Freitag, 13. März 2015

Glaube und Wissen


Wenn wir heute über Glauben sprechen, dann hauptsächlich im Zusammenhang mit Religion und den Bereichen,  die sich unsere menschlichen Denken entziehen. So glauben wir vielleicht an ein Leben nach   dem Tod,  an einen Gott, oder wir glauben daran dass nur  das ist,  was unser menschlicher Verstand erfassen kann. Aus der Naturwissenschaft wissen wir dass das menschliche Wissen einem ständigen Wandel und unterliegt und was heute gilt, schon morgen überholt ist.  Glaube ist ein Gedankenkonzept,  Glaube an ein System.  Glaube ist  unserer Verstandesebene   zuzurechnen, wir können nur das glauben was wir denken können. Glaube beinhaltet auch immer den Zweifel, dass das Gegenteil richtig sein könnte,  von dem was wir glauben.   Wenn wir in der Religion von Glauben sprechen so betreten wir die Ebene des Nichtwissens und der Spekulation. Auf dieser Ebene entscheide ich mich für eine von zwei Möglichkeiten,  ich entscheide mich dafür dass es einen Gott gibt, oder ich entscheide mich dafür dass es keinen Gott gibt. Wie auch immer meine Entscheidung ausfällt, in mir bleibt der Zweifel, ob ich mich für die richtige Alternative entschieden habe. Glaube hat immer mit Denken zu tun und mit Zweifel. Solange ich mich  auf der Ebene des Denkens befinde, bewege ich mich in der Ebene der Form, auf  der Ebene der Materie, ich bin mir bewusst, dass mein Denken sich nur auf das beziehen kann, aus dem es selbst kommt, aus der Welt der Gedanken, aus meinem Gehirn, mithin aus der Materie.  Gedankenkonstrukte und Systeme  sind  auf die Materie beschränkt,  können nicht über die Materie hinausgreifen,  sie beschränken sich selbst durch das was sie sind.  Die großen Irrtümer der Menschheit liegen darin, dass Gedanken- Systeme, wie Religion oder Ideologie zur absoluten Wahrheit erklärt wurden und der Glaube an diese vermeintliche Wahrheit das Leben der Menschen bestimmte. So sind im 20. Jahrhundert die Ideologien zur Religion erklärt worden unter ihrem Namen Millionen von Menschen umgekommen. Ein Gedankenkonzept, dass systemisch den Irrtum in sich trägt,  wurde zur Grundlage des menschlichen Lebens und hat in seiner gedanklichen Beschränkung  millionenfach  das Schicksal der Menschheit bestimmt. Jahrhundertelang  waren die Religionen, ebenfalls aus menschlichen Gedanken entstanden, Ursache für Kriege, Tod und Vernichtung.  Die große Gabe des Denkens, die uns Menschen mit auf den Weg gegeben ist, wurde misbraucht und gegen die Menschheit gerichtet: wenn heute die Menschheit in der Lage ist, sich durch einen Knopfdruck auszulöschen, zeigt es, wohin  menschliches Denken nicht führen darf. Die Grenze des menschlichen Denkens liegt dort, wo das menschliche Denken versucht zu erkennen aus welcher Energie das menschliche Denken entstanden ist und was den Menschen denken macht. Unsere Philosophen haben nur eins erkennen können, dass das was   den Menschen denken macht,  nicht durch das Denken selbst erkannt werden kann, weil  sich das  auf einer unserem Denken unzugänglichen Ebene befindet.

