise nach Sizilien im Zug stritten die beiden wie ein altes Ehepaar. Als der Zug vor einem Signal stehenblieb stieg unsere Mutter kurz entschlossen aus und lief auf den Gleisen zurück, sie wollte die Reise nicht fortsetzen. Ihr Mann lief hinterher und versuchte sie zur Vernunft zu bringen. Es gelang ihm schliesslich und nur knapp erreichten sie wieder den Zug, der sich kurze Zeit später wieder in Bewegung setzte. Beide hatten eine starken Charakter. - 1940 kam ich als erstes Kind zur Welt. Deutschland befand sich bereits im Krieg mit Halbeuropa. In den von Hitler an Stalin abgetretenen Ostgebieten haten sich die Russen festgesetzt. 1940 wurden auch die Eltern unserer Mutter nachts vom KGB abgeholt und erschossen, sie gehörten zur Intelligenz und waren daher Gegner des Kommunismus. 1941 kam mein Bruder Arnim und 1943 mein Bruder Andreas zur Welt. Die Frauen mussten ihr Leben auf Kriegswirtschaft umstellen. Unsere Mutter arbeitete im Verlag weiter, jetzt aber für die Propagandazeitschrift «Signal» für die besetzten Ostgebiete. Für uns Kinder hatte sie 2 Hilfen aus ihrer ukrainischen Heimat anstellen können, die damit dem Zwangsarbeitsdienst entkommen konnten. Erst 1943 gingen wir aus Berlin fort nach Ranis in Thüringen zu ihren Schwiegereltern, wo unser Bruder Andreas zur Welt kam. 1945 bei Kriegsende waren wir auf der Burg Ranis, und bei Übergabe von Thüringen an die Russen musste unsere Mutter mit dem jüngsten Bruder fliehen, ihre Tätigkeit beim Signal hätte sie sofort zum Tode verurteilt.