Ist aber nicht in jedem Menschen eine übergeordnete Intelligenz vorhanden in der ein nicht vom Verstand getragenes Wissen besteht, um das was uns denken macht und was uns das Leben gibt? Wenn wir  die letzten Partikel der Energie erforschen und in die Räume vorstossen in denen sich diese Partikel bewegen, sind wir dann an die Grenzen unseres Denkens gelangt oder sind diese Räume nicht auch in uns selbst vorhanden und können wir mithilfe dessen, was in uns selbst ist, das erfassen, was unser Verstand nicht erfassen kann?  Die Antwort auf diese Frage finden wir nicht in neuen Gedankenkonzepten, sondern nur in dem was in uns ist,  in dem Bereich der identisch ist mit dem Bereich auf den ich stosse, wenn ich an die Grenzen unseres gedanklichen Wissens gelange.  Es ist der Bereich den wir mit Hilfsbegriffen umschreiben müssen, es ist der Bereich von unendlichem Raum, unendlicher Stille und unendlichem Wissen um das, was wir das Allumfassende nennen. Das ist das, was ich das eigentliche Wissen nenne. Wirklich werde ich diesen Bereich erst erfassen können, wenn ich dorthin zurückkehre, woher ich gekommen bin.


Dienstag, 20. Januar 2015

Rolle und Funktion


Ein Mitarbeiter hat um seine  Entlassung gebeten.  Ich kenne ihn seit 15 Jahren. In den ersten Jahren ist er   mit seiner neuen Frau  zu einem anderen Platz gezogen. Seine zwei jungen Söhne baten mich  im Betrieb bleiben zu können.  Wir haben sie zur Schule geschickt und aufgezogen. Jetzt sind es selbständige Menschen geworden.  Die Ehe des Vaters ging nicht gut. Der Alkohol machte aus einem  zuverlässigen, pflichtbewusstem  Mitarbeiter  einen  immer mehr gebrochenen Menschen. Dieser Mensch kommt zu mir und bittet um seinen Abschied, sein Sohn will ihn begleiten, was wartet auf die Beiden. Mich berührt dieses Schicksal,  die beiden haben 15 Jahre  eine Rolle in meinem Leben gespielt. Was war der Anlass für diese Entscheidung, warum geben sie eine sichere Position für eine ungewisse Zukunft auf? 
Wir leben hier in einer noch archaischen Gesellschaft.  Die Menschen erfüllen Rollen,  der Mann, die Frau, das Kind, die berufliche Funktion.  Die Menschen definieren sich durch diese Rollen. Wird eine Rolle beschädigt, so wird das Ego beschädigt. In diesem Fall  hat die untreue Ehefrau den Mann in den Alkohol getrieben. Seine Rolle als Mann, sein Ansehen in der kleinen Gemeinschaft war in den Augen seines Egos so verletzt, dass er sich zunächst in den Alkohol  flüchtete und jetzt die Gemeinschaft gegen eine ungewisse Zukunft tauscht.
Ich überlege, ob ich   in meiner Art nicht auch eine Rolle spiele, ob mir mein Ego etwas vorgaukelt, was ich nicht bin.  Spiele  ich die Rolle des Vaters, des Unternehmers, des Anwalts?  Ich hoffe, dass ich in meinem Leben nie eine Rolle gespielt, sondern nur eine Funktion wahrgenommen habe, eine Verantwortung übernommen, einen Beruf ausgeübt habe.  Eine Funktion ausüben, ist etwas anderes, als eine Rolle spielen.  Bei einer Rolle übernimmt das Ego die Führung, die Ehefrau, die sich über ihren Mann definiert,  die Mutter, die ihre Kinder nicht loslässt, weil sie keine andere Funktion im Leben übernommen hat, der Angestellte, der ganz  von seinem Unternehmen  aufgesogen wird und sich in seinen Funktionen sonnt.
Die Aufgaben, die das Leben uns stellt,  sind alle wichtig. Wenn wir diese Aufgaben richtig angehen, mit Liebe und Verantwortungsbewusstsein ausfüllen, dann  wird alles was wir anfassen gut.  Die Eltern, die ihre Kinder mit Liebe und Verantwortungsbewusstsein aufziehen, entlassen mündige junge Menschen in das Leben.  Der  Ehemann, der seine Frau nicht als seinen Besitz betrachtet, sondern die Seele des anderen sieht, die sich ihm anvertraut  und  sich in dieser Seele erkennt, wird eine gute und erfolgreiche Ehe führen.  Der Unternehmer, der sein  Unternehmen nicht als sein Eigentum betrachtet, sondern als Verantwortung den Mitarbeitern  und der Welt gegenüber  sieht,  übt die ihm  vom Schicksal zugeordnete Funktion aus.  Dabei ist nichts von Bestand, alles wandelt sich, unsere Funktionen genauso, wie die Aufgaben,, die das Leben uns stellt.  Den Mitarbeiter, der um seine Entlassung bittet, der Sohn der seinen Vater in eine ungewisse Zukunft begleitet, ich lasse sie gehen. Meine  Worte zum Alkohol verhallen wohl ungehört.  Es berührt mich trotzdem, ein Teil meines Lebens entschwindet,  das Leben nimmt seinen Lauf


Sonntag, 11. Januar 2015

Standortbestimmung

Zum Anfang des Jahres mache ich mir Gedanken, wo ich in meinem Leben heute stehe. Durch den Wunsch meines Sohnes, Verantwortung für das zu übernehmen, was ich bisher gemacht habe, ist mir deutlich geworden,  dass alles was ich in dieser Welt bisher getan habe, seinem Ende zugeht. Über mein illusorisches Ich  bin ich mir bewusst, und mein eigentliches Ich ist nicht nur das Ziel meiner Träume, sondern auch das Ziel meiner Reise.  Wenn das Leben richtig läuft, dann erkennen wir irgendwo auf unserem Weg , dass wir nicht nur das Abenteuer des Lebens in dieser Welt zu bewältigen haben, sondern dass es noch ein viel grösseres Abenteuer ist, den Weg nach Innen zu gehen, den Weg zu unserem  eigentlichen Ich. Ich weiß nicht wie viel Zeit mir gegeben ist auf meinem verbleibenden Weg. Diese Zeit muss ich sorgfältig aufteilen, ich kann es nicht machen wie Karl V, der sich in ein Kloster zurückzog um sich ganz seinem Weg nach innen zu widmen, da bleibt noch einiges für mich  auf dieser Welt zu regeln. Ich will mich aber auch nicht vom Tagesgeschäft so vereinnahmen lassen, dass ich darüber den Weg zu meinem eigenen Himmel übersehe. Neue Abenteuer auf dieser Welt möchte ich nicht eingehen, es reicht schon, wenn es mir gelingt meine verschiedenen Schauplätze einigermaßen zu ordnen, meinen Kindern nicht ein Chaos zu hinterlassen. Meine Tageszeit teile ich mir sorgfältig ein, nachts gehe ich meinen Weg nach innen,  nicht nur in meiner unbewussten Schlafphase, sondern wenn ich erwache, meistens zwischen drei und vier, lasse ich nicht  einen ungeordneten Gedankenfluss zu, sondern blicke nach innen, um mein Leben zu fühlen. Diese frühen Morgenstunden sind  die wertvollste Zeit in meinem Leben, jeden Morgen widme ich mich einem anderen Gedanke. Das Leben hat mir vergönnt, meine Kinder alle erwachsen und selbstständig zu sehen. Dieses Jahr erlebe ich sogar meine ersten Enkelkinder. Das Schicksal  hat mich   auch mit einer guten Gesundheit ausgestattet, sodass ich nicht unter den üblichen Altersgebrechen leide. Einige Abstriche muss ich in Kauf nehmen, aber insgesamt kann ich mir noch fast alles zutrauen.  Meine sportlichen Aktivitäten haben in den letzten Jahren zugenommen, ich bin mir bewusst,  dass mein Körper mehr Aufmerksamkeit verlangt, als ich  ihm  in jüngeren Jahren gegeben habe. Mein Körper dankt es mir, in dem er mich vor Altersgebrechen und Krankheiten   weitgehend verschont hat. Ich beobachte auch immer wieder meinen Geist, ist dieser noch so funktionsfähig wie in früheren Jahren,    muss ich da Abstriche hinnehmen, lässt mein Gedächtnis nach, muss ich mir weniger zutrauen? Bisher habe ich keine wesentliche Einschränkung meines Kurzzeit- und meines Langzeitgedächtnis feststellen können. Auch mein  Denken scheint sich immer mehr auf das Wesentliche zu konzentrieren und der lästige Gedankenfluss lässt sich mit den zunehmenden Jahren immer besser zurückdrängen. Natürlich bin ich mir im klaren, dass die physischen Zerfallserscheinungen auch vor dem Geist  nicht halt machen. Ich hoffe aber, dass mein Geist, der sich immer mehr nach innen wendet,  auf mein eigentliches Ich zu,   meine Kräfte des Lebens dazu animiert,  mich  in meiner jetzigen Erscheinungsform noch etwas  zu erhalten, so dass es mir vielleicht  gelingt     physisch und geistig gesund zu bleiben, bis das Leben  mich wieder in sich aufnimmt.

  - Das interessante am Alter ist unser Blick, der sich nicht mehr rückwärts wendet, das was gewesen ist, ist gewesen. Auch ist unser Blick nicht mehr in die Zukunft gerichtet, eine Zukunft die es  nie gegeben hat, - die Zukunft bestand nur in unserer Fantasie, in unseren  Gedanken, wie viel weniger besteht sie wenn man einmal die 75 erreicht hat.  Die Tage werden länger, die Nächte kürzer das Leben  intensiver, wenn der Weg nach innen geht und wir mit unserer Seele in Dialog treten. Welcher Reichtum des Lebens breitet sich vor einem aus.- Die Menschen sagen, der Arme, er ist alt geworden.  Dabei übersehen sie, dass vor lauter Tagesgeschehen, sie ihr eigentliches Leben nicht wahrnehmen, das Leben dass in  jedem  von uns ist, dass uns geschaffen hat, das unseren Weg bestimmt, immer da war und immer da sein wird.   Und wenn es uns vergönnt ist im Alter etwas innezuhalten und unseren Blick, der immer nach außen gerichtet war nach innen zu lenken, dann erst entdecken wir den eigentlichem Reichtum unseres Lebens. Diesen Weg nach innen will ich immer mehr gehen  und den äusseren Weg auf das Notwendige beschränken. Das habe ich mir für dieses Jahr vorgenommen. 


Sonntag, 28. Dezember 2014

Selbstwertgefühl

Bei jungen Menschen ist ein  Phänomen zu beobachten, sie nehmen sich mit ihrem Handy ständig auf und teilen ihr Foto mit ihren Freunden. Hat dieses Foto etwas mit ihrem Selbstgefühl zu tun, was wollen sie mit ihrem Foto ausdrücken? Identifizieren Sie sich mit ihrem Aussehen, mit dem Ort an dem sie sich befinden, mit dem was sie gerade tun? Oder ist dies ein Merkmal des Gruppenzwangs, wie wir ihn auf so vielen Ebenen des täglichen Lebens feststellen? In der Zeitschrift Brand Eins las ich einen Artikel über Selbstbestimmung und Fremdbestimmung. Vielleicht liegt das Ideal des menschlichen Lebens in der Selbstbestimmung, aber kein Mensch kann sich von der Fremdbestimmung, vom Gruppenzwang ganz frei machen. Es ist schon viel erreicht, wenn ich erkenne, dass mein Selbstwertgefühl nicht von den Dingen abhängt die ich kaufe, die ich besitze oder die ich weiß. Das Konsumdenken, das weite Bereiche unseres Lebens beherrscht, hat in  sich das Merkmal des Mehr, und gleichzeitig ist im Konsum auch das Paradox sichtbar, dass das was ich unbedingt haben möchte,   seinen Wert bereits verloren hat , wenn ich es erworben habe  und an seine Stelle tritt der Wunsch nach einem anderen Besitz. Mein Selbstwertgefühl wird also nicht dadurch gestärkt, dass ich etwas besitze, weil dieser Besitz mir nur einen kurzen Moment der Freude gönnt. In der Werbung werden   Gegenstände angepriesen, die an schönen Menschen oder interessanten Situation festgemacht sind – sieh  her, das musst du besitzen dann bist du so schön wie diese Schauspielerin, verwende dieses Produkt, mach jene  Reise und du gehörst dazu. Die Menschen rennen an einem Ort, weil dort die Schönen und Reichen sich aufhalten – dort muss ich unbedingt auch sein, dann gehöre ich dazu. Dieser Gruppenzwang ist nicht geeignet mein Selbstwertgefühl zu befriedigen. Je mehr ich konsumiere,   je mehr ich versuche mich der Gruppe anzupassen, desto weniger wird mein Selbstwertgefühl   befriedigt. Ich bin in diesem Gruppenzwang ganz weit von einer Selbstbestimmung entfernt. Was uns  wirklich   ein Selbstgefüh geben kann, ist  ganz weit von Konsum entfernt.  Je mehr wir uns von der Fremdbestimmung freimachen desto mehr werden wir Selbstwertgefühl bei uns feststellen können.   Wir können versuchen   bei allen unseren Entscheidungen   des täglichen Lebens uns unser eigenes Wertesystem  vorzuhalten und dann fällt manche Entscheidung sicher anders aus, unser  Konsumverhalten würde  sich ändern, Ich brauchte nicht mehr alles zu kaufen, was die Werbung mir vorspiegelt.  Ich würde dazu beitragen die Welt nicht durch immer mehr Konsum zu plündern. Ich brauchte nicht mein Foto ständig in die Welt hinaus zu schicken, seht her das bin Ich. Meine Akzeptanz bei Freunden  ist nicht davon abhängig, dass ich ständig versuche mich Ihnen anzupassen, das gleiche zu machen wie sie, mir die gleichen Dinge zu kaufen, die gleichen Orte zu besuchen, mit dabei zu sein. Wenn ich meinen Blick nicht nach außen auf meinen Besitz, mein Aussehen meine Marken richte,  sondern stärker nach innen auf mich selbst, dann habe ich möglicherweise einen höheren Wert für meine Freunde, weil ich meine eigenen Werte entdecke und damit auch Wert für meine Freunde gewinne. Meine Gefühle für meinen Eigenwert verändern mein Wesen und ich bin   in der Lage meinen Freunden mehr zu geben als wenn ich im Gruppenzwang mich versuche ständig Ihnen anzupassen.



Sonntag, 21. Dezember 2014

Meine Weihnacht

Weihnachten ist dieses Jahr ein besonderes Fest für mich. Wir feiern den Jahreszyklus, das Erlöschen und das Erwachen des Lichtes,  und Tod und Geburt des Lebens.  Zum ersten Mal sind meine beiden neuen Enkelkinder bei mir. Meine eigenen Kinder sind gross geworden und nun kommen sie Weihnachten mit ihren  Kindern. Wie wunderbar dieses neue Leben zu erleben.  Im immerwährenden Kreislauf von Geburt und Tod  manifestiert sich das Leben in uns und in unseren Kindern,  das unsterbliche Leben, Abschied und Wiederkehr.
Da  schauen einen die kleinen interessierten Augen an, so wissbegierig, alles wollen sie über das Leben erfahren. Und wir Älteren nehmen sie bei der Hand und geleiten sie bis zu dem Moment, an dem sie selber selbständig  leben können.  Das Kind in der Krippe, so hilflos und doch strahlt die Stärke des Lichts, das Lebens aus ihnen  und die Verheissung:  "Schau auf das Leben, das sich in mir manifestiert, das was stirbt lebt aufs Neue, im ewigen Rhythmus des Lebens.   Leben ist das was mich ausmacht, was mich geschaffen hat, was hinter dem Wunder meiner Geburt steht."  Und wir die Eltern und die Grosseltern und die ganze Reihe unserer Vorfahren stehen  voller Bewunderung vor diesem Wunder der Geburt, vor diesem Wunder des Lebens das alles um uns erfüllt.  Das Dunkel der Jahreszeit weicht dem Licht,  die Kälte draussen, wird von der Wärme des erwachenden Lebens erfüllt.  Wir die Alten  ziehen uns langsam zurück und den Platz, den wir schaffen erfüllt das neue Leben.  Und tief in uns ist dieses Wissen um die ständige Erneuerung, -  so wie die Natur nur scheinbar stirbt und sich erneuert, so  erneuert sich auch das Leben in uns selbst stets aufs Neue,  Geburt und Tod sind unsere Begleiter auf unserem Weg,  und das Leben ist  der Träger unseres Schicksals.   Was wünsche ich meinen kleinen Christkindern:  ein erfülltes Leben,  dass der Zustand, in dem sie sich befinden, der Zustand der Unschuld,  von ihnen auch wieder in ihrem späteren Leben erreicht wird, dass ihr Blick, der nach aussen strebt,  auf ihrem Weg sich auch wieder nach innen richtet, dass sie lernen mit dem Herzen zu sehen,   zu denken und zu fühlen.  Ich wünsche  Ihnen den wahren Reichtum des Lebens, den Reichtum des Herzens, ich wünsche Ihnen,   dass die Liebe ihrer Eltern sich in ihrer Seele bewahrt und sie fähig werden, diese Liebe weiterzugeben.  Möge der Stern der Weisen sie auf ihrem Weg leiten und die drei Gaben von Liebe, Weisheit und innerem Reichtum  ihnen erhalten bleiben. Ich wünsche Ihnen ein erfülltes Leben und den Frieden Gottes,  der heute unser aller Herzen erfüllt. 




Montag, 8. Dezember 2014

Ent-täuschung

Ich stehe vor einem Scherbenhaufen.  Ein Mensch, der eine wichtige Stelle in meinem Leben inne  hatte, ist nicht mehr da.  Mein Vertrauen und meine Zuneigung  sind  enttäuscht.  Ein grosser materieller Schaden ist entstanden. Meine Seele ist verletzt.  Wie gehe ich damit um?
Ich frage mich:  bin ich die ganzen Jahre so getäuscht worden?  Dann wäre ja die  Ent – Täuschung etwas Gutes,  nämlich die Aufhebung der Täuschung.  Oder ist da etwas passiert, was sich meinem Wissen entzieht, was eine solche Änderung in dem anderen Menschen hervorgerufen hat. Ich suche nach Entschuldigungen, weil ich diese Täuschung nicht begreifen kann,  weil ich nicht glauben will, dass ich mich so viele Jahre getäuscht haben kann.  Oder ist in diesem Menschen die dunkle Seite für mich nicht sichtbar gewesen, wollte ich nur die gute Seite sehen? Bin ich die ganze Zeit getäuscht worden?

Wir verbinden uns mit anderen Menschen, vertrauen uns anderen Menschen an,  oder andere vertrauen sich uns an. Dieses  Anvertrauen  ist  nur ein zeitlich begrenztes,  es ist ein grosser Vertrauens- , ein grosser Liebesbeweis.  Das Kind vertraut sich der Mutter an,  bis es soweit ist, dass es allein in die Welt hinausgeht,  wir vertrauen uns unserem Lebensgefährten an, bis der Moment kommt, wo  sich der Weg trennt.  Jeder von uns ist eingebettet in diese gegenseitigen  Beziehungen,  und diese Beziehungen sind einem ständigen Wandel unterworfen. Wir wissen um diesen Wandel und dennoch wünschen wir, der gegenwärtige Zustand solle für alle Ewigkeit halten.  Wir sind ganz allein auf dieser Welt  und wir sind ganz eingebettet in die gegenseitigen Beziehungen zu anderen Menschen.  Ent- Täuschungen erleben wir nur, wenn wir uns  über die  Wandelbarkeit aller Beziehungen um uns getäuscht haben. Wenn wir wissen, dass alles im ständigen Wandel begriffen  ist,  dass das Kind die Mutter verlässt,  der  Gefährte den anderen Gefährten,  wenn nicht in diesem Leben, dann spätestens im Tod,  dann können wir nicht ent-täuscht werden.  Den Verlust von materiellen Gütern können wir verkraften, den Verlust von Zuneigung und Liebe schon schwerer, weil  unsere  Seele die Liebe als Nahrung ihrer Selbst benötigt, aber was immer bleibt ist die Kraft  des Göttlichen in uns, die Kraft unserer Seele, die auf das Geschehen um uns blickt, liebevoll, verständnisvoll und alles begreift, was  um uns und in uns geschieht.  Auf dieser Ebene gibt es keine Enttäuschung.


Mittwoch, 29. Oktober 2014

Alleinsein

Ein Mensch ist gestorben. Da wo eben noch an unserer Seite unser Gefährte war, ist eine Lücke,  da wo ein Lebensgefährte, ein Vater, ein Freund war ist nichts, nur noch eine Erinnerung, eine Leere.  Aber ist es wirklich so, wie es uns unsere Augen, unsere Sinne mitteilen,  ist es wirklich so, dass da nur Leere ist, nur noch eine Erinnerung an etwas, was gewesen ist,  ein leerer Raum, in dem sich nichts befindet?   Bleibt uns nach der Trauer um den Verstorbenen nur ein Grabstein, auf dem die  Daten von Geburt und Tod stehen und ein  kleiner Bindestrich zwischen den Zahlen, die unser Leben bedeuten? Ist der geliebte Mensch  nur noch  eine Erinnerung,  sind wir allein, ohne  den Menschen den wir so gut kannten?   Könnten uns  nicht unsere Sinne   täuschen, unsere Augen, die nur das Gegenständliche sehen, nicht aber das was das Gegenständliche geschaffen hat, unsere Ohren, die nur die Töne hören, nicht aber die Stille wahrnehmen, aus der die Töne klingen,  unser Verstand, der nur das denken kann, was gegenständlich ist, nicht aber das was ihn geschaffen hat.  Ist es wirklich so, wie uns die Stimme in unserem Kopf einzureden versucht, dass nur das ist, was unsere Sinne  erfassen können, und das jenseits unseres Denkens nichts denkbar ist?
Ich  schaue  auf den nächtlichen  Himmel.  Eine völlig dunkle Nacht und in diesem Oktober ist das Meer der Sterne und die schwache Sichel des Mondes ganz deutlich sichtbar.  Eine ungeheure Leere und eine nicht benennbare Anzahl von Sternen. Die Dunkelheit und Leere, die ich erblicke nenne ich Raum, aber das ist nur ein Wort für etwas was Leere, Nichts ist. Ich  sehe Sternbilder, den Sternen haben wir einen Namen gegeben. Wir benennen  das was wir sehen, aber unsere Worte und Namen sind nur Schall und Rauch, sie sind allenfalls Hinweise, Fingerzeige auf das was ist oder wie die Budhisten sagen, der Finger, der auf den Mond weist ist nicht der Mond. Vor lauter Namen und Kennzeichnungen nehmen wir nicht das wahr, was hinter den Dingen ist,  wir erkennen nicht, dass es die Leere ist aus der die Fülle der  Sterne, der Formen, des Seins entstehen, dass es der Raum, das nicht Beschreibbare ist,  dass den Sternen ihre Bahn gibt und auch die Regeln unseres eigenen Lebens aufstellt.  Wir können wahrnehmen, dass alles lebt, dass alles um uns voller Leben ist und dass dieses Leben  auch Gesetzmässigkeiten  unterliegt,  die sich unserem Verstand entziehen. Alles dies können wir wahrnehmen und doch sagt uns die Stimme in unserem Kopf,   die Wahrnehmung gibt es nicht, es gibt nur das was ich  Dir sage, ich die Stimme in Deinem Kopf.  Und wir glauben das und gehen durch unser Leben und wissen das uns etwas fehlt.   Wir suchen etwas, das wir den Sinn des Lebens nennen, was aber in Wirklichkeit nur der Zugang zu der Dimension ist, die sich unserem Denken entzieht.  Auf der Suche nach dem Zugang  zur Wahrheit unseres Lebens komme ich auf den Ausgangspunkt  zurück, auf den Tod eines geliebten Menschen.  Der Tod ist solch ein Zugang,  dort wo vorher ein geliebter Mensch gewesen ist,  ist scheinbar nichts.  Aber in diesem Nichts scheint etwas auf, was  wir  wahrnehmen können, wenn wir einen Sinn für das Transzendente entwickelt haben, es scheint das auf, was wir die Seele des Menschen nennen ,  das was seiner Person Leben gegeben hat, das was   nicht dem Prozess von Werden und Vergehen unterliegt.  Es scheint das Leben auf in seiner reinsten Form.  Im Moment des Todes können wir das Leben am deutlichsten fühlen, das die sterbende Form verlässt,  und eingeht in die Fülle des Seins. 
In unserem Leben  haben wir Rang und Namen gehabt,  haben wichtige Ämter bekleidet, Gegenstände besessen,  und schon im Alter fangen wir an   alles hinter uns zu lassen, Rang und Namen fallen ab, das Vermögen schwindet,  Motten und Rost zerfressen, was wir im Leben gebaut haben. Aber gerade  bei alten Menschen ist wunderbar zu beobachten, wie langsam in der schwindenden Lebensform das durchscheint, was den Menschen wirklich ausmacht, das Leben selbst,  und dieses Leben stirbt nicht,  wenn die Form endgültig verfällt, es ist dieses Leben das bleibt.  
Wir die Beobachter sehen, wie unsere Gefährten gehen.  Wer ist das, der Beobachtet?  Ist das unserer Verstand?  Ist  das was wir sehen nur ein Gedanke, eine Erinnerung in unserem  Gedächtnis, das mit unserem eigenen Tod erlischt?   Könnte es nicht sein, dass gerade der Tod uns einen Zugang verschafft zu einer Dimension des Lebens, die wir noch nicht wahrgenommen haben?  
Wenn wir durch die Wahrnehmung des Todes gehen,  öffnet sich   eine Pforte  in uns. Wenn wir durch diese Pforte gehen, dann können wir  die Transzendenz unseres Seins wahrnehmen, die andere Seite unserer physischen Existenz. 
Der Tote hat uns allein gelassen.  In diesem Alleinsein liegt   die Möglichkeit unser Bewusstsein zu erweitern.  Schon das Wort Alleinsein  gibt den Hinweis  auf das was  uns der Tod geben kann. In  diesem Wort liegt   das  All Eins sein,  eins sein mit dem Sein, eins sein mit dem Leben.  Das Leben in uns nimmt das Leben im anderen wahr, auch im Leben des Verstorbenen,  das Leben in allem was uns umgibt.   Wenn ich   eins werde mit dem was mich scheinbar verlassen hat, dann hat es keinen Verlust gegeben, ich habe den Zugang zu meinem wirklichen Sein gefunden,  dann bin ich eins mit dem Leben und eins mit  dem an den wir heute denken.   

Wenn wir   auf  den Friedhof gehen, dann können wir uns traurigen Gedanken hingeben, wir können aber auch  auf die Vergänglichkeit  von uns selbst schauen, ohne Wertung,  und  einen Zugang erhalten zu der Ebene, die jenseits der Ebene des Denkens liegt. Es ist die transzendente Seite unsere Seins, die  wir  betreten   Wenn wir,  die Lebenden,  die  Frage stellen,  wer bin ich?   Dann  kann die Antwort nur Schweigen sein, nur Stille, nur Raum.  Und dieser Raum ist die ganze Fülle des Seins. Wer bin ich?  Die Antwort ist nicht:  Ich bin mein Name, meine soziale Stellung, mein Körper,  diese sind nur für kurze Zeit  die Fassung oder der Rahmen für den Raum,  durch den  ich hindurch auf das blicken kann, was  wirklich ist.  Wenn wir  an diesem Ort  der Verstorbenen, nicht mehr den Verstorbenen, sondern das sehen können, was der Verstorbene wirklich war und ist, dann gewinnen wir die einzige Einsicht, die wirklich ist, jenseits unserer körperlichen Form, und wir sind im Einklang mit den Lebendigen und den Toten.  Und diesen Einklang und Frieden, der höher ist als unsere Vernunft  wünsche ich Euch allen auf Eurem Weg.